Fastenzeit eingeläutet

Fastenkonzert mit einem Schauspielerprofi

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Der Poinger Kirchenchor sang diesmal im Altarraum unter der Leitung von Angelika Tasler

Die „letzten Worte“ Jesu vor seinem Tod am Kreuze

Poing – Mit einem eindrucksvollen Konzert wurde in der katholischen Kirche Sankt Michael die Fastenzeit eingeleitet. Unter dem Titel „Letzte Worte“ wurden am ersten Fastensonntag zwei sehr unterschiedliche Werke präsentiert: Zuerst spielte ein Streichquartett aus Musikern der führenden Orchester Münchens „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ von Joseph Haydn. Diese Komposition entstand 1785 als besondere Auftragskomposition für die Kathedrale im spanischen Cadiz. Dort wurde stets am Karfreitag ein langer und andächtiger, von besonderer Musik getragener Gottesdienst gefeiert. Dafür wurde die Kathedrale innen mit schwarzem Tuch ausgekleidet, so dass eine ganz besonders Atmosphäre herrschte. „Auf die schwarze Verkleidung haben wir verzichtet“, lachte Angelika Tasler auf Nachfrage, „dafür haben wir uns sehr intensiv vorbereitet!“ Wie die Leiterin des Poinger Kirchenchores erzählte, müsse Haydns Musik bestimmt in einem wunderbarem Kontrast zum Dunkel dieser die schwarzen Tücher gestanden haben. Diese wende sich in ihrem Ausdruck viel mehr dem Erlösungsgeschehen zu als dem Leiden Christi. Davon konnten sich auch die zahlreichen Hörer am Sonntag in der Poinger Kirche überzeugen. In einzigartiger Harmonie trugen David Ott und Dorothee Keller (beide Bayerisches Staatsorchester) sowie Daniela Willert und Stefan Schütz (beide Staatstheater am Gärtnerplatz) die sieben unterschiedlichen Sätze vor, denen jeweils das entsprechende Christuswort vorangestellt wurde. Dieser nachdenklich-heiteren Kammermusik folgte ein dramatisches Werk für gemischten Chor (Kirchenchor Sankt Michael) und Schauspieler (Theaterfreunde Forstinning). Im „Totentanz“ von 1934 bezieht sich der Komponist Hugo Distler auf die Tradition mittelalterlicher Gemälde und Kompositionen, in denen der Tod Angehörige verschiedener Stände (Kaiser, Bischof, Edelmann, Landsknecht, Arzt, Kaufmann, usw.) zu sich ruft. Alle Gerufenen versuchen auf ihre Weise, dem Tod ein wenig Gnade abzuringen. Sie werden aber ohne Nachsicht mit ihren Fehlern, aber auch mit ihren Tugenden konfrontiert. Am Ende wendet sich der Tod (Schauspieler Wolfgang Haas) gar an das Publikum selbst mit der Frage: „Wer ist’s, der sich zu Gotte kehrt?“ Diese vorgetragenen Texte wurden durch die vom Chor eingeworfenen „Sprüche“, noch vertieft in denen die Gäste zum Nachdenken über sein Leben angehalten werden. Die zeitlos aktuellen Inhalte wurden vom Kirchenchor Sankt Michael mit starker Ausdruckskraft und mitreißender Emotionalität präsentiert. Die Gesamtleitung des Konzerts hatte die Poinger Kirchenmusikerin Angelika Tasler inne, die sich über den regen Zuspruch des spendenfreudigen Publikums freuen durfte. Leider war das Gotteshaus nicht bis zum letzten Platz gefüllt, vielleicht war so manchem Bürger für ein hochklassiges Fastenkonzert der Fasching noch zu nahe.wal

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