"Gänsehautgefühl" bei knapp 400 Konzertbesuchern

Tading

(ha) – Angekündigt als kultureller Höhepunkt des Herbstes in der Tadinger Kirche und angepriesen als eine der klangschönsten Haydn-Messen hat die Aufführung der Theresienmesse sämtliche Erwartungen der knapp 400 Konzertbesucher noch weit übertroffen. Das Vokal-Ensemble "Canto Vivace", die Solisten Isabella Stettner, Angelika Wonnemann, Klaus Steppberger sowie Klaus Basten und das Orchester, überwiegend besetzt mit Musikern aus der Region, offerierten unter der Leitung von Konrad Huber ihrem Publikum einen weiten Blick in den Himmel, ganz so wie es Weihbischof Haßlberger sich in seiner Eröffnungsrede wünschte. Den Eröffnungspart übernahm der Münchner Robert Hilz mit einem Trompetenkonzert in Es-Dur von Johann Georg Neruda (1707-1780). Hilz, Solotrompeter am Gärtnerplatz-Theater, markierte damit gleich zu Beginn einen qualitativ hoch angesetzten Konzertabend. Virtuos, mächtig und dennoch gefühlvoll stand sein weicher Trompetenton über dem dichten Klangteppich des Orchesters und hüllte den Kirchenraum in eine festliche Atmosphäre. Andrea Traber, kurzfristig eingesprungen, führte in Haydns C-Dur-Orgel- konzert den Spannungsbogen souverän weiter. Bravorös gestaltete sie die schwierigen Solopassagen und fügte sich aber auch wieder in einen harmonischen Gesamtklang mit dem Orchester ein. Sich dieser Herausforderung zu stellen, bereitete ihr sichtlich Vergnügen. Als sich anschließend der Chor geschlossen erhob, konnte man die Spannung im Publikum förmlich spüren. Kein Räuspern oder Husten war zu hören. So kam der verhalten-zarte Beginn des Kyrie wunderbar zur Geltung. Der darauf folgende terrassenförmig angelegte Einsatz der Solisten steigerte die Dramatik bis der Chor in der Fuge stimmgewaltig und energisch das "Kyrie eleison" einforderte. Mit einem Adagio vollendete Haydn die symmetrische und damit neuartige Form des Kyrie. Das plötzliche Umschalten von Forte auf Piano und umgekehrt gestaltete das Vokalensemble "Canto Vivace" dabei so eindrucksvoll, dass sich unweigerlich ein "Gänsehautgefühl" einstellte. Auf das Aufspüren und Lebendigmachen der musikalischen Hauptmotive, bei Haydn oft als Gegensatzpaar (z.B. schnell-langsam, laut-leise) dargestellt, legte Konrad Huber bei seinem Dirigat großen Wert. Absolut überzeugend wie schnell und präzise Chor und Solisten darauf reagierten und mit welch bewundernswerter Sicherheit sie die musikalischen Impulse umsetzten. Isabella Stettners klarer Sporan und die warme Altstimme von Angelika Wonnemann harmonierten dabei perfekt zu dem frischen Tenor Klaus Steppbergers und der samtigen Bassstimme Klaus Bastens. Ein wahrer Genuss das "Et incarnatus est" sowie das innige "Benedictus", das durch die refrainartige Einbeziehung des Chores zu einem fulminanten Lobgesang emporstieg. Die lautstark erklatschte Zugabe "Eja Gentes", ebenfalls aus der Feder Joseph Haydns, unterstrich noch einmal den harmonisch fein ausgewogenen Klangkörper des Vokal-Ensembles "Canto Vivace". Einen gelungeneren Abschluss des Gesamtkunstwerkes "Theresienmesse in Tading" hätte man sich nicht wünschen können. Ganz ohne Zweifel hat dieser Konzertabend beim vollends begeisterten Publikum tiefen Eindruck hinterlassen und Konrad Huber mit seinem "Canto Vivace" einen neuen Meilenstein gesetzt.

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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