Gedenken an den Zweiten Weltkrieg

Gedenkfeier am Mahnmal in Poing zum Todeszug 1945

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„Ein Verzeihen kann es nicht geben“ mahnt Pfarrer Dr. Roger Busch, „wir haben die Pflicht, ein Vergessen zu verhindern“.

Poing – Etwa 50 Poinger Bürger hatten sich am späten Nachmittag des 27. April 2019 am Mahnmal für die Opfer des Häftlingstransportes vom 27. April 1945 beim Bahnhof versammelt. 

Leider passten die blauen Baucontainer im Hintergrund des mit Kränzen geschmückten Mahnmals nicht zur feierlichen Zeremonie. Auf den überdachten Sitzplätzen saßen unter anderem Zeitzeugen (Brigitte Dinev und Prof. Hans Steinbigler), Honoratioren aus dem Landkreis und der Gemeinde Poing. 

Günther Scherzl (3. Bürgermeister) ging bei seiner Rede auf die Geschehnisse von 74 Jahren ein. Damals wurden nach einem alliierten Bombenangriff am 20. April 1945 die KZ-Lagergruppe Mühldorf aufgelöst und die etwa 3.600 jüdischen Häftlinge in Güterwagen gepfercht und abtransportiert.

Sieben Tage später stoppte der von SS- und Wehrmachtsangehörigen begleitete Transport wegen Lokomotivschaden auf einem Nebengleis im Bahnhof Poing. Im Laufe des Tages verbreitete sich das Gerücht vom Kriegsende unter den Wachmannschaften, weshalb einige die Flucht ergriffen. 

Das gleiche versuchten zahlreiche Häftlinge und erreichten unter Lebensgefahr nahliegende Häuser und Bauerhöfe. Dort wurden sie von den hilfsbereiten Bewohnern mit Essen und Trinken versorgt.

Nur wenige Flüchtlinge konnten mit deren Hilfe Unterschlupf finden – die meisten wurden eilig anrückenden SS- und Luftwaffeneinheiten wieder zum Zug getrieben oder erschossen. Leider beteiligten sich auch Zivilisten an dem Geschehen, wo mindestens 50 Tote und mehr als 200 Verletzte zu beklagen waren. 

Am Abend des 27. April fuhr der Zug weiter nach Tutzing und Seeshaupt weiter, wo die Überlebenden schließlich am 30. April befreit wurden. Der bekannteste Überlebende des „Todeszug“ war Max Mannheimer, der wegen Verletzung den Transport nicht verließ und deshalb am Leben blieb. 

Im Gedanken an ihn wurde das Poinger Bürgerhaus nach seinen Namen benannt. Günther Scherzl hob hervor, dass Mannheimer später sich nie für Vergeltung, sondern für Nächstenliebe und Vergebung aussprach. Er wollte lieber alles „Anders- und Bessermachen“. 

„Diesen Auftrag“ so Günther Scherzl, „sollten wir heute und in Zukunft gerecht werden, da gerade jetzt rechtsnationales Gedankengut, Antisemitismus und Ausländerhass in Teilen der Bevölkerung salonfähig geworden sind.“ 

Für Scherzl ist „das Gespräch mit Überlebenden sehr wichtig, um deren Erfahrungen zu unserer eigenen Überzeugung zu machen und deshalb sind wir diejenigen, die gegen das Vergessene eintreten müssen.“ Scherzl schloss mit einem Zitat von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.“ 

Für Pfarrer Christoph Klingan ist das Mahnmal ein „unverrückbarer Platz in Poing und sollte es auch in Zukunft bleiben“. Seiner Meinung nach hat die „Demokratie in den letzten Jahren einen hohen Standard erreicht“ und für ihn „verbindet sich der Blick in die Vergangenheit mit der Perspektive in die Zukunft. Erinnerung ist Arbeit!“ 

„Ein Verzeihen kann es nicht geben“ mahnte Pfarrer Dr. Roger Busch, „wir haben die Pflicht, ein Vergessen zu verhindern“. Er kritisierte, dass gerade „viele ältere Menschen die damaligen Geschehnisse verdrängt oder vergessen haben. fu

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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