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Vom Haberfeldtreiben als Volksgericht

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Das Bürgerstüberl war beim Referat über das Haberfeldtreiben bis zum letzten Platz gefüllt. © wal

Unterhaltsamer Abend im Bürgerstüberl Pliening.

Pliening – Sie trafen sich heimlich, zunächst in kleinen Gruppen. Dann marschierten sie in tiefer Nacht zu einem Sammelpunkt, wo sie sich vermummten und die Gesichter mit Ruß beschmierten, um unerkannt zu bleiben. Danach zogen die Männer lärmend und schreiend in die Nähe jenes Bauernhofes oder eines Dorfes, dessen Bewohner mit knallhart formulierten Versen zur Räson gebracht werden sollten. Schon löste sich der unheimliche nächtliche Spuk wieder auf.Die Rede ist hier vom Haberfeldtreiben, das Ende des 19. Jahrhunderts im bayerischen Oberland seinen Höhepunkt hatte. Der Plieninger Heimatverein hat dieses spannende Thema aufgegriffen und mit Hans Obermair nicht nur einen fachkundigen Referenten ins Bürgerstüberl geholt, sondern einen Mann, der es wissen musste. Schließlich war sein Großvater ebenfalls einer der damals so gefürchteten Haberer. Woher der Name stammt, konnte auch Obermaier nicht genau sagen. „Entweder vom Haferfeld“, bemerkte der anerkannte Heimatforscher, „oder vom Ziegenbock, dessen lateinische Bezeichnung ‚haper‘ ist und mit dessen Fell sich später der Begriff als ‚Haberfeld‘ zusammengesetzt haben könnte“. Weil das Bündnis der Haberer streng geheim und viele der Aktiven des Schreibens kaum mächtig waren, gibt es wegen der Gerichtsverhandlungen und Verurteilungen der Anführer nur von aktenkundig gewordenen Haberfeldtreiben Aufzeichnungen.Brandl-HauseIm Mittelpunkt der Ausführungen von Hans Obermair stand neben allgemeinen Informationen das Haberfeldtreiben bei Aying und Peiß in der Nacht vom 21. auf 22. September 1895 und dessen bekanntester Haberer Balthasar Killi (Brandl-Hause) aus Münster. Neben anderen wurde er verhaftet und saß rund acht Jahre in München im Gefängnis. Die Haberer prangerten in ihren nächtlichen Aktionen alles an, was die staatlichen Institutionen nicht ahndeten, nach dem Verständnis des Volkes aber nicht rechtens sein konnte. Lautstark und in Versform wurde angeklagt, nach jedem Spruch folgte die Frage „Is’s wahr?“ die Antwort lautete vielstimmig: „Wahr is’s!“Stefan Seizl war vom großen Andrang zu diesem Vortrag überwältigt. „Wir hatten mit maximal 50 Gästen gerechnet, jetzt sind weit über 100 gekommen“, freute sich der Vereinsvorsitzende. Aufgelockert wurde der Abend von Klängen der „Vuizpandoffen“ und Volksliedern der „Stoa-bergler Sängerinnen“. Die nächste große Aktion des Plieninger Heimatvereins war die Teilnahme am Weihnachtsmarkt und Organisation der Pferdesegnung am Tag des Heiligen Stefan zum Jahresende 2013.wal

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