Interview

Hohenlindens Bürgermeister Ludwig Maurer im Interview

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Bürgermeister Ludwig Maurer hat seine fünfte Amtsperiode angetreten

Die fünfte Amtszeit für Hohenlindens Rathauschef hat begonnen: Wie Maurer die derzeitige Lage sieht und welche Pläne für die Gemeinde anstehen

Herr Maurer, mit fast 70 Prozent der Stimmen haben Sie die Kommunalwahl gewonnen. Das hat sie sicherlich gefreut.

Die Freude über das Vertrauen in meine Arbeit ist wirklich sehr groß. Nach vier Amtsperioden ist dieses Vertrauen nicht selbstverständlich. Viele Bürgerinnen und Bürger haben mir in den letzten Wochen persönlich (natürlich mit Abstand) ihre Glückwünsche ausgesprochen.

Die aktuelle Lage ist für alle schwierig. Welche wirtschaftlichen Folgen erwarten Sie für die Gemeinde?

Die Gesundheit aller steht in der aktuellen Situation an erster Stelle. Aus diesem Grund war es am wichtigsten, dass Maßnahmen ergriffen wurden, die unser Gesundheitssystem, und damit auch die Kliniken, vor einem Kollaps bewahrt haben. Ich bin zuversichtlich, dass sich die Umstände weiter normalisieren werden. Da die Gefahr durch das Corona­virus leider noch weiter besteht, werden wir die Verhaltensregeln (Abstand und verstärkte Hygienemaßnahmen) noch länger einhalten müssen. Hohenlinden liegt in der Wirtschaftsregion München und wir haben einen guten Branchenmix. 

Hoffen wir, dass die Betriebe, und damit die Arbeitsplätze, weiter Bestand haben. Es werden wohl die Einnahmen der Gemeinde sinken. Dementsprechend müssen auch wir Prioritäten bei den Investitionen festlegen. Trotzdem bin ich optimistisch, dass unsere Vorhaben zeitnah verwirklicht werden können.

Die B12 ist raus aus Hohenlinden. Doch weniger Verkehr bedeutet auch weniger Kundschaft. Deswegen ist ein Wochenmarkt im Gespräch. Gibt es dazu konkrete Pläne?

Der geringere Straßenverkehr im ganzen Gemeindegebiet hat eine enorme Steigerung der Lebensqualität gebracht. Uns ist bewusst, dass sich der Umsatz einzelner Betriebe dadurch geändert hat. Auch die Verbraucherwünsche ändern sich. Um Hohenlinden weiter für alle attraktiv zu halten, hatte ich die Idee einen Dorfmarkt auf dem Kirchplatz anzuregen. 

Wer zum Markt nach Hohenlinden kommt, kann auch andere Erledigungen tätigen. Durch die momentane Lage werden wir erst nächstes Jahr beginnen können. Dabei sollen bevorzugt regionale Produkte angeboten werden. Zusätzlich wäre es schön, den Markt mit wechselnden Aktionen, wie beispielweise kleinen Schmankerl oder Ähnlichem, noch interessanter zu machen.

Hohenlinden wächst stetig. Ein Konzept soll her, um das weitere Wachstum mit allen Begleiterscheinungen (Ausbau von Wohnraum, Infrastruktur etc.) zu ­stemmen. Was ist geplant?

In vielen Bereichen ist das Baurecht klar geregelt. Bei der Nachverdichtung im Ortsgebiet werden in manchen Fällen momentan alle Möglichkeiten genutzt, um sehr intensiv zu bebauen. Hier wollen wir möglichst gemeinsam mit den Bauherren eine verträgliche Entwicklung erreichen. Unser Gesetzgeber will bereits genutzte Flächen deutlich intensiver bebauen lassen. Wir sind bemüht, den Charakter unseres Dorfes trotzdem nach Möglichkeit zu erhalten.

Wie sehen Sie die derzeitige Entwicklung? Wie viel Neuzugang kann eine Gemeinde verkraften, ohne ihre Identität zu verlieren?

Wir richten uns hier nach dem Begriff „moderates Wachstum“. In Hohenlinden hatten wir die letzten Jahrzehnte ca. 1-1,5 Prozent Zuwachs. Zurzeit ist es deutlich mehr. Wir wollen die Schaffung von Wohnraum ermöglichen, müssen aber dazu auch die Infrastruktur für Klein und Groß, Jung und Alt, mitentwickeln. Corona hat wohl auch hier eine neue Zeit und andere, zusätzliche Faktoren geschaffen. 

Ich glaube, dass wir die nächsten Jahre deutlich weniger Entwicklungsdruck in diesem Bereich haben werden. In Hohenlinden konnten der Bauherren schon immer sehr viele von den eigenen Vorstellungen zur Verwirklichung des individuellen Traumhauses ­einbringen und umsetzen. 

Der erste Abschnitt der Ortsmitte ist umgestaltet worden. Der zweite Abschnitt (vom Kirchplatz Richtung Pfahlerkurve) wird als nächstes in Angriff genommen. Was ist geplant?

Im Architektenwettbewerb wurde eine Idee für die gesamte Ortsmitte ausgewählt. Dadurch wird im zweiten Bauabschnitt voraussichtlich auch das Material wieder verwendet. Die Erfahrungen aus dem ersten Bauabschnitt sind sehr positiv. Wir werden versuchen auch im zweiten Bauabschnitt mehr Grün-, Blüh-, und Naturflächen einzuplanen. 

Auch soll die Barrierefreiheit weiter stark im Fokus stehen. Ein besonderes Augenmerk wollen wir auf den Kreuzungspunkt Hauptstraße/Erdinger Straße legen. Nicht nur optisch, sondern vor allem auch sicherheitsbedingt müssen hier deutliche Verbesserungen für die schwächeren Verkehrsteilnehmer geschaffen werden.

Ein Rückblick nach fast 25 Jahren als Bürgermeister. Was konnten Sie bisher bewegen? Was hat sie gefreut? Worüber haben Sie sich geärgert?

25 Jahre – wie schnell doch die Zeit vergeht. Gleich am Anfang stand das Mammutprojekt Umgehungsstraße. Nur durch gemeinsame Anstrengungen von Grundstückseigentümern, Behörden und Gemeinde war diese gigantische Verbesserung, leider nur für den Ortskern, möglich. Darauf folgten viele kleine und größere Projekte bei denen der Erfolg auf mehrere Schultern verteilt war. Wichtig war und ist mir, Dinge anzugehen um keinen Investitionsstau zu bekommen. Nicht alles kann positiv abgeschlossen werden, aber viele Entwicklungen wurden dadurch vorangebracht. 

Die Gründe, aus denen ich Freude an meinem Amt habe, sind breit verteilt. Ob es das gute Klima im Team der Gemeinde, ein verantwortungsbewusster, entscheidungsfreudiger Gemeinderat, aber auch der große Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft ist. All diese Punkte und noch einige mehr, sind die Voraussetzungen für das Wohlfühlen in meinem Amt als Bürgermeister. Da ich sehr viel demokratisches Verständnis für unterschiedliche menschliche Charaktere habe, gab es zum Glück nur in verhältnismäßig wenigen Fällen meiner bisherigen Amtszeit Probleme oder Ärger. 

Trotzdem gab es, oft verursacht durch übertriebenen Egoismus und Anspruchsdenken, oder aus Acht lassen des Allgemeinwohls einzelne Situationen, wo auch meine Reaktionen deutlicher ausgefallen sind. Besonders auch dann, wenn ich durch die Verbreitung von Unwahrheiten oder falschen Darstellungen persönlich getroffen werden sollte. Die Entscheidung zum Bürgermeisteramt habe ich mir gut überlegt, aber noch nie bereut. Die Begegnung mit Bürgerinnen und Bürgern und das Mitwirken bei gemeinsamen Projekten macht mir nach wie vor große Freude.

Das Interview führte Anja Leitner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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