Interview

Markt Schwabens Bürgermeister Michael Stolze im Interview

Michael Stolze
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Michael Stolze

Markt Schwabens Bürgermeister Michael Stolze über die ersten acht Monate im Amt und die angespannte finanzielle Lage der Marktgemeinde 

Herr Stolze, Sie sind seit Frühjahr diesen Jahres erster Bürgermeister von Markt Schwaben, was hat sich in Ihrem Leben verändert? Sie waren zuvor beruflich in der freien Wirtschaft und sind jetzt in einem Verwaltungsapparat tätig. Wie schwer oder leicht fällt dieser Wechsel? Exakt sind es jetzt fast acht Monate, seit ich Erster Bürgermeister bin. In meinem früheren Berufsleben war ich immer international tätig. Dienstreisen um die ganze Welt und Englisch als meine erste Sprache in der Geschäftswelt, gehören jetzt der Vergangenheit an – das sind für mich die größten Veränderungen. Der Wechsel von der freien Wirtschaft in die Verwaltung fällt mir schon deshalb leicht, weil ich unseren Verwaltungsapparat in erster Näherung als Wirtschaftsunternehmen sehe.

Mit 50 Jahren machten Sie den Schritt zum Bürgermeister. In diesem Alter zieht man durchaus auch einmal Bilanz – eine Lebensbilanz, was war bei Ihnen Grund zu diesem Richtungswechsel? Was ist der Reiz am Bürgermeisteramt für Sie? Im Wahlkampf haben mich viele Menschen, darunter auch gute Freunde gefragt, warum ich meinen guten Job in der freien Wirtschaft aufgeben und Bürgermeister werde will. Dass ich am Tag der Wahl 50 Jahre alt geworden bin, war tatsächlich ein schöner Zufall. Den Traum, dieses Amt auszufüllen, hatte ich schon viel länger. Jetzt hat es einfach gepasst. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ hat mein Bauch gesagt. Der Reiz am Bürgermeisteramt besteht darin, dass es in Markt Schwaben viel Gestaltungsmöglichkeiten gibt, um Markt Schwaben zukunftsmäßig auszurichten.

In einem Interview sagten Sie „Ich mag weder Verwaltungsmensch, noch Politiker werden“ Die freie Wirtschaft werde ich nie ganz abschütteln, daher sehe ich mich jetzt quasi auch wieder als Geschäftsführer eines Unternehmens. Politiker müssen meist das sagen, was ihre Wähler gerne hören wollen. Als Geschäftsführer habe ich regelmäßig Entscheidungen zum Wohle der Firma treffen müssen, die den Mitarbeitern nicht immer gefallen haben. Diesen Stil möchte ich mir bewahren – zum Wohle der Marktgemeinde.

Markt Schwaben ist finanziell die angeschlagenste Gemeinde in Oberbayern. Wo fängt man an zu sparen? Die Lage ist nicht aussichtlos. Mit Ausdauer, Disziplin und einem stringenten Konsolidierungskurs, werden wir Markt Schwaben wieder auf Kurs bringen. Die nächste Dekade wird von einem Sparkurs dominiert sein, da will ich keinen Hehl daraus machen. Was mit der Anpassung der verschiedensten Abgaben und Gebühren (z.B. Abwasser und Wasser) ­begonnen hat, werden wir konsequent fortsetzen müssen. Raum für die strategische Fortentwicklung unserer Marktgemeinde wird es dennoch geben – ­darauf freue ich mich.

Corona prägt auch ihr Amt als Bürgermeister. Welche Auswirkungen hat diese Pandemie im Rathaus? Auch wir schränken Kontakte rigoros ein – intern wie extern. Wo immer möglich, arbeiten viele unserer Mitarbeite im Homeoffice. Den Parteiverkehr für unsere Bürger mussten wir auch massiv einschränken. Wenn auch mit Abstrichen, so denke ich trotzdem, bieten wir weiterhin einen ganz ordentlichen Service – eben im Rahmen der zulässigen Möglichkeiten. Die Digitalisierung hat natürlich auch bei uns an Dringlichkeit zugenommen.

Wie gehen Sie privat mit der Situation der Pandemie um und was ist ihr Wunsch in dieser Zeit für die Gemeinde? Meine Familie und ich, wir haben unsere privaten Kontakte ganz massiv eingeschränkt. Uns fehlen die Begegnungen mit Freunden. Meiner Frau und mir und unseren Kindern fällt das mitunter schwer. Ich wünsche mir für unsere Gemeinde – vor allem für diejenigen, die ganz besonders, auch finanziell, unter der Pandemie leiden – dass wir gut durch diese Krise kommen und gemeinsam gestärkt daraus hervorgehen werden.
Um diese schwere Zeit zu überstehen, finde ich es zum einen wichtig, die aktuell geltenden Vorschriften strikt zu befolgen, zum anderen sollten wir trotz der vielen Einschränkungen die Zuversicht nicht verlieren und Vertrauen in die Zukunft setzen. - tt

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