Interview

Markt Schwabens Bürgermeister Michael Stolze im Interview

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Bürgermeister Michael Stolze

Bürgermeister Michael Stolze über Herausforderungen und derzeitige Projekte in der Marktgemeinde Markt Schwaben

Herr Stolze, Sie waren Geschäftsleiter eines mittelständischen Unternehmens. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, als Bürgermeister zu kandidieren?
Ich bin das in den letzten Monaten sehr häufig gefragt worden. Ich habe in den letzten 25 Jahren in der freien Wirtschaft viel gelernt und auch die Chance bekommen, sehr früh Führungs- und Managementverantwortung zu übernehmen. Weil mir Markt Schwaben als meine Heimat sehr wichtig ist, habe ich schon länger den Traum gehegt, eines Tages kommunalpolitische Führung zu übernehmen und meine Berufserfahrung in das Bürgermeisteramt zu übertragen. Wenn es vielleicht auch sehr abgedroschen klingt: ich darf meinen Traum jetzt zum Beruf machen.
Die Stichwahl haben Sie mit über 67 Prozent gewonnen. Haben Sie damit gerechnet?
Ich habe darauf gehofft, aber nicht damit gerechnet. Wir waren vier Bewerber um das Amt und jeder hat seine individuellen Stärken angeboten. Dass es zu diesem Ergebnis gekommen ist, hat mich zum einen natürlich sehr gefreut. Zum anderen erfüllt es mich schon auch mit Stolz und erlaubt es mir auch, dass ich mein Amt „gestärkt“ angehe.
Schwierige Zeiten sind im Moment zu bewältigen. Welche wirtschaftlichen Folgen sehen Sie für den Markt Markt Schwaben?
Die Corona-Pandemie hinterlässt leider auch in Markt Schwaben ihre Spuren. Glücklicher Weise ist die Anzahl der Krankheitsfälle in Markt Schwaben auf vergleichsweise sehr niedrigem Niveau geblieben. Leider sind aber viele Menschen, Familien, Unternehmer und Gewerbetreibende finanziell von der Krise schwer getroffen worden. Die direkten Folgen spürt natürlich die Marktgemeinde: nämlich ein Rückgang der Steuereinnahmen. Weil wir heute noch nicht abschließend beziffern können, wie hoch die Ausfälle auf der Steuereinnahmeseite tatsächlich sein werden, müssen wir viele Investitionsvorhaben auf den Prüfstand stellen.
Der Neubau der neuen Grund- und Mittelschule nimmt Gestalt an. Welche Hürden sind bisher bewältigt worden? Können die Bauarbeiten wie vorgesehen in den Sommerferien starten?
Der Neubau des neuen Schulzentrums ist eine unverrückbare Pflichtaufgabe. Die Planungsarbeiten sind abgeschlossen, die wesentlichen Genehmigungen erteilt und die ersten Ausschreibungen und Auftragsvergaben stehen an. Ja, es ist weiterhin der Plan, dass wir gemäß dem Projektzeitstrahl im Frühsommer mit den Bauarbeiten beginnen.
Der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs ist immer noch Thema. Wie ist der Stand der Dinge?
Meine Vorgänger waren hier zu keiner Zeit tatenlos, doch leider ist die Deutsche Bahn ein schwieriger Partner. Bei der Fülle an Projekten, die bei der Bahn vorangetrieben werden, ist der barrierefreie Bahnhof in Markt Schwaben leider nicht unter den Top 10. Weiterkommen werden wir hier nur mit Hartnäckigkeit. Meine Mitarbeiter und ich werden in schöner Regelmäßigkeit die verantwortlichen Stellen bei der Deutschen Bahn an die Dringlichkeit des barrierefreien Ausbaus erinnern. Nur indem wir den Druck erhöhen, finden wir hoffentlich ausreichend Gehör und Berücksichtigung bei der Vergabe von Prioritäten.

Ihr Wahlprogramm lautete „Vision 2032“. Die nächsten zwölf Jahre sind geplant. Was haben Sie alles vor?

Ein paar der Top-Themen sind bezahlbares Wohnen, ein kluges Infrastruktur-, Mobilitäts- und Verkehrskonzept, die Gesundung unseres Finanzhaushalts, der zeitgemäße Kommunale Umwelt- und Klimaschutz, eine zukunftsfähige Energie-, Wärme- und Wasserversorgung und der Hochwasserschutz. Aber auch ein lebendiges Vereinsleben, gelebte Traditionen und Kunst & Kultur werden bei der Gestaltung der kommenden Jahre weiterhin Berücksichtigung finden.
Die Rolle von Wind und Sonne als Energieträger für Markt Schwaben sollen berücksichtigt werden. Welche Konzepte werden dazu erarbeitet?
Mit unserem eigenen Kommunalunternehmen KUMS wurden 2014 die Grundlagen für ein eigenes Wärmeversorgungsnetz gelegt. Der neu gebildete Verwaltungsrat wird sich jetzt zusammen mit dem KUMS-Vorstand aufmachen, die Strategie für eine erfolgreiche Zukunft zu definieren. Was den Energieträger Sonne anbelangt, werden wir uns auch insgesamt auf den Weg machen, das enorme Dachflächenpotenzial für Photovoltaik in der Zukunft nutzbar zu machen. 
Sie werben für starke Jugendarbeit und wertschätzende Seniorenarbeit. Wie wollen Sie das umsetzen?
Zuhören, Kommunizieren Mitnehmen und Einbeziehen – das sind die wesentlichen Bausteine. Beide „Zielgruppen“ haben ihre individuellen Bedürfnisse. Zusammen mit Verwaltung und Marktge-meinderat werden wir Formate etablieren, um beiden Altersgruppen gerecht zu werden. Wir werden aber auch berücksichtigen, wo es Möglichkeiten des Verbindens von Jung und Alt gibt.
Der erste Monat im Amt ist rum. Welche Herausforderungen waren bereits zu meistern?
Da es aufgrund der Corona-Beschränkungen im Augenblick nur eine überschaubare Anzahl von externen Veranstaltungen gibt, konnte ich mich die ersten Wochen sehr viel mit meiner Belegschaft beschäftigen. Wie ja auch schon in der Presse berichtet wurde, sind wir aktuell mit einem Organisationsgutachten am Start, um die Verwaltung fit für die Zukunft zu machen. Natürlich steckt da für alle Beteiligten sehr viel Arbeit drin, aber es macht unheimlich viel Spaß und belohnt einen, wenn man sehr schnell die ersten gemeinsamen Erfolge verzeichnen kann.

Das Interview führte Anja Leitner

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