#MehrWert Markt Schwaben

Anders am Werk

Hielke Prins (li.) und Uwe Schürch vor dem Wehrwerthof
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Hielke Prins (li.) und Uwe Schürch vom Anderwerk. Sie sind noch nicht ganz am Ziel mit ihrem Projekt. Es fehlen noch Repair-Cafe & Co

Liebe Leser, heute stellen wir Ihnen eine neue Rubrik im Markt Schwabener Falken vor: #MehrWert. Hier wollen wir Menschen, Vereine, Gruppen und Institutionen in der Region vorstellen, die sich für die Gemeinde und auch im weiteren Sinne für die Gesellschaft engagieren – also einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Wir starten die neue Rubrik mit dem Mehrwerthof in Markt Schwaben.

Markt Schwaben – Hier sind sie anders am Werk, als an anderen Wertstoffhöfen. Dieser hier in Markt Schwaben ist ein soziales Projekt, welches, obwohl noch nicht gänzlich gereift, jetzt schon einen gewissen Nachhall erzeugt. Sozial hin oder her, auch hier muss der abgegebene Müll bezahlt werden. „Hier sind wir einer der modernsten“, sagt Hilke Prins nicht ganz ohne Stolz. „Sie können hier mit EC-Karte, Handy oder Kreditkarte bezahlen – Bargeld gibt es bei uns nicht“.

Großes haben hier die Gemeinde Markt Schwaben und Andewerk – München zusammen gestemmt und in einem modernen holzverkleideten Bau zusammengefasst. Mit Uwe Schürch hatten sie in der Gemeinde auch einen erfahrenen Projektleiter bekommen. Schürch nämlich leitet das Pendant von Markt Schaben - in Feldkirchen. An diesem Mehrwert-Standort befinden sich außerdem noch verschiedene Werkstätten zur Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen. Genau die werden auch hier in Markt Schwaben beschäftigt und es wird versucht Ihnen wieder einen Ausblick, besser einen Einstieg in die erste Arbeitswelt zu ermöglichen. Neben Langzeitarbeitslosen finden auch Geflüchtete, die Möglichkeit einen geregelten Tagesablauf zu erlernen. Das Wichtigste an dieser Tätigkeit hier auf dem Hof, schenkt man den Worten von Stephan W. und anderen glauben. „Hier hat man wieder eine Aufgabe und gern würde ich länger bleiben“.

Seit fünf Monaten ist der 24-Jährige schon hier, lenkt die kommenden Besucher an die richtigen Container und fühlt sich mehr als aufgehoben. „Herr Prins würde glatt als Therapeut durchgehen, so wie der sich um uns kümmert“. Durchaus genau diesen Eindruck macht der gefühlt zwei Meter große aus den Niederlanden stammende Prins. Für jeden einen Blick, ein Lächeln, eine ruhige Antwort. Nichts scheint diesen Mann aus der Ruhe zu bringen. „Doch manchmal kann es auch schon laut werden“, grinst Prins und vermittelt so gleichzeitig, dass das gar nicht wahr sein kann. Wie schnell jemand aus einem normalen Leben hinaus katapultiert werden kann, beschreibt der Lebensweg von Stephan W. Er absolvierte eine Lehre zum Elektroniker für Betriebstechnik, dann kamen die Depressionen, gekrönt von einer Suchtproblematik, drei Jahre Therapie und jetzt das große Glück hier eine Chance gefunden zu haben, wieder eine Regelmäßigkeit kennenzulernen, Wertschätzung und Gemeinschaft.

Und nicht zu vergessen Kumpel Prins. Uwe Schürch ergänzt hier noch mit einem Augenzwinkern: „Ich sag immer, ich bin froh, wenn ich euch hier nicht mehr sehe“. Heißt, die meisten machen eine Umschulung oder kommen so im ersten Arbeitsmarkt unter. Es dürfte aber auch teilweise für die Bürger Markt Schwabens ein soziales Projekt sein, „denn die merken ja auch, wenn sie hier reinfahren, dass da was anders ist“, so Uwe Schürch. Durchaus merkt man die teilweise psychischen Einschränkungen derjenigen, die Krankheit, lange Arbeitslosigkeit oder sogar eine Flucht hinter sich haben. So heißt es hier – aufeinander zugehen.

Und es lohnt durchaus, wenn man Baumaterial braucht, erst einmal beim Mehrwerthof vorbeizuschauen. Auch einige Bücherregale gibt es, wo fleißig herausgenommen und hineingelegt werden darf. Ansonsten gibt es wie auch an anderen Wertstoffhöfen die unterschiedlichsten Container, aber eben sozialer. Mehrwerthof in Markt Schwaben, Am Erlberg 8, Öffnungszeiten und Informationen unter Tel. (08121) 4 73 84 21 - tt

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