„Mutter“ für die sehbehinderte Nichte sein

Poing

(wal) – Das Schicksal stellte für die 1983 geborene alte Claudia Eibl harte Weichen. Mit einer extrem starken Sehbehinderung geboren leidet die junge Frau zudem an einer spastischen Behinderung, die vor allem ihre linke Hand fast unbrauchbar macht. Das war offenbar noch nicht genug, denn plötzlich erkrankte ihre Mutter Anne Eibl an Krebs und starb im Oktober 1994. Da hatte Claudia gerade ihren elften Geburtstag gefeiert. „Meine Schwester hat mich auf dem Krankenbett gefragt, ob ich mich nach ihrem Tode um Claudia kümmern würde“, erzählt Bärbel Dullnig sichtlich bewegt. Der „Familienrat“ mit Ehemann Herbert sowie den Söhnen Ludwig, Thomas und Marinus habe keine Sekunde mit der Zusage gezögert. Weil der Vater von Claudia aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gewesen sei, sich um seine Tochter zu kümmern, ist Claudia nach dem Tod ihrer Mutter in das Haus der Familie Dullnig umgezogen. Seit diesem Schicksalsschlag sind mittlerweile 15 Jahre vergangen. „Als Claudia zu uns kam, hat sich das Gefüge in unsere Familie zwangsläufig verschoben“, räumt Bärbel Dullnig ein, „wegen ihrer mehrfachen Behinderung war das nicht immer leicht“. Ihre selbstlose Hilfe für die Nichte blieb im Laufe der Jahre auch der Öffentlichkeit nicht verborgen. „So etwas muss Anerkennung finden“, meinte Poings Altbürgermeister Rainer Lauterbach. „Für Menschen, die sich in Poing uneigennützig für andere einsetzen ist auch der Gerda-Eisgruber-Gedächtnispreis gedacht“, erklärt Günther Eisgruber. Er habe diese Stiftung zum Gedenken an seine, nach schwerer Krankheit verstorbene Frau Gerda ins Leben gerufen. Über die Vergabe des Geldpreises von 1000 Euro jährlich entscheidet ein Gremium, dem neben Eisgruber selbst und Altbürgermeister Lauterbach auch die Pfarrer Michael Holzner (katholisch) und Herbert Specht (evangelisch), sowie Barbara Vergeiner angehören. Bei insgesamt mehreren Kandidatenvorschlägen sei heuer die Wahl einstimmig für Bärbel Dullnig ausgefallen, meinte Rainer Lauterbach in seiner Laudatio. „Sie ist für ihre Nichte viel mehr als eine gewöhnliche Tante“, behauptete der Altbürgermeister. Regelmäßige Fahrten zum Arzt, zur Krankengymnastik, zur Bank und für Besuche bei Freundinnen gehörten ebenso dazu wie die Beruffindung trotz Behinderung mit Ausbildungsmöglichkeiten. Dabei habe immer das Ziel im Raum gestanden, für Claudia ein möglichst selbständiges Leben anzustreben. „Ich hab das alles nicht alleine gemacht“, räumte Bärbel Dullnig in ihrer bewegenden Dankesrede ein. Es sei ihr Mann und die eigenen Kinder gewesen, die mitgeholfen haben. Ebenso die nahen Verwandten ihrer elterlichen Familie in Angelbrechting, aber auch Nachbarn und Freunde der Familie. „Claudia ist aktives Mitglied im Landfrauenchor, da wird sie von Nachbarinnen zu den Proben und Auftritten mitgenommen“, nannte die Geehrte ein Beispiel, „ebenso von einer guten Bekannten zum Blindenstammtisch nach Kirchseeon“.

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