Online-Gespräch der Frauen-Union Ebersberg

Warum ist Altersarmut hauptsächlich weiblich?

Walentina Dahms, Kreisvorsitzende der Frauen-Union Ebersberg lud ein zu einem Online-Gespräch mit dem Thema „Warum ist Altersarmut weiblich?“.

Altersarmut betrifft oft Frauen. Das hat verschiedene Gründe.

Markt Schwaben – Für ein Impulsreferat zum Thema war Thomas Huber MdL geladen, Vorsitzender des Arbeitskreises Arbeit und Soziales, Jugend und Familie der CSU-Landtagsfraktion. Ganze zwei Männer wohnten der Veranstaltung bei. Neben Huber noch Kirchseeons erster Bürgermeister Jan Paeplow, der in seinem früheren Leben bei der Rentenversicherung arbeitete und schon allein deswegen das Thema wichtig findet.

Ansonsten waren zum Beispiel noch Katrin Alte, erste Bürgermeisterin von Anzing am Gespräch beteiligt oder Angela Rupp vom Frauennotruf in Ebersberg, neben ungefähr 25 weiteren Frauen. Huber betonte gleich zu Beginn, wie wichtig ihm dieses Thema ist und dass es ihm „förmlich unter den Nägel brennt“. Im Ländervergleich stünden laut Huber die Bayern im Rentenvergleich am besten da, wobei durchaus erkannt wurde, dass natürlich die gestiegenen Lebenshaltungskosten die Rentenerhöhungen neutralisieren. Zahlen von 2016 zeigen, so erfährt man im Vortrag, dass nur rund 33,2 % der Frauen in Vollzeit beschäftigt sind, in Teilzeit sind es 82 % und bei den Minijobs würde der Frauenanteil 62,3% betragen, so die vorgetragenen Zahlen von Huber.

Die meisten Frauen können also nicht ihren Lebensunterhalt alleine bestreiten und Beschäftigung im niedrigen Lohnniveau bedeutet eben auch wenig Rente. Angela Rupp erklärte sogleich dieses Ungleichgewicht zwischen Vollbeschäftigung und Minijob. „Frauen leisten neben ihrer Erwerbsarbeit noch familiäre Arbeit, wie Pflege von Angehörigen oder Kinderbetreuung, die eben dazu führen, dass ihrer Erwerbstätigkeit oft für Jahre oder Jahrzehnte zurückgestellt wird“. Die Mütterrente oder die Grundrente würde hier oft zu wenig sein, um diese Lücken zu füllen.

Auch Huber betonte, dass hier durchaus, rein aus seinem persönlichen Gefühl heraus noch viel Luft nach oben ist. Präventiv gesehen und da waren sich alle Teilnehmenden einig, ist die einzige Chance eine gute Bildung, um der weiblichen Altersarmut zu entkommen. Hier hackte Katrin Alte mit einem Zitat von Renate Schmidt ein: „Ein Ehemann ist leider keine Altersvorsorge“. „Und die Frauen brauchen eine durchgängige Erwerbsbiographie“, ergänzte sogleich Huber. Wie schwer diese allerdings auch von gut gebildeten Frauen zu erbringen ist, ließen einige Wortmeldungen von Frauen erahnen, die mitunter darüber berichteten, wie erschöpfend Familie plus Vollzeitarbeit ist. Ganz zu schweigen von den Problemen, die alleinerziehende Mütter haben. Angela Rupp betonte hier die mangelnde Unterstützung der Männer in der Familienarbeit und stellte die Frage, warum Care-Arbeit weniger wert ist. „Eine Klientin“, so Rupp, „erzählte mir, dass ihr Mann immer fragen würde, was er denn tun solle, wo er ihr helfen solle und sie würde antworten, dass er nicht immer fragen solle, sondern einfach seinen Anteil an der Arbeit machen soll“. Frauen würden sich hier oft ein ganzes Leben lang aufarbeiten und hätten nichts davon, lautete das Fazit von Rupp.

2018 gab es im Landkreis Ebersberg eine Fachtagung zum Thema Armut und dort sagte Lena Wirthmüller in ihrem Vortrag: „Die gesellschaftliche Ächtung muss sich auflösen, es kann nicht sein, dass wir denjenigen sagen, die arm sind, sie seien auch noch selber schuld, hätten sie doch besser vorgesorgt.“ Wirthmüller leitet die Schuldnerberatung für die Caritas Dachau und verfasste 2012 den ersten Armutsbericht für den dortigen Landkreis. Ziel der Online-Veranstaltung letzte Woche von Valentina Dahms war, das Thema im reichen Landkreis Ebersberg präsent zu halten, denn auch hier gibt es viele Menschen, Familien und Frauen, die von Armut betroffen sind. at

Rubriklistenbild: © Michael Möller

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