Kommunalwahl

Politischer Wechsel im Landkreis Ebersberg? - Interview mit Omid Atai

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Landratskandidat Omid Atai

Ein Interview mit Landratskandidat Omid Atai

Interview mit Omid Atai, Landratskandidat von Ebersberg

Herr Atai, was gab den Ausschlag für Ihre Kandidatur?

Ausschlaggebend für meine Kandidatur war, dass ich als Gemeinderat in Poing die vielen Herausforderungen und Probleme in der Region live miterlebe und für mich feststelle, wir können diese nur bewältigen, wenn wir die Menschen, die hier leben, beteiligen und einen Plan haben wohin die Reise gehen soll. 

Bislang hatte ich immer das Gefühl, die politischen Verantwortlichen reagieren ständig und sind mittlerweile so langsam beim Reagieren, dass bei den Menschen keine Verbesserungen mehr ankommen. Wir haben einen wunderschönen Landkreis, er sollte nicht ständig reagieren, sondern endlich mal seine Aufgabe als Gestalter wahrnehmen. Dafür braucht es einen starken Landrat, der auch auf die sozial schwächeren schaut, damit keiner zu kurz kommt.

Der innere Antrieb zur Verbesserung und die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen war also schon da. Es hat also nur noch jemanden gebraucht, der anstupsen musste.

In Ebersberg brauchen wir einen Wechsel. Vieles muss noch viel besser werden. Im Herbst 2019 habe ich mich für die Kandidatur als Landrat für Ebersberg entschieden. 

Familie, Freunde und die SPD im Ortsverein und Kreisverband haben mich in meiner Entscheidung bestärkt. Seitdem es feststeht, unterstützen mich seitdem tatkräftig viele Menschen. Anfang November bin ich offiziell vom SPD Kreisverband Ebersberg zum Landratskandidaten aufgestellt. 

Seitdem kommen mehr Menschen auf mich zu, sprechen mit mir über Ihre Anliegen für den Kreis und bestärken mich bei meinem Entschluss der neue Landrat in Ebersberg zu werden.

Wer unterstützt Sie bei Ihrem Wahlkampf?

Etwa 20 Personen sind regelmäßig im Team eingebunden. Zudem habe ich Unterstützung aus meiner Familie, aus meinem Freundeskreis und aus dem politischen Umfeld. 

Zugleich verfolge ich – und das nicht nur im Wahlkampf einen anderen Ansatz: Politik muss partizipativ - also mit den Menschen - gestaltet sein. 

Mir ist es besonders wichtig, dass die Menschen besser beteiligt werden. Und das gilt nicht nur für den Wahlkampf – sondern insbesondere auch später: wenn die Menschen mir das Vertrauen als Ihren neuen Landrat aussprechen. 

Für mich ist Politik dann erfolgreich, wenn nicht nur einer die Politik verwaltet, sondern wenn ganz viele Menschen sich zusammenfinden und mit einem gemeinsam die Dinge gestalten.

Deswegen haben wir ein offenes Forum. Wir freuen uns über jeden Einzelnen, der unsere politischen Ziele unterstützt und uns noch unterstützen möchte. Unser Team motiviert und unsere Türen stehen offen. Es können sich jederzeit noch mehr Menschen bei mir melden.

Wie lässt sich die Kandidatur mit Ihrem Studium vereinbaren? Sie sind ja bei fast jedem Termin präsent.

Das Studium befindet sich bereits in den Endzügen. Da ist es deutlich einfacher den Wahlkampf mit dem Studium zu vereinbaren. Die Zeit muss selbstverständlich gut eingeteilt werden. Zeitmanagement und Effizienz sind hier das A und O.

Genauso wie ein Top-Manager in der Wirtschaft verantwortlich ist für verschiedene Verpflichtungen, so gilt das Gleiche für die Politik. Ein Kandidat muss gut organisiert sein und seine Termine einhalten, um seine Ziele zu erreichen. 

Der Wechsel im Landkreis ist mein Ziel. Deswegen gehen wir entschlossen an die Umsetzung und setzen alles daran, dass wir dieses Ziel erreichen.

Wie sehen Sie Ihre Chancen zu den anderen vier Kandidaten?

Der Name Omid stammt aus der persischen Sprache. Ich möchte Ihnen verraten, was der Name Omid übersetzt bedeutet: Es bedeutet Hoffnung. 

Als Mensch bin ich Optimist und stets gespannt, auf das was unsere Zukunft bringt. Doch auch Zukunft ist wählbar. Die  Wähler entscheiden mit Ihrer Stimme, wem sie Ihren Landkreis anvertrauen.

Und die Wähler haben jetzt die entscheidende Chance: die Veränderung ist greifbar. Die vertrockneten Strukturen können endlich aufgebrochen werden. 

Skandale wie z.B. das Thema mit den versenkten Sparkassenmillionen, das wollen die Leute nicht mehr haben. Die Menschen möchten stattdessen Politiker, bei denen Sie das Gefühl empfinden, mit diesem Kandidaten sind meine Interessen in vertrauensvollen Händen. Deshalb verbinde ich mit meiner Kandidatur Chancen auf den Wechsel in Ebersberg.

Gab es mehr Sympathie oder mehr Skepsis bei Ihren Auftritten?

Die Menschen freuen sich darauf, dass ein junger Mensch mit ehrlichen Absichten in die Politik einsteigt. Skepsis gab es keine. 

Es gab zwar Erlebnisse mit rassistischen Anfeindungen von rechts. Auch in diesem Fall habe ich ein persönliches Gespräch angeboten. Doch zugleich sind danach noch viel mehr Menschen auf mich zugekommen, die gesagt haben, „Mensch Omid, wir haben gesagt, wir müssen jetzt etwas tun und wollen Dich unterstützen. Ich habe in diesem Wahlkampf ganz viel Sympathien von ganz vielen Menschen erlebt. Das motiviert mich unglaublich. 

Feedback und Gespräche über das was die Menschen mir mitgeben, nehme ich selbstverständlich gerne auf. Der direkte Dialog steht an vorderster Stelle. Und eine Sache ist mir ganz wichtig: Politiker sollten den Menschen mehr zuhören und weniger reden. 

Kein Politiker ist allwissend vom Himmel gefallen. Als Politiker vertreten wir die Interessen der Menschen. Und dazu müssen wir den Menschen zuhören. Dazu gehören kritische Fragen genauso wie motivierende Zusprüche.

 

Was sind die Schwerpunkte Ihres Wahlkampfes?

Als Landrat werde ich nicht alles anders machen, aber vieles muss besser werden. Wir brauchen einen Wechsel in vielen Bereichen. Wir brauchen einen Spurwechsel für vernünftige Verkehrspolitik: Dazu werde ich das 1-Euro-Ticket für Alle und den 10-Minuten-Takt bei den S-Bahn Linien in unserem Landkreis einführen einen Tapetenwechsel in der Art und Weise, wie soziale Gerechtigkeit umgesetzt wird. 

Soziale Missstände im Landkreis ärgern mich. Hier muss was unbedingt etwas passieren. Es fehlen günstige Wohnungen, kostenlose Kitas, altersgerechtes Wohnen und ein Frauenhaus im Landkreis. Das werde ich als Landrat verändern. Bessere Bildung beispielsweise ist möglich durch wohnortnahe Schulen mit kleineren Klassen.

Und als Landrat brauchen wir einen Ölwechsel für eine saubere und nachhaltige Umweltpolitik – und Klima funktioniert natürlich nur, wenn wir die Wirtschaft mitnehmen und nicht an den betroffenen Menschen vorbei entscheiden. Ferner brauchen wir einen Generationenwechsel im Bereich der Digitalisierung. 

Wir brauchen hier Möglichkeiten, die das digitale Leben und die Anbindung der Menschen verbessert – ohne wie bisher die Bürokratie aufzublasen. Dazu gehören digitale Rechenzentren, maximaler Schutz von Daten, Ausbau von Glasfaseranschlüssen.

Was machen Sie, wenn Sie gewinnen?

Mit meiner Wahl als Landrat erhalten die Menschen einen Schichtwechsel. Ich möchte über meine Amtszeit hart arbeiten, für die die hart arbeiten. Eine der ersten Maßnahmen zur Beteiligung der Menschen wird die Einführung einer Bürgersprechstunde sein. 

Als Landrat werde ich ein Team mit mehreren Mitarbeitern führen, die im Landratsamt arbeiten. Bei Amtsantritt werde ich mit allen Mitarbeitern das persönliche Gespräch suchen. Und ein paar Tage werde ich natürlich zudem meiner Familie, insbesondere meinem kleinen Bruder, meinen Eltern und meiner Schwester widmen.

Was machen Sie, wenn Sie verlieren?

Da bleibt ja noch Gemeinde- oder Kreisrat. Im Landkreis habe ich mich, neben meinem politischen Engagement (u.a. im Gemeinderat und im Kreistag), bislang in verschiedenen Ehrenämtern eingebracht. Beispielsweise fahre ich ehrenamtlich Rettungsdienst beim BRK Ebersberg. 

Das ist eine gute Sache, die mir am Herzen liegt. Das werde ich fortsetzen. Nach dem Abschluss meiner Juristenausbildung kommt zudem der berufliche Alltag eines Juristen auf mich zu.

Können Sie sich eine Bürgermeister-Kandidatur in Poing 2026 vorstellen?

Sechs Jahre sind politisch betrachtet eine lange Zeit. In 2020 bin ich Kandidat für den Landrat in Ebersberg. Das ist derzeit mein einziges Ziel. Ich möchte Landrat in diesem Kreis werden. 

Dahinter steckt eine Motivation, der Wille etwas in unserem Kreis zu verändern. Diesen Wechsel strebe ich für die Menschen in Ebersberg an. Darauf lege ich jetzt meinen gesamten Fokus.

Haben Sie politische Vorbilder?

Es gibt mehrere Menschen, die mich politisch geprägt haben. Im kommunalen Bereich ist es z.B. Albert Hingerl (Bürgermeister von Poing), an ihm ich seine Ehrlichkeit und Transparenz schätze. 

Doris Rauscher (MdL der SPD), an ihr schätze ich die Kompetenz im Sozialbereich und ihren höflichen Umgang mit Mitmenschen. Ewald Schurer (verstorbener MdB der SPD), an ihm habe ich seinen Einsatz für die Menschen und seine klare Haltung geschätzt. Rainer Koch (DFB-Vize und SPD-Gemeinderat in Poing). 

Er hat mir gezeigt, dass wir in unseren Überlegungen immer einen Weitblick auf die kommenden Generationen haben sollten. Und z.B. auch: Otto Wels (verstorbener SPD-Fraktionsvorsitzender). Von ihm habe ich gelernt niemals den Kräften von rechts das Feld zu überlassen.

Wie sehen Sie die Rolle der SPD in der Landes- und Bundespolitik?

Die Politik der Bundes- und Landesparteien hat kaum etwas zu tun mit der Politik der Parteien auf der kommunalen Ebene. Da sind Welten dazwischen. Wir in den Kommunen sind direkt an den Menschen dran. Wir hören den Menschen zu und erfahren aus erster Hand, wo der Schuh drückt. 

Die Bundes-SPD hat in der Vergangenheit Fehler gemacht. Wir befinden uns auf Bundesebene in einer Großen Koalition mit der CDU. Mir fehlt eine stärkere Durchsetzung sozialdemokratischer Prinzipien und Positionen in dieser Koalition. Die Bundes-SPD muss klarer vorgeben, an welchem Punkt eine Grenze erreicht ist. 

Wo ist unsere rote Linie? Politiker müssen auch mal in Kauf nehmen, dass das Ziehen einer Grenz auch unbequem kein. Regieren um jeden Preis: das ist der falsche Weg. Doch das ist die Bundespartei, die ist nicht immer direkt an den Menschen dran. Für die kommunale Arbeit werde ich als Landrat für die Menschen da sein. Der direkte Draht zu den Menschen, das steht für mich im Vordergrund.

Es gab gegen Sie Anfeindungen im Netz. Waren Sie überrascht?

Es gab rassistische Anfeindungen. Damit habe irgendwo gerechnet, doch als es dann tatsächlich soweit war, bin ich überrascht gewesen. Schwarze Haare, der Bart und ein ausländischer Name, das ist für diese Personengruppe eine Angriffsfläche. 

Mittlerweile finden solche rassistischen Anfeindungen in Deutschland leider tagtäglich statt. Ich kenne Personen, bei denen das noch viel heftiger ist. Bei mir hat die Community – im Kreis sowie auch im Netz – großartig darauf reagiert. 

Dennoch ist es wichtig, mit diesen Menschen zu reden und mehr über ihre Motivation zu erfahren. Kein Kind wird mit Vorurteilen geboren und solange die Mehrheit der Gesellschaft offen und neugierig ist, kann ich gut und ruhig schlafen. Der Beitrag von damals, ist übrigens immer noch nicht gelöscht worden.

Als Landrat wird mir ebenso wichtig sein, dass jeder oder jede eine Chance erhält, ganz gleich woher dieser Mensch kommt und was diesen Menschen prägt – ob es das Alter, das Geschlecht, die Herkunft, die Bildung, das Einkommen ist: Jeder hat eine Chance verdient. Und die Politik muss die Ebene für mehr Miteinander schaffen.

Eine Anmerkung von Omid noch am Gesprächsende: „Wenn ich Landrat werde, brauche ich weder Dienstwagen noch Chauffeur. Ich fahre mit dem Bus oder S-Bahn.“

Über Omid Atai

Omid Atai ist am 14. Februar 1993 in München geboren. Der angehende Jurist lebt seit seiner Geburt mit der Familie in Poing und ist dort aktiver Feuerwehrmann. Seine Eltern sind vor über 35 Jahren nach Deutschland ausgewandert und stammen ursprünglich aus Afghanistan. Omid kandidiert für die SPD als Landrat im Landkreis Ebersberg bei der Kommunalwahl am 15. März.

Er möchte in Ebersberg einen politischen Wechsel gestalten und tritt deswegen mit dem Slogan an: „Ebersberg wechselt!“

Das Interview  Gerhard Fuhrmann

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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