Interview

Sternengucker: Interview mit Johannes Knöferle von der Sternwarte Wind 

Sternwarte Wind in Markt Schwaben
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In der Sternwarte Wind lassen sich noch Sterne gucken.

Um Sterne zu sehen, muss man sich heutzutage durchaus anstrengen. Wir führten ein Interview mit Johannes Knöferle von der Sternwarte Wind

Markt Schwaben – Die Sternwartengruppe der Kolpingsfamilie Markt Schwaben wurde 2006 gegründet und hat ca. 20 ehrenamtliche Mitglieder. Die Sternwarte selbst wurde in den folgenden Jahren aufgebaut und verfügt über verschiedene Beobachtungsinstrumente, das größte davon ein 16“ Spiegelteleskop auf einer ortsfesten Montierung. Johannes Knöferle betreibt seit etwa 30 Jahren Astronomie und Astrofotografie. Exkursionen zu astronomisch interessanten Orten und Ereignissen nutzt er, um Vorträge für die interessierte Öffentlichkeit zu gestalten.

Herr Knöferle, wissen Sie, wie viele Sterne es da oben gibt?

Darüber gibt es natürlich wissenschaftlich untermauerte Aussagen. Wir von der Kolping-Sternwarte in Wind versuchen das durch Himmelsführungen in kleinen Gruppen dem interessierten Publikum eher spielerisch beizubringen.

Und wie?

In kleinen Gruppen halten wir Himmelsführungen, wenn das Wetter mitspielt und es genügend dunkel ist. Da sieht man durch unser Teleskop dann auch lichtschwächere Objekte am Himmel. Leider ist es in unserer Gegend immer weniger wirklich dunkel.

Woran liegt das?

Wenn man einmal von der größten natürlichen Nachtbeleuchtung – dem Vollmond – absieht, liegt das vor allem an der zunehmenden künstlichen Beleuchtung von Straßen, Häusern, öffentlichen Gebäuden und auch an den immer leistungsstärkeren Scheinwerfern des Straßenverkehrs. Die Städte erzeugen regelrechte Lichtglocken, die den Nachthimmel praktisch komplett überstrahlen.

Welche Folgen hat das für die Sternwarte?

Wenn Sie sich hier umsehen: im Westen München, im Norden der Flughafen, im Osten die Raststätte der A94, alles Lichtquellen, die eine horizontnahe Beobachtung bereits unmöglich machen. Das Kunstlicht überstrahlt bereits Sterne und Planeten, so dass wir nur noch weiter oben Richtung Zenit sehen können „wieviel Sternlein stehen“. Dabei haben wir hier draußen noch einigermaßen passable Bedingungen. Sternwarten, die in den Städten liegen, haben es da noch viel schwerer. Die sehen oft nur noch die allerhellsten Sterne oder Planeten, da kann man die Sterne an einer Hand abzählen..

Hat das auch noch andere Folgen für Mensch und Natur?

Ja natürlich: Für den Menschen hat das alles Folgen für den Biorhythmus - man schläft schlechter. Insekten verlieren die Orientierung und kreisen um Lampen bis Sie vor Erschöpfung verenden oder von anderen Tieren gefressen werden und zum Beispiel Zugvögel verlieren die Orientierung - ganze Ökosysteme geraten so aus den Fugen. (Anm. d. Red. Wer sich davon ein Bild machen möchte kann in Ebersberg im Museum Wald und Umwelt die Sonderausstellung „Lichtverschmutzung - Verlust der Nacht“ besuchen. Diese läuft seit letzter Woche und geht noch bis zum 17. April 2021.)

Was macht die Sternwarte zu diesem aktuellen Thema?

Wir haben ein Begleitprogramm aufgestellt und bieten einmal im Monat eine Führung an, entweder direkt auf der Ludwigshöhe neben dem Museum oder auch parallel an der Sternwarte Wind. Der erste Termin ist am 16.10. um 19 Uhr in Ebersberg und um 19.30 Uhr beginnt eine Familienführung in der Sternwarte. Das Begleitprogramm und die weiteren Termine der Sternwarte Wind zur aktuellen Ausstellung am Museum Wals und Umwelt sind bei der Stadt Ebersberg zu erfahren unter Tel. (0 80 92) 82 55 52. Mehr Informationen zur Sternwarte unter www.sternwarte-wind.de - tt

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