Senioren in der Region unterstützen

„Vor allem die Senioren trifft es teilweise richtig hart in der Pandemie“

Ulrike Bittner, Geschäftsführerin der AWO Kreisverband Ebersberg
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Ulrike Bittner, Geschäftsführerin der AWO Kreisverband Ebersberg e.V. und ehrenamtliche Vorsitzende des Ortsvereines Markt Schwaben, der für die Tafel in der Gemeinde zuständig ist.

Wir vom Markt Schwabener Falken spenden heuer fünf Prozent des Anzeigenerlöses unserer Weihnachtsglückwünsche an „Tischlein deck dich“. „Vor allem die Senioren trifft es teilweise richtig hart in der Pandemie“, erklärt Ulrike Bittner, Vorsitzende des Ortsvereines Markt Schwaben. Die Seniorin Erna K. aus Markt Schwaben berichtet, wie schwer es ist, alleine zu überleben

Markt Schwaben – Ein schwieriges Jahr liegt hinter uns. Viele haben mit Existenzängsten zu kämpfen. Hart getroffen hat die Pandemie auch Frau Erna K. (Name von der Redaktion geändert). Es war Ende Februar als sich Frau K. eine Rippe anbrach. Bei der Röntgenuntersuchung sagte stellte die Ärztin ein Problem an der Lunge fest: Die Diagnose: Lungenkrebs im Endstadium. Zwei Tage später war sie schon in der Behandlungsspirale von Chemotherapie und gleichzeitiger Bestrahlung. Ob sie Weihnachten noch erleben würde, das wäre sehr fraglich, nach der Aussage einer Ärztin.

Frau K. betont, dass sie ohne die AWO und dem Landratsamt gar nicht mehr zurecht käme, „ohne die könnte ich nicht einmal mehr meine wichtigsten Rezepte bezahlen“. Am Monatsanfang sind oft nicht mehr als 50 Euro für den ganzen Monat übrig, da rechnet man schon zu Monatsbeginn mit Cent-Beträgen. „Ohne die Tafel hätte ich kein vernünftiges Essen“.

Auch Nachbarn, Freunde und Bekannte fragen schon mal, ob sie vom Bäcker ein Brot mitbringen sollen. Von Beruf ist Frau K. Fleisch- und Wurstfachverkäuferin, teilweise angestellt, teilweise selbständig. „Durch die Krankheit bin ich Hartz-IV-Empfängerin geworden. Erspartes gab es nicht viel. „Das meiste habe ich für Fahrten zur Klinik verbraucht.“

Jetzt ist es ein wenig besser, denn die Krankenkasse übernimmt bestimmte Fahrten, aber auch nicht alle. Die 58-Jährige braucht mittlerweile Morphium und Opiate, die auf den Magen schlagen. Das Magenmittel wiederum zahlt die Kasse nicht, das muss Frau K selbst kaufen. Bis zu 150 Euro braucht Frau K. für Medikamente.

„Ich könnte Ihnen auf Anhieb drei Leute bei der Tafel sagen, denen es genauso geht wie mir. Senioren, die eine Woche im Monat schauen müssen, dass sie mit Nudeln über die Runden kommen.“ Nicht dass Essen können, auf was man Lust hat, aufgrund der finanziellen Situation – da kommt man durchaus ins Nachdenken. Da gäbe es eine Behandlung für ihre durch Chemo und Bestrahlung angegriffene Wirbelsäule, die auch von einer Stiftung bezahlt würde, zum Teil, den Rest von 260 Euro müsste Frau K. selber zahlen. „Nachdem ich nicht weiß, ob ich Weihnachten überhaupt erlebe, denke ich mir, da esse ich vielleicht noch etwas besser. Leisten kann ich mir die 260 Euro eh nicht.“

Die Ärzte sagen Frau K., sie soll sich keinem Stress aussetzen, „wie soll das aber gehen, wenn die Existenzangst einem so im Nacken sitzt? Mein Ruhepol in mir verschwindet. Ich war es gewohnt, immer für mich selbst zu sorgen“, sagt die Dame aus Markt Schwaben mit stolzer Stimme. „Ich bin jedenfalls sehr froh, dass es die Tafel gibt und freue mich über jede Spende, die es dem Tischlein-deck-dich möglich macht, Menschen unter die Arme zu greifen“.

„Vor allem die Senioren trifft es teilweise richtig hart in der Pandemie“, erklärt Ulrike Bittner, ehrenamtliche Vorsitzende des Ortsvereines Markt Schwaben. Der Ortsverein ist Träger der Tafel. Ulrike Bittner ist es wichtig, dass vor allem die älteren Gemeindemitglieder nicht vergessen werden. „Viele sind gesundheitlich angeschlagen und benötigen Medikamente oder zahlungspflichtige Untersuchungen oder Hilfsmittel. Da kann die Packung Batterien für das Hörgerät schon einmal zum Problem werden. Viele von den Senioren, die hier Hilfe brauchen, waren im Niedriglohnsektor beschäftigt, sind Selbständige ohne ausreichende Rentenversicherung oder Frauen, die ‚nur‘ Hausfrauen waren,“ erzählt Bittner.

Aber nicht nur, es gibt auch Fälle, wo eine plötzliche Krankheit alles ins Wanken bringt. Fakt ist, die Renten reichen nicht, um sich einen materiell stabilen Lebensabend gönnen zu können. Das wahrzunehmen fällt unserer Gesellschaft durchaus immer noch schwer. Deshalb hat sich das Anzeigen-Team des Markt Schwabener Falken – Alexander Leonhard, Daniel Thomas, Michaela Schallweg und Gisela Barwitzki-Fleischer gemeinsam mit Anzeigenleiter Franz Becker dazu entschlossen, mit der Weihnachtsspendenaktion die bedürftigen Senioren in der Gemeinde zu unterstützen. Und mit Ulrike Bittner hatten das Team gleich eine begeisterte Ansprechpartnerin. „Wir freuen uns riesig, dass das Team vom Falken uns ausgewählt hat, denn gerade für Senioren hat die Pandemie und der Lockdown schlimme Folgen“. - tt

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