Bericht aus Moria

„Wir könnten ein schönes, buntes Miteinander haben“

Flüchtlingshelfer Tobias Vorburg aus Markt Schwaben
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Ich will nicht den guten Unicef-Onkel spielen sondern, dass die Menschen mitbekommen, was da unten abgeht, sagt Tobias Vorburg über seinen Besuch auf Moria

Tobias Vorburg, Wegbegleiter für Flüchtlinge mit seinem Verein „Seite an Seite“, war zwei Wochen in dem griechischen Flüchtlingslager Moria zu Besuch. 

Markt Schwaben – Angefangen hat alles 2015 als 360 Geflüchtete „quasi in Markt Schwaben vor der Türe standen“, erzählt Tobias Vorburg, Student der sozialen Arbeit im 7. Semester. Schnell zog Vorburgs Hilfe über die Jahre Kreise – bayernweit. Im Moment hat er 30 Klienten in Einzelfallhilfe. Vor allem die psychosoziale Betreuung ist mit den oft traumatischen Erlebnissen wichtig und hier kann der 31-Jährige mit seiner professionellen Ausbildung punkten. Es ist überhaupt die Mischung, wie er betont, zwischen professioneller Arbeit und Ehrenamt, die ihm viele Möglichkeiten bietet.

Dass seine Arbeit und sein Engagement Früchte tragen, kann man schon daran sehen, dass in dem Markt Schwabener Wohnprojekt, welches der Verein initiierte, mittlerweile schon die zweite Generation eingezogen ist. Die ersten Bewohner haben mittlerweile eigenen Wohnraum und sind in Arbeit oder Ausbildung. „Den Besuch auf Moria habe ich jetzt nicht als Erlebnisurlaub gemacht oder weil ich den guten Unicef-Onkel spielen will – ich möchte darüber berichten, will dass die Leute das mitkriegen, was da unten abgeht.“. Sichtlich beeindruckt haben ihn die Geschehnisse auf der griechischen Insel, kam er doch genau am Morgen nach dem Brand in dem Lager dort an. „Wo fängt man da an zu erzählen?“.

4.000 Kinder leben dort, viele davon unbegleitet, viele Frauen und alte Menschen. „Das Klischee vom jungen Mann, der seine Familie im Heimatland im Stich lässt, lässt sich hier nicht aufrecht erhalten.“ Ein Bild blieb dem Studenten, der nebenher sein Geld im Rettungsdienst verdient, besonders im Gedächtnis: „Eine etwa 80-Jährige alte Frau humpelt mit Stock zur Essensausgabe für eine kleine Flasche Wasser – das kann es doch nicht sein.“ Neben der aktiven Hilfe hier und auch direkt in den Flüchtlingslagern vor Ort ist Vorburg vor allem die politische Arbeit wichtig. Erst letztens versetzten er und seine Mitstreiter vom Verein „Seite an Seite“, den Parkplatz vor dem Landratsamt in Ebersberg in einen „sicheren Hafen“. Über 100 Stühle und eine Kulisse mit Schlauchbooten waren der übersetze Appell zu „Wir haben Platz und können durchaus weitere Flüchtlinge aufnehmen“. Neben solchen Aktionen hält Vorburg auch noch Vorträge über seine Erlebnisse und Erfahrungen. Fragt man Vorburg, was ihm wichtig ist in Bezug auf seine Arbeit, auf das Gelingen eines guten Miteinanders mit Geflüchteten in unserer Gesellschaft, so antwortet er: „Ein jeder der hierher kommt, hat einen Grund, egal ob dieser erst einmal mit dem Asylrecht konform geht oder nicht, aber es gibt einen Grund, das sollte man sehen und auch beachten“.

Ein buntes Miteinander könnte es nach Meinung von Vorburg im Zusammenleben mit Geflüchteten geben – eine Bereicherung für alle. Eine kleine Anekdote zum Schluss. Die Geflüchteten sind manchmal etwas irritiert, wenn ihr Wegbegleiter wieder einmal zu spät kommt. Auf „sorry Leute, ich bin chronisch unpünktlich“, bekommt Vorburg die Antwort: „Jetzt sind wir in Deutschland und leben Pünktlichkeit wie in Afrika“. Ein schallendes, lautes, glückliches Lachen ist zu hören, Zufriedenheit strahlt aus Vorburgs Augen – wohl gerade einer der kleinen Glücksmomente, die es auch in dieser Art von Arbeit und Engagement gibt. tt 

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