Gerhard Schröder bei den Sonntagsbegegnungen

Zwei SPD-Größen als Jubiläumsgeschenk

+
Hans-Jochen Vogel und Gerhard Schröder (v. l.) im Dialog im Unterbräusaal Markt Schwaben.

Winter organisierte schon 75 Sonntagsbegegnungen

Markt Schwaben – Schon als Student soll Gerhard Schröder am Zaun des Bundeskanzleramtes gerüttelt und lautstark getönt haben: „Ich will hier rein!“ Dass dabei auch Alkohol eine Rolle gespielt haben könnte, stritt der ehemalige Bundeskanzler im Dialog mit Hans-Jochen Vogel auch gar nicht ab. Er habe sein Ziel später erreicht, auch wenn der das Bundeskanzleramt wieder früher räumen musste als ihm lieb gewesen sei, räumte Schröder ein.Machtstreben und eine gehörige Portion Eitelkeit seien unter anderem seine Gründe gewesen, in die Politik zu gehen. Dass er in der SPD groß geworden ist, hänge mit deren Inhalten und Zielvorstellungen zusammen. „Ich war als junger Mensch bei vielen Parteiversammlungen dabei“, räumte er ein, „in der SPD habe ich das gefunden, was ich zu suchen glaubte“. Dass er als Bundeskanzler abgewählt worden sei habe ihn schon getroffen. Obwohl Hans-Jochen Vogel ebenfalls der SPD verbunden ist, waren seine Beweggründe in die Politik einzusteigen ganz andere. „Ich bin Jahrgang 1926 und war in der Hitlerjugend Jungscharführer“, gab er zu, „mein Vater trat in die NSDAP ein, was er später bereut hat“. Auch ich habe erst später während meines Einsatzes an der Front und in der Gefangenschaft begriffen, welche Fehler und Gräueltaten hier begangen wurden!“„Weil ich mich mitverantwortlich gefühlt habe an diesen furchtbaren Geschehen bin ich als junger Mensch in die Politik gegangen“, betonte Vogel. Zuerst im Münchner Stadtteil Freimann, danach als Oberbürgermeister. Hans-Jochen Vogel war später Bundesjustizminister, Regierender Bürgermeister von Berlin und 1983 Kanzlerkandidat der SPD, die Wahl verlor er allerdings.Die Unterschiede der beiden SPD Politiker waren bei Dialog zur 75.Sonntagsbegegnung von Bernhard Winter im Unterbräusaal Markt Schwaben nicht zu übersehen und überhören. Die Gäste (Zutritt nur für Angemeldete mit Ausweiskontrolle) erlebten zwei überaus heitere aber auch tiefgründige Stunden. Es war dem neu gegründeten Spielmannszug der Mittelschule mit Jörg Meier als Dirigent vorbehalten, die Veranstaltung zu eröffnen.In der Begrüßung durch Bernhard Winter fielen unzählige bekannte Namen aus Politik, Wirtschaft und Religionen, der Veranstalter hatte sie alle zum Jubiläum eingeladen: Renate Schmidt und Werner Meier, Michael Kerkloh und Thomas Hitzlsperger, Heinrich Traublinger und Christa Stewens – nur um einige zu nennen. Ein weiteres Grußwort sprach Heribert Prantl, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, der ebenfalls schon bei Sonntagsgesprächen dabei war. wal

Auch interessant:

Kommentare