Notunterkunft in Turnhalle

Wohnen auf sechs Quadratmetern

Michael Schiffmeyer (l.), Sabine Kohler und Stefan Krimmer machen sich selbst ein Bild von den Parzellen, die nur mit dem aller Notwendigsten ausgestattet werden konnten. Foto: Müller

Ein Stockbett mit zwei Liegen, ein Spind, ein Stuhl und ein Zahnputzbecher, untergebracht auf sechs Quadratmetern - das ist derzeit das neue Zuhause von 40 Asylbewerbern aus den Ländern Eretreia und Nigeria. Aufgebaut sind die Parzellen in der kreiseigenen Turnhalle der Rupert-Egenberger-Schule.

Ein Stockbett mit zwei Liegen, ein Spind, ein Stuhl und ein Zahnputzbecher, untergebracht auf sechs Quadratmetern - das ist derzeit das neue Zuhause von 40 Asylbewerbern aus den Ländern Eretreia und Nigeria. Aufgebaut sind die Parzellen in der kreiseigenen Turnhalle der Rupert-Egenberger-Schule.

„Uns blutet allen das Herz“, sagt Sabine Kohler, Immobilienmanagerin des Landratsamtes. Doch es gibt keine bessere Alternative. Denn erstmals hat die Regierung von Oberbayern dem Landkreis München mehr Asylsuchende zugewiesen, als freie Plätze in Privatwohnungen oder Gemeinschaftsunterkünften zur Verfügung stehen. Eine Zwangszuweisung, erklärt Michael Schiffmeyer, Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt. „Das heißt, die Regierung kann nicht mehr berücksichtigen, was wir an freien Wohnungen melden.“

Daher musste ein Notfallplan her, der auch Unbeteiligte möglichst wenig in Mitleidenschaft zieht. Die Wahl fiel auf die Turnhalle der Rupert-Egenberger-Schule, da hier während der Sommerferien  keine Vereinsaktivitäten stattfinden. Für mehrere Wochen ist der Raum also komplett ungenutzt. „Voraussetzung war immer, dass es nicht auf dem Rücken Dritter, wie der Schüler passiert“, sagt Schiffmeyer. Daher soll bis zum Schulbeginn auf jeden Fall eine Lösung gefunden sein.

Die Asylbewerber, alle männlich und die meisten in jugendlichem Alter, haben viel durchgemacht.    Sie haben einen langen Fluchtweg hinter sich, erklärt Sigrid Singer, Asylsozialbetreuerin am Landratsamt. „Aber sie haben auch gelernt, sich durchzuschlagen.“ Etwa sechs Wochen lang waren sie in der Erstaufnahmeeinrichtung in München. Nachdem am Landratsamt die notwendigen Formalitäten erledigt waren, ging es dann mit dem Bus nach Unterschleißheim.

Betreut werden die Männer von Mitarbeitern des Landratsamtes. Sozialbetreuer sind drei Stunden täglich vor Ort, ansonsten fungieren auch die Security-Leute als Ansprechpartner. Oberhalb der Turnhalle befindet sich ein Aufenthaltsraum mit Biertischen, eine Mensa ist im Nebengebäude eingerichtet.  Hier gibt es ein Frühstück - aufgebaut wie im Hotel - und zwei warme Mahlzeiten von einem Catering-Service, die in deutscher und englischer Sprache auf Speiseplänen vermerkt sind. „Mittags kommen die Leute erfahrungsgemäß recht verstreut“, lässt Reif, die Leiterin des Ausländeramtes, wissen. „Abends zwischen 17 und 18 Uhr sind dann fast alle da.“

Auch ein Freizeitangebot soll es geben. „Da wird sich der Helferkreis was ausdenken“, sagt Schiffmeyer. Das Umfeld der Schule weist viele sportliche Möglichkeiten auf, wie einen Fußballplatz, Tischtennisplatten oder ein Hallenbad. Zudem ist für die Mobilität der Asylbewerber gesorgt: Durch den Landkreispass, den sie von der Stadt erhielten, können sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Gegend erkunden. Fahrpläne für Busse und S-Bahnen hängen aus.

Die Bürger der Stadt haben Erfahrungen mit Asylbewerbern. Schon in der Vergangenheit gab es kaum Probleme, daher hofft   der Zweite Bürgermeister Stefan Krimmer auch diesmal auf ein Einsehen von Seiten der Bevölkerung. „Ich gehe davon aus, dass keine Volksseele brodelt.“  Etwa 4000 Zettel wurden an die Haushalte im Umfeld der Schule verteilt, welche die Notsituation schildern und an das Verständnis und Mitgefühl der Bürger appellieren. Klar ist aber auch, dass die Quartierfrage so schnell wie möglich geklärt werden muss. Laut Schiffmeyer habe man schon Grundstücke in Aussicht, auf denen etwa Container errichtet werden könnten. Aber auch hierfür seien natürlich Baugenehmigungen nötig. 

Deshalb sucht der Landkreis dringend nach Personen, die in der Lage und bereit sind, Privatunterkünfte anzubieten.

Wer den Asylbewerbern Wohnraum zur Verfügung stellen möchte, kann sich jederzeit an die Mitarbeiter des Bereiches Immobilienmanagement im Landratsamt wenden:

Henrike Sternstein-Böttcher, Telefon 089/6221-1713, E-Mail BoettcherH@lra-m.bayern.de.

oder

Heidrun Poertzel unter Telefon 089/6221-2754, E-Mail PoertzelH@lra-m.bayern.de.

Quelle: freising-online

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