Bombenhagel und blindwütiger Widerstand

BR-Beitrag: 75 Jahre Kriegsende in Oberschleißheim

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Das alte Schleißheimer Schloß wurde Ende des zweiten Weltkrieges schwer getroffen. 

Heute jährt sich das Ende des zweiten Weltkrieges für die Gemeinde Oberschleißheim zum 75. Mal. Grund genug für ein TV-Team des Bayerischen Fernsehens bei Ortschronist Otto Bürger vorbeizuschauen und einen Beitrag über die Geschehnisse in Schleißheim zu machen. 

Oberschleißheim- Der Dreh, der bereits ausgestrahlt wurde, handelt davon, dass keine der umliegenden Orte so hart getroffen wurde, vom Kriegsende. In dem BR-Beitrag spricht Bürger von „massiven Fliegerangriffen“. Mit katastrophalen Folgen. Drei Tage vor Kriegsende gab es Berichte, wonach die Schleißheimer Bevölkerung den Ort größtenteils fluchtartig verlassen und sich in der Umgebung zerstreut hat. 

Oberschleißheim: BR-Filmteam besucht Otto Bürger

Ein Filmteam war eigens drei Stunden zu Besuch bei Bürger. Heraus kam ein vierminütiger „Take“ (Sendetermin vorvergangenen Freitag). Darin wurde deutlich. Keine der umliegenden Gemeinden musste so viel Opfer bringen. Der Grund ist laut Bürger „ganz einfach und nachvollziehbar“. Denn unmittelbar südlich an die drei Schlösser angrenzend befand sich der Fliegerhorst Schleißheim, die „Quelle allen Übels“, wie Bürger in besagten BR-Beitrag feststellte. Von dort aus starteten nicht nur viele Flugzeuge zum Feindeinsatz.

Er war – einschließlich des Ortes und der Schlösser - zwangsläufig auch das Ziel von teils wirklich massiven Fliegerangriffen. zuletzt am 18., 20., 23. und 25. April 1945. Dem Schleißheimer Kriegstagebuch des Nachtjagdgeschwaders 6 (Standort Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg) ist zu entnehmen, dass sich am 18. und 19. April 1945 letztmals zweimotorige JU 88 Bomber zur Feindbekämpfung in die Luft erhoben. Pfarrer Josef Kranz notierte in seinen Tagebuchaufzeichnungen dazu: „An den letzten Tagen im April 1945 kündeten Geschützdonner und Rauchwolken das Kommen der Amerikaner an. 

Dorfchronist Otto Bürger mit einer Artilleriekartusche aus dem 2. Weltkrieg. Das 37 Zentimeter lange Objekt blieb von dem Beschuss der US-Army am 29. April vom Kirchplatz übrig. 

Fliegerhorst-Kommandeur Oberstleutnant Schröder übergab Schleißheim kampflos“. „I am father“, so Josef Kranz zu den fünf US-Soldaten, die an jenem Tage im Pfarrhaus nach versprengten Landsern suchten. „Nix Soldat im Keller?“ fragte der Anführer den Geistlichen und der verneinte, wenn auch nicht ganz reinen Gewissens. Der Grund: Kranz wusste nicht genau, ob sein Kaplan Karl Schneider inzwischen im ersten Stock die Verwandlung vom Sanitätssoldaten zum Seelenhirten so schnell geschafft und vollzogen hatte. Er schaffte es. Neben dem Kirchplatz hatten die Amerikaner eine Geschützbatterie in Stellung gebracht, die von hier aus die München beschoss. 

Drei Tage vor dem Kriegsende berichtete das Evangelich-Luth. Vikariat nach München: „Die Schleißheimer Bevölkerung hat den Ort größtenteils fluchtartig verlassen und sich in der Umgebung zerstreut. Die Obdachlosen schlafen in Stadeln, Ställen und im Luftschutzkeller des Neuen Schlosses. Dessen rechter Flügel ist übrigens zerstört und der Mittelbau stark beschädigt. Unter diesen Umständen kann der Raum im Schulhaus, dessen Benützung der Gemeinde bei ihrem ersten Fliegerschaden genehmigt wurde, nicht mehr in Anspruch genommen werden“. 

Während die US Army kampflos den Fliegerhorst besetzte, lieferten am südlich gelegenen Ortsteil Neuherberg zweiundzwanzig blutjunge Soldaten (16 – 22 Jahre alt), so der Bericht von Pfarrer Kranz, den auf die Hauptstadt vorrückenden Amerikanern mit „Panzerfäusten“ heftigen Widerstand. Sie töteten GIs und zerstörten Panzer, mussten aber letztendlich alle ihren „Heldenmut“ mit dem Tode bezahlen.

Quelle: freising-online

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