"Rap für den guten Zweck"

Das Projekt der positiven Effekte

Coole Beats für gute Zwecke: Markus Schmidt (2.v.r. hinten) hat mit 46 Schülern, darunter v.r. Lukas Kling, Marcel Marquardt, Rebecca Rupprecht und Hannah Baier, eine Rap und HipHop-CD veröffentlicht. Klings Austauschschüler Corey Parisi (l.) ist nach eigenem Bekunden eigens aus den Staaten eingeflogen, um einen Silberling zu erwerben.

Vor zwei Jahren betraten die Schüler des Carl Orff-Gymnasiums Unterschleißheim erstmals die Bretter, die die musikalische Welt bedeuten und veröffentlichten ihren sozialkritischen Rap zum Thema “Mobben stoppen!”. Schon damals zeigte sich das Talent, das Markus Schmidt, Mathe- und Sportlehrer am COG, nun in einem Großprojekt zu neuen Ufern führte: Vor einer Woche erschien sie endlich: Die CD mit Namen “Rap zum guten Zweck”. 

Der Titel ist Programm, denn nun versuchen die 46 beteiligten Schüler um Schmidt, den Silberling an den Mann zu bringen. Dabei denken sie weniger an sich selbst - na gut: Ein wenig schon, denn wer hat schon die Möglichkeit, sich selbst aus dem CD-Player zu hören -, sondern an andere. Schon seit mehreren Jahren unterstützt der schulische Arbeitskreis “Marokko” den Aufbau von Schulen in dem nordafrikanischen Land. Die Hälfte des Erlöses gehen dorthin, die anderen 50 Prozent  an die Deutsche Knochenmarkspende. “Ich habe eine Bekannte”, erzählt Schmidt, “die an Leukämie erkrankt ist. Vielleicht können wir so ihr und anderen Menschen helfen!”   

Markus Schmidt muss lachen bei der Frage, ob er als Musiklehrer am Carl Orff-Gymnasium angestellt ist: “Nein, ich kann nicht mal Noten lesen!” Dennoch besitzt der Mathematik- und Sportexperte eine starke Affinität zur HipHop-Musik. Und passt genau damit so gut ins COG, der Wiege der deutschlandweit bekannten Grand Prix-Entscheid-Teilnehmer “Blumentopf”.

“Ja, früher habe ich HipHop gemacht und mir so auch einiges an Know-How angeeignet”, beschreibt Schmidt, der in den Schülern mit “Rap zum guten Zweck” nicht zum ersten Mal ebenso motivierte wie talentierte Mitstreiter gefunden hat. Nach dem Rap-Projekt “Mobben stoppen!” mit 14 Schülern und einer Neuvertonung von Haindlings “Bayern - des samma mir”, die sogar einen Workshop beim Bayerischen Rundfunk einbrachte, folgte nun der ganz große Wurf: Eine 14 Tracks umfassende Rap-CD mit zahlreichen Facetten. Zeitkritisch und gechillt, für Umweltschutz und Gleichberechtigung, aber auch zum Party machen oder ganz gangsta-like. Diese thematische Mixtur ist in vollem Umfang das Ergebnis der 46 beteiligten Schüler aus den achten, neunten und zehnten Klassen, denn sie zeichnen für die Texte verantwortlich.  “Es ist verblüffend, welche Ideen unsere Schüler dabei entwickelt haben”, so der Lehrer. Die musikalische Basis hatte Schmidt bereits in der Konserve und fügte er nun professionell zusammen. 

Sogar das Cover ist handgemacht und entspringt aus einem demokratischen Prozess, nämlich einem Wettbewerb an der Schule.

Mit dem Ergebnis sind die Schüler und der Teilzeit-Produzent mehr als zufrieden, Schmidt lobt seine Talente: “Wirklich gut gelungen, und es ist nicht selbstverständlich, dass so viele Schüler ihre Freizeit für so ein  Projekt opfern. Die ist nämlich in Zeiten des G8 ohnehin so knapp bemessen.“

Gelohnt hat es sich dennoch, wie die Protagonisten höchstselbst beschreiben: “Wir haben ja sehr viel selbst gemacht”, berichtet Rebecca Rupprecht, die beim - Nomen est Omen - Sommerhit “Summertime” zusammen mit Hannah Baier am Mikro stand. “Deshalb war ich schon skeptisch, ob das alles auch richtig professionell wird.” Wurde es, denn “Herr Schmidt ist ja ne coole Socke. Er hat dem ganzen Projekt den Feinschliff verpasst”, fügt Marcel Maarquardt an. Er ist mit Lukas Kling Autor des Hits “Sonnenbrille”. Der hatte Respekt vor der Aufgabe, erinnert er sich: “Das erste professionelle Lied. Krieg ich das hin?”

In der ersten Woche gingen bereits 80 der 500 gepressten CDs über den Tresen, eine Nachbestellung koste Schmidt einen Anruf, sagt er augenzwinkernd und würde sich den durchaus wünschen, denn höherer Umsatz bedeutet größere Hilfe für Marokko und die DKMS. Für diese Gleichung bedarf es nicht mal eines Mathematik-Studiums. Und für Freude an der Gemeinschaft, der guten Tat und dem Pop auch keine Musikhochschule. 

Zu erwerben ist die CD über die Homepage der Schule www.carl-orff-gym.de oder direkt in der Schule. Ein weltweiter Vertrieb soll bei anhaltendem Erfolg auch noch kommen, denn, wie Schmidt exemplarisch sagt, “wer kann schon seine eigene CD beispielsweise bei Amazon Japan bestellen...”?

Quelle: freising-online

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