„Niemand soll hinten runterfallen“

Corona-Interview: Kolbe hat bei Böck nachgefragt

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Bürgermeister Christoph Böck hat SPD-Stadträtin Antje Kolbe in einem Interview zur Corona-Krise Rede und Antwort gestanden. 

Sie zählt zu den profiliertesten Mitgliedern im Stadtrat Unterschleißheim. In Zeiten von Corona nimmt sich Antje Kolbe (SPD) gezielt entsprechende Themen vor. Kürzlich hat sie den Lockdown im „AquariUSH“ thematisiert (wir berichteten). Nun hat sie Rathauschef Christoph Böck zur Lage befragt.

Unterschleißheim-Wie fast an allen Samstagen in den letzten Monaten arbeitete Christoph Böck auch kürzlich im Rathaus – für eine Stunde nahm er sich an diesem Morgen in seinem Büro Zeit für meine Fragen zumCorona Krisenmanagement der Stadt,“ freut sich SPD-Stadträtin Antje Kolbe darüber, dass der Rathauschef ihr kürzlich ein Interview zur Corona-Krise gegeben hat. 

Hier ein kleiner Auszug. Böck sagt zur Lage: „Die ersten Maßnahmen begannen ja schon Anfang März. Seitdem haben wir ein Krisenteam im Rathaus, das sich fast täglich trifft, um die aktuellen Entwicklungen zu bewerten. Gleich zu Beginn des Lockdowns haben wir als Sofortmaßnahme innerhalb kürzester Zeit die Teststation am Volksfestplatz in Zusammenarbeit mit dem leitenden Arzt Dr. Kiener und dem BRK eingerichtet. Ebenso haben wir die zeitaufwändige Kontaktermittlung von positiv getesteten Personen übernommen, eigentlich eine Aufgabe des Landratsamtes. 

Fragen über Fragen

Parallel wurden in der Verwaltung die Strukturen für dieses Krisenmanagement aufgebaut. Das Rathaus war nach dem Lockdown ja geschlossen und so wurden alle Mitarbeiter*innen, die auf ihren Stellen nicht unbedingt benötigt wurden, entweder zur Unterstützung bei der Krisenbewältigung versetzt oder ins Home Office geschickt und damit ein Backup für den Notfall geschaffen, der Gott sei Dank bei uns nicht eingetreten ist. Die für die Kommunalwahl angeschafften neuen Laptops wurden kurzerhand erst mal ‚zweckentfremdet‘. Kolbe fragt: „Was wurde und wird für die Unterschleißheimerinnen und Unterschleißheimer getan? 

Böck antwortet: „Wir haben von Beginn an die Öffentlichkeitsarbeit deutlich ausgeweitet, z.B. mit einem Info-Brief an alle Haushalte und ständig aktualisierten Informationen in den einschlägigen Zeitungen oder der Homepage der Stadt. Zusätzlich wurden zwei Hotlines zu gesundheitlichen Fragen und eine Hilfe Hotline eingerichtet, die zum Beispiel mit Mitarbeiter*innen des AquariUHS oder der Bibliothek besetzt wurden. Die Hilfegesuche wurden unter anderem an die Nachbarschaftshilfe und andere Einrichtungen weitergereicht, die sich um Menschen kümmerten, die sich nicht mehr selber versorgen können. Mir war es von Anfang an wichtig, dass wir in dieser schwierigen Situation niemanden allein lassen! Betroffen hat mich unser erster Corona Todesfall gemacht, ein junger ungarischer Mitbürger. 

Für seine Witwe mit einem kleinen Kind brauchten wir eine Komplettbetreuung, Dolmetscher, alle Verwaltungsgänge – inzwischen ist die junge Mutter wieder zurück in Ungarn und wir wünschen ihr von Herzen alles Gute. Eine Anregung aus der Bürgerschaft habe ich in dieser Zeit gerne aufgegriffen: ein zweiter Wochenmarkt am Mittwoch. Dieser wird seitdem sehr gut angenommen, allerdings ist noch nicht sicher, ob die Händler das auf Dauer leisten können. Eine prima Idee war auch unsere Maskenaktion! Ganz viele Seniorinnen und Senioren über 60 haben sich bei uns für die Masken bedankt. Viele fleißige ehrenamtliche Näherinnen haben ihre Stoffreste geplündert und 10 000 Stück hergestellt, die wir vor dem Rathaus verteilt haben, aber auch 7000 direkt in den Briefkästen: das haben die Fußballer des MSV-Schleißheim übernommen, eine tolle Sache und echtes Engagement, für das ich mich bei allen ganz herzlich bedanke!“ 

Anja Kolbe interviewte den Bürgermeister.

Kolbe fragt: „Wo wurde es besonders schwierig?“ Böck antwortet: „Zum Schutz aller Menschen in Bayern wurden ja die Stichwahlen Ende März nur noch als Briefwahl durchgeführt – das war für die Verwaltungen eine logistische Meisterleistung! Manche Unterlagen kamen erst drei Tage vor dem Termin bei den Wählerinnen und Wähler an, da haben wir quasi richtig Blut und Wasser geschwitzt. Und dann mussten von einem Tag auf den anderen alle Schulen, alle Kindertagesstätten, der Kulturbetrieb, die Wertstoffsammelstelle, also das ganze öffentliche Leben runtergefahren werden. 

Viel Zeit nahm auch die Beschaffung von Schutzausrüstungen in Anspruch für die Verwaltung, die Schulen, die Einrichtungen - die Qualität ließ teilweise sehr zu wünschen übrig, wir mussten alles überprüfen. Gott sei Dank unterstützt uns das BRK mit zwei Mitarbeitern bei der Organisation, die haben Notfall Pläne in der Schublade! Mir fällt auch noch die Caritas ein, der Unterschleißheimer Tisch - es gibt so viele Baustellen und niemand soll hinten runterfallen. Das ist für mich als Bürgermeister eine enorme Verantwortung und große Herausforderung! Glücklicherweise kann ich mich auf mein engagiertes Team im Rathaus verlassen und auch auf alle Bürgerinnen und Bürger, die in der schwierigsten Phase Verständnis gezeigt und konstruktiv mitgeholfen haben.

Quelle: freising-online

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