Von Fieslern und Hacklern

Hockeynerds Lohhof: Über die Sport in der Pandemie

Deniz Aksu beim Hockey spielen
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Deniz Aksu ist Materialwart, Flügelstürmer und Mitbegründer der Hockeynerds Lohhof.

Keine leichte Zeit für die Hockeynerds: Gemeinsames Training kann kaum statt finden. Und der Wunsch nach einer eigenen Halle wird immer stärker.

Es sind die ersten sonnigen Tage im Jahr und es ist Pandemie. Am Hockeyplatz neben dem Stadion in Lohhof tummeln sich etliche Kids auf Inlineskates, „bewaffnet“ mit abgesägten Holzschlägern und ausgerüstet mit diversen Schonern, Handschuhen und Helm. Die anwesenden Ehrenamtlichen der Hockeynerds halten sich strikt an die Abstands- und Gruppenregeln, wobei die Diskussion beständig geführt wird. 20 Kinder unter 14, ohne Erwachsene oder mit? Nein, es sind nun nur noch fünf unter 14 und ohne Erwachsene. Es ist nicht leicht nicht mitzuspielen, dennoch beobachten die Nerds das Geschehen und nutzen die Pausenzeiten, um selbst ein wenig Stickhandling und Schusstraining zu praktizieren. Alles natürlich solo!

„13 müsste man sein“, meint Deniz Aksu, Materialwart, Flügelstürmer und Mitbegründer der Hockeynerds Lohhof. Locker jongliert er mit dem gelgefüllten Hartgummiball auf dem Schlägerblatt. Davor hatte er den Hockeycontainer der Nerds wieder auf Vordermann gebracht: Helme, Handschuhe, Schläger, Schützer. Alles liegt für die Kids bereit, darf aber momentan nicht ausgegeben werden. „Das ist ärgerlich, gerade weil Hockey in Lohhof einen echten Boom erlebt. Die Mädels und Jungs teilen sich den Platz inzwischen sogar zeitlich auf, damit die Corona-Regeln eingehalten werden können.“

Alexander Kaiser, vormals Skaterhockey-Landes- und Oberligaspieler der Blackbulls aus Lohhof, ist mit seinem Sohn Paul auch am Platz. Für ihn war das früher die zweite Heimat. Für Paul ist es eine willkommene Alternative zum nicht stattfindenden Fußballtraining. Hier kann er mit seinem Papa ungestört „fieseln“, wie das Zocken auf Asphalt in Bayern genannt wird. Und hier können sie es auch ihrem großen Idol, dem NHL-Star Alex Ovechkin, gleichtun. Was Paul am Hockey besonders gefällt? „Dass ich hier mit Papa spielen kann und die Pausen“.

Sein Papa sieht das etwas sportlicher: „Mit ordentlichen Banden könnte man hier schon einigermaßen vernünftig spielen, wobei Platzgröße und Belag nicht dem Regelwerk entsprechen. Wir mussten damals auch in den Ostpark nach München ausweichen, weil es in Lohhof nichts gab. Sechs Jahre haben wir das durchgezogen, ohne dass in Lohhof jemand von uns Notiz genommen hat. So war es natürlich auch unmöglich Zuschauer oder Sponsoren zu finden“. Das große Manko der Nerds ist die fehlende Spiel- und Trainingsfläche. Die erste Mannschaft fuhr bisher wöchentlich nach Freising in die Eishalle. Kosten und Aufwand haben eine effektive Jugendarbeit nicht erlaubt.

Ein Platz mit Bande, ein Dach über dem Kopf und Kabinen

„Hockey ist halt nicht nur ein Schönwettersport“, meint Sebastian Aumeier, Kapitän der Hockeynerds Lohhof. „Man kann hier wunderbar zocken, wenn es trocken, hell genug und nicht belegt ist“. Hinzu kommt, dass die Nerds im Winter vom Asphalt aufs Eis wechseln. „Dann ist für das Inlinehockey hier definitiv Schluss. Ein Traum wäre natürlich die eigene Eishalle oder zumindest ein überdachter Platz mit Banden. Kabinen und Toiletten wären auch nicht schlecht, wobei man hier bestimmt Synergien mit anderen Einrichtungen nutzen könnte“.

Bedenken wegen der Ökobilanz einer Eishalle hat er keine.„Klar bedeutet Eis energetischen Aufwand. Es gibt aber gute Beispiele für nachhaltigen Eissport, zum Beispiel im Energieverbund mit einem Hallenbad“. Hockeynerds-Trainer Mark Behringer aus Lohhof, Mitbegründer des Barons-Fanteams und nun Managementmitglied bei einer großen deutschen Firma für Energieeffizienz im Raumklima:

„Die Kombination eines Wärme-/Kälteverbundsystem mit. einem Hallenbad ermöglicht eine Energieverschiebung, welche Einsparungen bei den Energiekosten sowohl bei einer Eishalle wie auch bei einem Hallenbad ermöglichen. Über weitere Maßnahmen wie Photovoltaik lässt sich so eine sehr gute Umweltbilanz erreichen“. Solche Projekte werden aktuell auch vom Deutschen Eishockeybund gefördert. Hinzu kommen die eingesparten Mobilitätskosten der Einwohner im Raum Unterschleißheim, die auch gerne mal zum Eislaufen gehen, aber bisher nach München, Freising oder Dachau fahren.

Das große Problem dürfte die fehlende Lobby sein. Lohhof ist zu allererst Fuß- und Volleyball: zu sehen an etlichen Vereinseinrichtungen, aber auch an öffentlichen Beachvolleyball-, Soccer und Bolzplätzen. Dann kommen viele andere Breiten- und Nischensportarten, einige davon mit respektablen Vereinsheimen und Trainingsplätzen.

Hockey hat hier zwei Probleme: Zum einen ist die Sportart sehr ausrüstungsintensiv, zum anderen immens ortsabhängig. Öffentliche Plätze eignen sich in der Regel nicht, da diese entweder der Straßenverkehrsordnung unterliegen oder vom Untergrund und den umliegenden Gebäuden her nicht in Frage kommen. Außerdem ist die Sportart in Lohhof noch sehr jung.

Das örtliche JugendKulturHaus Gleis 1 startete 2006, zusammen mit der Stadt Unterschleißheim, das Unternehmen „Skate Arena“. Über den Winter wurde der 200 qm große Funcourt, ein Multifunktionssportplatz direkt am Gleis 1, mit Kunststoffplatten ausgelegt und zu einer Schlittschuhfläche umgebaut. Hockeyturniere und Aktionen wie eine „Eis“-Disco oder Curling sorgten anfänglich für ein wenig Euphorie. Bald stellte sich aber, aufgrund der schlechten Gleiteigenschaften des Untergrunds, Ernüchterung ein.

„Ich habe damals dort mit dem Eishockey angefangen“, erzählt Daniel Nunner. Auch er ist, wie sein Bruder Sebastian, inzwischen ein Hockeynerd und nebenbei Betreuer des U20-Teams der Blackbears in Freising, bei dem er selbst drei Jahre spielen durfte. „Anfangs ist dir Untergrund und Größe der Spielfläche ziemlich egal, aber mit der Zeit willst du mehr.“ Da kam das Angebot vom Gleis 1 gerade recht. Ein wöchentliches Eistraining, eigene Trikots, eigener Name, Trainer und echte, sportliche Gegner. Dafür nimmt man als Eishackler doch einiges in Kauf, nicht nur finanziell.

Spielzeit in Lohhof dringend erwünscht

„Die Eiszeiten in Freising gehen schon an die Substanz. 22:30 Uhr, unter der Woche, das bedeutet manchmal nur vier Stunden Schlaf.“ Daniel ergänzt: „Für uns wird es Zeit, als Lohhofer Team auch in Lohhof zu spielen und hier unseren Vereinssitz zu haben.“ Ein Verein würde wahrscheinlich einiges erleichtern. In erster Linie braucht es die Unterstützung bei der Trainerausbildung. Als Mitglied im BLSV und mit den Vereinszuschüssen lässt sich das hoffentlich realisieren.

Vor allem aber wäre es ein nächster, logischer Schritt in die Eigenständigkeit. „Im Winter strecken wir unsere Fühler gerade Richtung Hobbyliga aus. Es gibt sowohl in München als auch in Landshut Spielrunden, bei denen wir durchaus mithalten könnten“, meint Trainer Dominic Schramm. Und Inline-Coach René Maaßen ergänzt: „Im Sommer treten wir dann vielleicht in die Fußstapfen der Blackbulls, wer weiß?“

Verein ist das Stichwort. Nachdem die meisten Mitspieler bald dem Jugendalter entwachsen, unterstützt auch das JugendKultuHaus Gleis 1 diesen Schritt. Markus Baier: „Wir haben die Hockeynerds von Beginn an begleitet und bringen das Projekt jetzt gemeinsam auf die Ziellinie. Klar wird die Jugendarbeit auch weiterhin Partner bleiben. Der Fokus soll aber wieder verstärkt auf die nächste Generation gerichtet werden. Damit aus Fiesler wieder Hackler werden.“ Mehr Informationen gibt es hier.

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