Dreißig Jahre: Alltag in Ismaning zwischen 1925 und 1955

„Ein Dorf wie jedes andere“

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Nach jahrelangem Forschen und Auswerten der Akten konnten nun Bürgermeister Alexander Greulich (v.l.n.r.), Christine Heinz, Leiterin des Schlossmuseums, Doris Krinniner und Anke von Leutsch vom Gemeindearchiv Ismaning sowie Julia Zahnweh vom Schlossmuseum die Ausstellung „30 Jahre - Alltag in Ismaning zwischen 1925 und 1955“ eröffnen.

„30 Jahre - Alltag in Ismaning zwischen 1925 und 1955“ heißt die Ausstellung, die am vergangenen Freitag im Schlossmuseum Ismaning eröffnet wurde. Doch wer genau hinschaut, sieht, dass die Ausstellung mehr als 30 Jahre umfasst: Angefangen mit einem Dokument zum Arbeiter- und Bauernrat 1918 endet die Ausstellung mit der Kommunalwahl im Jahr 1956. Eine große Rolle spielt hier natürlich der Nationalsozialismus - und doch sucht man ausgebreitete Fahnen mit Hakenkreuz vergebens.

 „Wir haben uns bewusst zurückgehalten mit der Nazi-Symbolik und möchten hier auch keine einzelnen Familien an der Pranger stellen. Es soll alles sachlich bleiben; der deutschen Bürokratie sei Dank haben wir viele Dokumente“, beschreibt Schlossmuseumsleiterin Christine Heinz. Bürgermeister Alexander Greulich ergänzt: „Der Auftrag dieser Ausstellung soll nicht auch sein: Wehret den Anfängen!“ Denn der Nationalsozialismus ist auch damals nicht vom Himmel gefallen. „Die Zahl der Veröffentlichungen, Forschungsprojekte, TV-Dokumentationen und Ausstellung zum Thema NS-Zeit sind kaum mehr zu überblicken. Nahezu jeder Aspekt des Dritten Reiches scheint behandelt worden zu sein - soweit es die Staatsführung, die Geschichte der NSDAP, Krieg und Holocaust betrifft.

Doch die Frage nach Ursachen und Auswirkungen des Nationalsozialismus stellt sich nicht nur im Zusammenhang mit der „großen“ Politik. Gerade im Kleinen, für Dörfer wie Ismaning, können sich neue Perspektiven eröffnen.“ So steht es einleitend auf den Schautafeln der Ausstellung im Schlossmuseum Ismaning. Bis zum 3. März ist dort die Ausstellung „Dreißig Jahre - Alltag in Ismaning zwischen 1925 und 1955“ zu sehen. Diese Zeitspanne wählten die Verantwortlichen aus Schlossmuseum und Gemeindearchiv, um sowohl Vor- als auch Nachgeschichte des Dritten Reiches zu beleuchten. Angefangen vom Scheitern der Weimarer Republik über die Folgen der „Machtergreifung“, der „Gleichschaltung“ und Gewaltherrschaft bis hin zur Bewältigung von Kriegsende und Nachkriegszeit mit der Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen behandelt die Ausstellung mehr als 30 Jahre in Ismaning. „Ismaning war ein Dorf wie jedes andere“, lautet das Fazit von Heinz. „Ismaning ist einfach so mitgelaufen. Doch was zum normalen Alltag während der NS-Zeit gehörte, ist schon erschreckend genug.“ Zum Beispiel der Antrag Unfruchtbarmachung.

Mit dabei waren auch Ismanings Schüler: So besuchten unter anderem Acht- und Neuntklässler der Mittelschule das KZ Dachau, eine Gruppe Schüler der Waldorfschule war im KZ Auschwitz. Ihre Erlebnisse und Empfinden hielten sie fest und können in der Ausstellung nachgelesen werden. Eine Schülerin der Waldorfschule hat gemeinsam mit dem Gemeindearchiv eine Tafel der Orte zusammengestellt, an denen Ismaninger Soldaten gefallen sind. Neben der Dokumentation der Geschehnisse zwischen 1925 und 1955 regt ein Bild besonders zum Nachdenken an: Es ist ein Schwarz-Weiß-Aufnahme des Kirchplatzes. Die Bürger haben sich versammelt, Kinder spielen. In der Mitte steht der Ortsgruppenleiter und vom Gemeindehaus weht die Hakenkreuzfahne.Und über dem Bild steht die einfache Frage: Wo wäre mein Platz gewesen?

Quelle: freising-online

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