Eine Orgel für St. Katharina

Pfarrer Bodo Windolf, Tanja Schiebel (Leiterin der Sparda-Bank-Geschäftsstelle Unterschleißheim), Christine Miedl (Direktorin der Unternehmenskommunikation der Sparda-Bank München), Alfons Kraft (Stadtrat und 2. Vorsitzender des Fördervereins St. Severin Garching) und der Organist der Kirche St. Katharina, Gregor Gardemann, bei der Spendenübergabe vor dem nun leeren Gehäuse der zu restaurierenden Orgel. Rechts steht die kleine „Ersatzorgel“. Foto: Funk

(kf)

· Im Jahr 1893 kaufte die Garchinger Pfarrgemeinde St. Severin eine außergewöhnliche Qualitätsorgel für 1800 Mark. „Würde man die Orgel heute kaufen, hätte sie einen Preis von rund 250000 Euro. Das Besondere daran: Rechnet man die 1800 Mark von 1893 auf den Euro um, wären das ebenfalls um die 250000 Euro“, erklärt der Organist der Kirche St. Katharina, Gregor Gardemann. Die Orgel von St. Katharina ist ein wertvolles Denkmal und bedeutsames Zeugnis der Orgelbaukunst des 19. Jahrhundert. Sie stammt aus der Blütezeit der Orgelbaufirma Maerz, die von 1844 bis 1909 künstlerisch hochwertige und handwerklich sauber verarbeitete Orgeln schuf. Doch nicht nur deswegen ist die Orgel von St. Katharina etwas besonderes: „Bei dieser Orgel hier fehlt nur ein Register und ein paar Kleinigkeiten. Bei vielen anderen Orgeln aus dieser Zeit fehlen bis zu 40 Prozent“, weiß Gregor Gardemann. Dennoch musste die Orgel in den vergangenen 119 Jahren oft leiden: 1917 mussten die Prospektpfeifen als Kriegsopfer an das Militär abgeführt werden. Die sichtbaren Pfeifen in der Orgelfront bestehen zu etwa 75 Prozent aus Zinn und wurden daher für Munition und Waffen eingeschmolzen. Die Pfeifen wurden dann durch die minderwertige Zinkpfeifen ersetzt. 61 Jahre später, 1978, ersetzt der Orgelbauer Kerssenbrock die Zinkpfeifen durch moderne Pfeifen. Doch ebenso wie die Zinkpfeifen entsprechen die modernen Pfeifen nicht dem historischen Klangideal – und so bekam der Orgelbauer Linder den Auftrag, die Orgel nach ihrem ursprünglichen Zustand zu restaurieren. Auch die Register wurden teilweise und nach dem Geschmack der jweiligen Zeit aus- und andere dafür eingebaut. Ein Register ist komplett verschwunden. Nun soll die Orgel aber wieder in ihren Ursprungszustand versetzt werden. Dazu muss die Orgel komplett zerlegt und alle Bauteile gereinigt und überprüft werden. Schadhafte Elemente kommen in die Werkstatt und werden dort überarbeitet. Die Gesamtkosten für die Restaurierung belaufen sich auf rund 50000 Euro. Gut ein Drittel hat der Förderverein St. Severin Garching bereits in der Kasse. Weitere 3000 Euro erhielt der Förderverein vor Kurzem von der Sparda-Bank München. „Die Spende der Sparda-Bank bringt uns ein großes Stück weiter“, freut sich Alfons Kraft, zweiter Vorsitzender des Fördervereins St. Severin Garching. Für die restliche Summe werden die Garchinger Bürger um ihre Mithilfe gebeten. „Nach der Restaurierung ist unsere Orgel dann eine von nur noch drei funktionsfähigen dieser Art in Oberbayern“, schaut Alfons Kraft in die Zukunft. Im September soll es endlich so weit sein und dann gehört die kleine Ersatzorgel der Geschichte an.

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