Zwischen Isar und Abens

Heimatpflege: Die beeindruckende Erkenntnisse von Georg Kollmannsberger

Georg Kollmannsberger schwarz weiß Foto Potrait 1990
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Der Echinger Lokalhistoriker Georg Kollmannsberger starb am 19. Juli 2007. Ein halbes Jahr vor seinem Tod verfasste er seine letzte Schrift: Es war die Geschichte seines Lebens. 

Georg Kollmannsberger: Beeindruckend ist nicht nur seine Lebensgeschichte, sondern auch die Hingabe an der Recherche von historischen Zeitereignissen.

Die Reihe „Heimatgeschichten“ erhält einen neuen Namen: Unter dem Titel „Zwischen Isar und Abens“ veröffentlicht die Heimatpflege im Landratsamt Freising zukünftig in loser Reihenfolge Beiträge, die sich mit der Geschichte, der Kultur und dem Brauchtum im Landkreis Freising beschäftigen.Diesmal geht es um den Echinger Lokalhistorikers Georg Kollmannsberger, der in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Leben und Tod des Georg Kollmannsberger

Georg Kollmannsberger hatte zweimal Geburtstag: Laut Taufschein wurde er am 24. Oktober 1920 geboren, während das Gemeinderegister Eching den Zeitpunkt seiner Geburt auf den 27. Oktober 1920 datiert. Erst an diesem Tag erfolgte nämlich die Geburtsmeldung bei der Gemeindeverwaltung durch den Vater. Der bewirtschaftete das Oberschuster-Anwesen in Dietersheim, das an der heutigen Hauptstraße 11 lag. Dort wuchs Georg mit elf weiteren Geschwistern auf. Bereits mit fünf Jahren kam er in die Dietersheimer Volksschule, wo Lehrer Karl Kneidl den Unterricht hielt. Dieser unternahm häufig mit seinen Schülern Exkursionen in die Garchinger Heide, zur Isar und an die Alte Römerstraße. Schon damals war der kleine Georg von der Heimatgeschichte fasziniert. Nach sieben Jahren war 1933 die Schulzeit zu Ende und Georg Kollmannsberger musste auf dem elterlichen Betrieb mitarbeiten. Die Berufswahl gestaltete sich schwierig, denn das Arbeitsamt in Freising verweigerte eine Ausbildungsgenehmigung zum Mechaniker. Bauernsöhne hatten nach der damaligen Gesetzgebung einen landwirtschaftlichen Beruf zu erlernen.

Dies entsprach nicht den Interessen des damals 16-jährigen Georg und so meldete er sich nach einer Zeit als Hilfsarbeiter freiwillig zur Wehrmacht. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Georg Kollmannsberger an die Front geschickt. Zunächst leistete er den Kriegsdienst in Frankreich, 1941 erfolgte der Abzug nach Russland. Während eines Fronturlaubes lernte er seine spätere Frau Berta kennen, die er 1943 heiratete. Im gleichen Jahr verletzte während eines Fronteinsatzes ein Granatsplitter Kollmannsbergers linke Hand so schwer, dass sie amputiert werden musste. Wegen dieser Verletzung wurde Georg Kollmannsberger nach Freising versetzt. Das Kriegsende erlebte er in Lindau, wo er die Heeresfachschule für Verwaltung besuchte. Seit Dezember 1945 arbeitete er bei der Deutschen Reichsbahn, aus der vier Jahre später in Westdeutschland die Bundesbahn hervorging. Hier gelang Kollmannsberger durch Ausdauer und Fleiß der Aufstieg vom Reichsbahngehilfen zum Betriebsinspektor. Die junge Familie Kollmannsberger, Sohn Georg war 1943 zur Welt gekommen, hatte zeitweise zwei Wohnsitze in Dietersheim.

Das Wohnzimmer befand sich im Unterschusteranwesen an der Hauptstraße 21, geschlafen wurde im Dachzimmer eines Einfamilienhauses neben dem Bauernhof. Der räumlichen Enge entflohen die Kollmannsbergers nach Eching. Sie bauten dort ein eigenes Haus an der Bahnhofstraße, das 1952 bezogen werden konnte. Um seine Einkünfte aufzubessern, hatte Georg Kollmannsberger ab 1947 begonnen, für das Freisinger Tagblatt zu schreiben. Schon bald galt er als „Korrespondent“ für die Gemeinde Eching. Durch diese Tätigkeit erwachte sein Interesse für die Heimatgeschichte neu. Kollmannsberger schrieb über Hans Schiltberger, der vor über 500 Jahren als Knappe von Hollern bis an den Himalaya kam, er berichtete über archäologische Funde auf dem G‘fild und erzählte die Geschichte der Echinger Vereine. Oft erschienen seine Beiträge in „Frigisinga“, der heimatkundlichen Beilage des Freisinger Tagblattes.

Aus dem Hobby-Historiker wurde ein Ortschronist

Mit der Zeit eignete sich Georg Kollmannsberger ein profundes Geschichtswissen an. Und so reifte 1965 der Plan, die gewonnenen Erkenntnisse in eine Ortschronik einfließen zu lassen. Der Heimatforscher konnte sich dabei auf die Aufzeichnungen der Lehrer Adolf Brückner, Karl Kneidl und Heinz Günter Hager stützen. Genauso aber profitierte er von eigenen Recherchen, Zeitzeugenbefragungen und intensiven Quellenforschungen, die der Hobby-Historiker Kollmannsberger in staatlichen wie kirchlichen Archiven betrieb. Im Jahr 1973 war es dann soweit: Georg Kollmansberger konnte dem damaligen Echinger Bürgermeister Joachim Enßlin die Heimatgeschichte der Orte Eching, Dietersheim und Hollern vorlegen. Im selben Jahr initiierte und organisierte der Ortschronist die 1200-Jahresfeier der Gemeinde Eching.

Nacheinander erschienen nun ein Buch über die Geschichte des Dorfes Dietersheim und der Band „Heimat auf den Hügeln“, der die Geschichte der Orte Ottenburg, Günzenhausen und Deutenhausen beschrieb. Dem folgten die zweite Auflage seines Eching-Buches, eine Abhandlung über die Garchinger Heide und die Echinger Lohe sowie die Bilddokumentation „Als unsere Orte noch Dörfer waren“. Auf Wunsch Enßlins begann Kollmannsberger ab 1980 ein Gemeindearchiv aufzubauen. Schriftgut aus dem späten 19. Jahrhundert, Pläne, Urkunden, Bücher, Bild- und Tondokumente fanden dort genauso ihren sicheren Platz wie Nachlässe und Zeitungsartikel. Gleichzeitig trug er landwirtschaftliche Gerätschaften zusammen, die er um weitere Sachgüter ergänzte. Als „Bäuerliche Gerätesammlung auf dem G’fild“ eröffnete Kollmannsberger 1993 ein kleines heimatkundliches Museum. Nebenbei engagierte sich der Lokalhistoriker bei der Echinger Heimatbühne, deren Gründungsmitglied und erster Vorsitzender er bis 1981 war.

Georg Kollmannsbergers Arbeit als Historiker, sein ehrenamtliches Engagement als Gemeindearchivar, Sammlungsbetreuer und Vereinsvorsitzender erfuhr breite Anerkennung. Er war seit 1980 Ehrenbürger Echings und später Ehrenvorsitzender der Echinger Heimatbühne. Der Landkreis Freising würdigte seine Verdienste 1996 mit dem Kultur-Anerkennungspreis. In 60 Jahren entwickelte sich Kollmannsberger vom Heimatchronisten zum Lokalhistoriker. Vor allem seine Beiträge zur Wirtschafts,- Sozial- und Mentalitätsgeschichte der Gemeinde Eching bilden bis heute wichtige Bausteine der Landkreishistorie. Kollmannsbergers Vorbild und sein wertvolles Vermächtnis könnten jüngere Generationen zur Nachahmung anregen. Dies wäre wünschenswert. Die Echinger Geschichte ist nämlich noch längst nicht zu Ende erzählt, vieles wartet darauf, erforscht und aufgeschrieben zu werden. Georg Kollmannsberger starb am 19. Juli 2007. Ein halbes Jahr vor seinem Tod verfasste er seine letzte Schrift: Es war die Geschichte seines Lebens.

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