Rollenspiel im Rathaus

Schüler gehen in die Klimapolitik

Die Sprecher der einzelnen Parteien brachten vor dem Plenum ihre Vorschläge zu Gehör.

Einen „klimapolitischen Perspektivwechsel“ wagten vor kurzem 22 Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Carl-Orff-Gymnasiums: Für einen Vormittag schlüpften sie in die Rollen von Parlamentariern der fiktiven Kommune „Cape Shore“ im ebenfalls fiktiven „Ghanesien“. Die Namen freilich sind von „Cape Coast“ beziehungsweise „Ghana“ abgeleitet, wo die Folgen des Klimawandels, wie in vielen Orten des globalen Südens, stark zu spüren sind.

Einen „klimapolitischen Perspektivwechsel“ wagten vor kurzem 22 Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Carl-Orff-Gymnasiums: Für einen Vormittag schlüpften sie in die Rollen von Parlamentariern der fiktiven Kommune „Cape Shore“ im ebenfalls fiktiven „Ghanesien“. Die Namen freilich sind von „Cape Coast“ beziehungsweise „Ghana“ abgeleitet, wo die Folgen des Klimawandels, wie in vielen Orten des globalen Südens, stark zu spüren sind. Aufgabe der Schüler war es, in einem Rollenspiel eine vorgegebene klimatische Problemstellung zu lösen - und zwar mit allem, was für den Politiker so dazugehört: mit Fraktions- und Ratssitzungen, einer Ausschussberatung und einer Abstimmung mit Handzeichen. Sogar einen Bürgermeister gab es, der zu Beginn des Spiels aus den Anwesenden gewählt wurde. Und damit auch der Ort authentisch sei, fand das Ganze im Sitzungssaal des Unterschleißheimer Rathauses statt, in dem auch der „echte“ Bürgermeister Christoph Böck als interessierter Beobachter zugegen war. Jeder Schüler erhielt eine schriftliche Charakteristik seiner Rolle, eine Beschreibung des Szenarios und weitere Hintergrundinformationen. Im Einzugsgebiet des Flusses „Pru“, so die Problemlage, kommt es aufgrund des Klimawandels häufig zu Überflutungen. Daher müssen dringend Maßnahmen eingeleitet werden, um Menschenleben, deren Hab und Gut und die vorhandene Infrastruktur zu schützen. Zur Beratung stehen zwei Lösungsansätze, welche als gleichermaßen sicher und umsetzbar gelten: zum einen die Anlage von Retentionsflächen mit Bäumen, um den Druck der Wasserlast durch eine kontrollierte Überschwemmung zu vermindern; zum anderen die Anlage von Schutzwänden und Deichen mit einer Höhe von jeweils bis zu vier Metern. Da die finanzielle Lage von „Cape Shore“ nur eines der beiden Vorhaben zulässt, mussten sich die jungen Parlamentarier einig werden. Am Ende des Vormittags, nach der zweiten Ratssitzung, stand die Entscheidung fest: Schutzmauern und Deiche sollen errichtet werden. Zusätzlich sprachen sich die Gymnasiasten dafür aus, Deichwege als Spazierwege anzulegen und für die Maßnahme die volle Kostenübernahme durch die Industrienationen zu beantragen. Das „Planspiel Südsicht“ steht im Kontext des Projektes „50 kommunale Klimapartnerschaften bis 2015“, an dem die Stadt Unterschleißheim beteiligt ist. Moderiert und begleitet wurde es von Julia Hämer und Carina Heyer, Mitarbeiterinnen der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. „Das Planspiel soll den Schülern einen Perspektivwechsel ermöglichen, indem sie aus Europa heraus in den globalen Süden gehen und sich mit den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels auseinandersetzen“, schildert Julia Hämer, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der LAG 21. So sähen die Jugendlichen auch, wie schwierig politische Meinungsfindung ist. „In der Politik gibt es keine beste Lösung“, so Hämer. „Es ist immer eine Abwägungssache.“ Die Industrienationen wie die Vereinigten Staaten oder Deutschland gehören zu den großen Klimasündern. Durch ihren enormen CO2-Ausstoß tragen sie zu globalen Veränderungen bei, die sich gerade in den Staaten am deutlichsten bemerkbar machen, die am wenigsten dafür können - in den armen Ländern der Südhalbkugel. Die Folgen sind vor allem Hungersnöte durch Dürren und Überschwemmungen.

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