„Underground-Gastronom“ Sebastian Hoffmann

Der Rebell unter den Köchen

Auch in dem Esszimmer seiner Ismaninger Wohnung hat Sebastian Hoffmann schon „Secret Supper Clubs“ veranstaltet. Foto: Müller

Auch wenn seine Treffen im „Untergrund“ stattfinden - die Medienwelt ist längst auf Sebastian Hoffmann aufmerksam geworden, sogar das Privatfernsehen hat schon über den 34-Jährigen berichtet. Es gibt ja auch nicht viele, die gastronomisch derart gegen den Strom schwimmen. Vor gut eineinhalb Jahren stieß der gelernte Koch auf einen Artikel über das Phänomen „Secret Supper Club“, und war sofort Feuer und Flamme. „Im Münchner Raum gab es das zu der Zeit noch gar nicht“, erklärt er. Anfang 2014 lud Hoffmann zu seinem ersten Abendmahl - die Anmeldezahlen waren damals noch überschaubar. „Doch das hat sich schnell geändert.“ Schon nach einem halben Jahr waren die Treffen voll ausgebucht, inzwischen laufen für jeden „Supper Club“ rund 300 bis 400 Anmeldungen auf dem Online-Portal www.gourmand-punk.de ein.

Auch wenn seine Treffen im „Untergrund“ stattfinden - die Medienwelt ist längst auf Sebastian Hoffmann aufmerksam geworden, sogar das Privatfernsehen hat schon über den 34-Jährigen berichtet. Es gibt ja auch nicht viele, die gastronomisch derart gegen den Strom schwimmen. Vor gut eineinhalb Jahren stieß der gelernte Koch auf einen Artikel über das Phänomen „Secret Supper Club“, und war sofort Feuer und Flamme. „Im Münchner Raum gab es das zu der Zeit noch gar nicht“, erklärt er. Anfang 2014 lud Hoffmann zu seinem ersten Abendmahl - die Anmeldezahlen waren damals noch überschaubar. „Doch das hat sich schnell geändert.“ Schon nach einem halben Jahr waren die Treffen voll ausgebucht, inzwischen laufen für jeden „Supper Club“ rund 300 bis 400 Anmeldungen auf dem Online-Portal www.gourmand-punk.de ein. Und mehr als eine funktionierende Internetverbindung braucht man auch gar nicht, um teilnehmen zu dürfen. Nur schnell sollte man sein, denn rund zwei Wochen vor dem Termin werden die Interessenten nach der Reihenfolge ihrer Anmeldungen abtelefoniert. Wer hier das Glück hat, zum Zuge zu kommen, erhält nach einer Woche eine Anmeldekarte, deren Erhalt er per E-Mail bestätigen muss. Das Spannende an der Geschichte: Erst jetzt erfahren die Gäste, wo das Treffen stattfindet, im Internet können sie zudem den Menüplan einsehen. Einem altbackenen Esszimmer kann Hoffmann keinen großen Reiz abgewinnen. Sein Motto lautet: „Je verrückter, umso besser“. Viele von denen, die sich als Gastgeber zur Verfügung stellen, haben große Wohnungen. Da finden sich mit Stuck verzierte Altbauräume ebenso wie gemütliche Lofts oder Dachterrassen mit schönem Ausblick. „Es sind Leute, die Bock haben, ihre Wohnung zu zeigen“, sagt der Gourmand-Punk. Und die leben meist in München selbst, in Schwabing, in Maxvorstadt oder in Westend. Und auch sein eigenes Heim in Ismaning hat Hoffmann schon ein paar Mal zur Verfügung gestellt. Ab 19 Uhr trudeln dann meist die Gäste ein, jeder bringt eine Flasche Wein mit. „Ich bin kein Weinprofi“, gesteht der Koch. „Aber es ist gut, mal ganz verschiedene Sorten durchzuprobieren.“ Außer dem Rebensaft gibt es nur Wasser zu trinken. Und auch die Tafel ist schlicht gedeckt, ohne großen Schnickschnack. „Denn spätestens nach einer halben Stunde ist der Tisch eh versaut“, argumentiert Sebastian Hoffmann. Nachdem sich der Initiator des „Secret Supper Clubs“ kurz vorgestellt hat, geht es auch schon mit den Gängen los. Hierfür verschwindet er erstmal bis zum Hauptgang in der Küche. Wenn er dann in den Speiseraum zurückkehrt und sich zu den Besuchern hockt, herrscht meist schon eine ausgelassene Stimmung. Die zunächst wildfremden Menschen haben sich ein wenig kennengelernt und wollen auch von Hoffmann einiges erfahren. Erst recht spät, gegen 23 Uhr, gibt es das Dessert, um Mitternacht herum dann meist eine Käseplatte. Die Abende verlaufen feucht-fröhlich, erklärt der 34-Jährige, aber stets gesittet und harmonisch. Vor zwei Uhr ist selten Schluss, außer wenn im Freien, etwa auf einer Dachterrasse, gefeiert wird. „Da ist auch schon mal die Polizei aufgekreuzt“, erklärt er. Dann sei man eben ins Haus gegangen. Was das Schöne an den Treffen ist: Die Gäste kommen tatsächlich aus allen Schichten. „Der Manager sitzt neben dem Azubi“, so Hoffmann. Trotzdem merkt man schon nach kurzer Zeit, dass letztlich alle gleich sind: Die Leute sind offen und wollen sich kennenlernen, ihre anfänglichen Hemmungen legen sie schnell ab. „Sie kehren auf den Kern des Menschlichen zurück.“ Negative Erfahrungen habe der gelernte Koch, wie er sagt, bisher noch nie machen müssen. „Die Supper Clubs sind eigentlich ein soziales Projekt. Und sie passen zur Zeit - zur Sehnsucht der Menschen, sich wieder gemeinsam an den Tisch zu setzen.“ Was Hoffmann erstaunt: Es kommen deutlich mehr Frauen zu ihm, darunter viele Singles. „Für einen Mann gibt es keine bessere Gelegenheit, eine kennenzulernen, als meine Supper Clubs“, bemerkt er scherzhaft. Warum das so ist, kann der Ismaninger nicht beantworten: „Vielleicht sind Frauen für sowas einfach offener?“ Die Altersspanne reicht vornehmlich von 30 bis 50 Jahren, es gibt aber durchaus auch jüngere oder ältere Teilnehmer. Der Entschluss, sich gegen den „Mainstream“ zu wenden, resultiert auch aus den eigenen beruflichen Erfahrungen des Gourmand-Punks. Seit 16 Jahren ist Hoffmann in der Gastronomie tätig, derzeit im Catering in München. Er hat erfahren müssen, dass sich hohe Qualität und vernünftige Arbeitszeiten nicht in Einklang bringen lassen. Gerade Qualität ist für ihn aber das A und O. „Ich will, dass das Rind, das ich esse, ein gutes Leben hatte“, sagt er. In seinen Abendessen ist dies der Fall: Hoffmann lässt sich eine Woche Zeit, um seine Lebensmitel zu besorgen, das Fleisch kommt vom Bauern um die Ecke. Daher sind die „Supper Clubs“ ein recht teures Vergnügen - ein Vergnügen, bei dem der 34-Jährige trotz der Spenden seiner Gäste am Ende immer draufzahlt. „Qualität wird oft mit Geschmack gleichgesetzt. Zu selten macht man sich aber Gedanken, wo das Ganze herkommt.“ Auf diese Problematik will der Koch noch mehr Menschen aufmerksam machen und plant daher, stärker als bisher in die Medien zu gehen. Die „Secret Supper Clubs“ freilich sollen weiterhin im kleinen Kreis stattfinden. Egal wie prominent Hoffmann wird, ihren Charme sollen sie stets behalten.

Quelle: freising-online

Auch interessant:

Meistgelesen

Christian Schweiger als Kommandant bestätigt
Christian Schweiger als Kommandant bestätigt

Kommentare