Neue Gesprächsreihe: Mein Weg

Leben mit Migrationshintergrund in Garching

Die Gesprächsreihe wird Anfang 2019 weitergeführt. Koray Seymen, Nicola Gerhardt, Sefika Seymen, Pfarrer Michael Ljubisic. (v.l)

Um nicht nur über Migranten sondern mit ihnen zu sprechen und dadurch zum gegenseitigen Verständnis beizutragen will die Pfarrei St. Severin in Kooperation mit dem Helferkreis Garching die Gesprächsreihe: „Mein Weg – Leben mit Migrationshintergrund in Garching“ etablieren.

Am ersten Abend berichtete das sympathische türkischstämmige Ehepaar Sefika und Koray Seymen im Gespräch mit der Sprecherin des Helferkreises und Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Nicola Gerhardt über ihren Weg in die deutsche Gesellschaft. Sefika wuchs als Kind eines offenen und weitblickenden Gastarbeiterehepaars in einem kleinen Dorf bei Friedrichshafen auf. Beeinflusst durch ihren Vater wuchs sie fast ausschließlich mit deutschen Kindern auf und besuchte als muslimisches Mädchen den katholischen Kindergarten und später den katholischen Religionsunterricht. Man müsse die Kultur in der man lebt, kennen und schätzen, war das Motto des Vaters. Sehr erstaunt war Sefika, als sie in Garching als Deutschdozentin für türkische Frauen eine ganz andere türkische Community erlebte: Frauen, die nur bedingt zum Deutschkurs gehen konnten und die von der Einstellung geprägt waren: „Auf das Gymnasium schafft es mein Kind niemals!“ – was für Sefika eine Selbstverständlichkeit war.

Diesen Frauen versuchte Sefika Mut zu machen, sich für die deutsche Gesellschaft zu öffnen. Die Frage nach dem Kopftuch beantwortet sie differenziert: Wenn Frauen dies aus einem tiefen religiösen Bewusstsein täten, habe sie vollen Respekt, wenn dies aber dazu diene sich abzugrenzen, gefalle ihr das gar nicht. In der eigenen Familie gibt es keine Tradition Kopftuch zu tragen. Wesentlich komplizierter war der Weg von Koray, der mit zweiundzwanzig Jahren nach der Hochzeit mit Sefika nach seinem Studium aus Istanbul nach Deutschland kam - ohne jegliche Deutschkenntnisse. Mit großem Ehrgeiz und Fleiß gelang es ihm schnell die Sprache zu erlernen und nach einigen Anlaufschwierigkeiten einen qualifizierten Beruf in seinem Bereich als Dipl. Oekonom zu ergreifen.

Diskriminiert haben sich beide nie gefühlt. Sie empfinden es vielmehr als große Bereicherung zwei Kulturen und zwei Sprachen zu kennen. Im anschließenden intensiven Gespräch mit dem zahlreich erschienenen Publikum wurden u.a. Fragen zur Heimat, zur offenen Aufnahme durch die deutsche Gesellschaft und zur muslimischen Glaubenspraxis erörtert. Fazit des Abends war, dass Offenheit für die deutsche Kultur, Zielstrebigkeit und der Mut aufeinander zuzugehen –auch von Seiten der Einheimischen- die wichtigsten Grundlagen für das Heimischwerden in Deutschland sind. 

Quelle: freising-online

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