Mittelschule Garching nach Max Mannheimer benannt

Menschlichkeit als oberstes Prinzip

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Wer ist Max Mannheimer? Den meisten Schülern der Mittelschule war er anfangs kein Begriff. Doch mit der Umbenennung der Mittelschule lernten sie den Holocaust-Überlebenden und aktiven Zeitzeugen kennen. 

Max Mannheimer, Holocaust-Überlebender, Zeitzeuge, aber nie Richter oder Henker, sondern immer ein Verfechter von Freiheit und Menschlichkeit, der offen, tolerant und neugierig auf seine Mitmenschen zuging - nach diesem Mann wurde am 1. August die Mittelschule Garching benannt. Nun folgte der offizielle Festakt mit zahlreichen geladenen Gästen, Freunden und Verwandten von Max Mannheimer.

In einer berührenden Feier würdigten Rektorin Tatjana Pringsheim, Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann, Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Mannheimers Enkelin Judith Faessler den Namensgeber. „Ihm hätte es hier gefallen“, sagte Judith Faessler. Ihr Opa habe gerne neue Menschen kennengelernt - vor allem in Schulen sei er gerne gewesen. Kurz vor seinem Tod im September 2016 war er an der Mittelschule Garching zu Gast und erzählte von seinen Erlebnissen in Auschwitz, Warschau und Dachau, von seiner Befreiung und wie er sich schwor, nie mehr nach Deutschland zurückzukehren. Doch die Liebe zu einer Frau, einer Deutschen, brachte ihn zurück in jenes Land, das er nie mehr betreten wollte. Unter der Prämisse keine religiösen Feste zu feiern, lebte die Familie zusammen. Bis eines Tages die zweijährige Tochter ihren Papa fragte, ob sie nicht artig gewesen sei, da ihr der Nikolaus nichts gebracht habe. 

Max Mannheimer holte dieses Versäumnis umgehend nach - und seitdem wurde auch jährlich Weihnachten gefeiert. Diese Anekdote erzählte seine Enkelin und zeigte damit einen wesentlichen Charakterzug Mannheimers: Menschlichkeit sei ihm wichtiger gewesen als seine Prinzipien. Hinzu kam noch eine gehörige Prise Humor. Bei ihrem letzten Besuch im Krankenhaus, erinnert sich seine Enkelin, fragte sie, ob sie ein Bett wegen seines Hustens aufrechter stellen solle. Seine Antwort: „Nein. Das ist nur ein Reizhusten und sonst habe ich keine Reize mehr.“ Auch die Frage, wie es seinem Bein gehe, beantwortete er seinem Urenkel mit einem Scherz: „Ancelotti (der damalige Trainer des FC Bayern; Anmerk. d. Red.) wird wohl noch etwas auf mich verzichten müssen.“ Dieses Überspielen des Unerträglichen mit Schalk und Unbeschwertheit, die Gabe, ein belastendes Thema aufzulockern - das hätte ihren Opa ausgezeichnet. „Humor ist eine starke Waffe und auch Selbstschutz“, sagte Fassler. „Er war frei, aber noch lange nicht befreit“, fügte sie hinzu.

Und deswegen waren Freiheit und Menschlichkeit für ihn so wichtig. „Wir leben in einer Demokratie, in der jeder frei und menschlich sein kann“, betonte sie. Und deswegen könnten wir auch heute noch viel von Max Mannheimer lernen: „Seid gerecht zum anderen, helft euch gegenseitig und haltet zusammen - das sollte der Geist der Max Mannheimer Schule sein“, erklärte Bürgermeister Dietmar Gruchmann. Wer Max Mannheimer zum Vorbild habe, könne nicht falsch liegen. Max Mannheimers Lebensgeschichte sie geprägt von ungelaublichen Leiden, die viele in Deutschland und Europa ertragen mussten. Unsere Generation habe das Glück, in einem friedlichen Nachkriegsdeutschland zu leben. Und doch ziehen jetzt wieder Kräfte auf, die der Freiheit schaden.

 „Sie verbreiten Misstrauen statt Vertrauen; sie wollen schaden, nicht helfen, spalten statt vereinen. Sie bieten einfache Lösungen und suchen Sündenböcke, die heute leider viel zu gerne angenommen werden“, mahnte Gruchmann. Einfache Lösungen hätten auch die Nationalsozialisten angeboten. Deswegen sei es wichtig, auf seine eigene, innere Stimme zu hören und sich mit seinem Gegenüber offen auseinanderzusetzen. Denn: „Einfache Lösungen gibt es nicht in so einer komplexen Welt. Wir haben die Verantwortung für unsere Zukunft.“ Oder wie es Max Mannheimer stets betonte: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“

Quelle: freising-online

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