Khola Maryam Hübsch sprach über Frauenrechte im Islam

Der Blick auf das Gesamtbild fehlt

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Deniz Dadli und Khola Maryam Hübsch gestalteten einen informativen Abend über Frauenrechte im Islam.

Für die Journalistin, Pubizistin und Bloggerin Khola Maryam Hübsch ist klar: „Nicht der Islam muss sich reformieren, sondern die Muslime und ihre Praxis, den islamischen Glauben zu leben.“

Dabei sollte sich die Reform aber nicht nach vorne richten, sondern zurück zum Ursprung des Islam, denn diese Religion „hat eigentlich die Frauen gestärkt und ihnen Rechte zugestanden“. In der Jugendfreizeitstätte Planet ‚O‘ in Oberschleißheim bedauerte die Referentin, dass in der öffentlichen Diskussion häufig das Negative hervorgehoben wird, aber „es fehlt der Blick auf das Gesamtbild“. Die oft einseitige Darstellung in den Medien trage nicht dazu bei, Vorurteile abzubauen. Hierzulande würde Muslimen oft diskriminierend der Zugang zu Bildung und Arbeit erschwert. Auch wenn Hübsch die Burka und die Vollverschleierung ablehne, solle man das Tragen nicht generell verbieten, sondern insbesondere „an offenen Plätzen liberal halten“. Das Kopftuch hingegen solle den islamischen Frauen gestattet sein, da es in der Hauptsache nicht aus Zwang, sondern aus religiöser Überzeugung getragen werde. Angesichts der geringen Zahl von verschleierten Frauen in Deutschland bezeichnete Khola Maryam Hübsch die Diskussionen rund um Burka und Co. als „Wahlkampf-Rhethorik“ und „Symboldebatte“, die Ängste vor Übergriffen auf Frauen und vor islamistischem Terror bediene. Doch die Referentin betonte: „Terrorgefahr geht von Männern in Hosen aus und nicht von verschleierten Frauen.“ Deniz Dadli, Leiter der Jugendfreizeitstätte Planet ‚O‘, steuerte Zahlen einer 2014 von der Bertelsmann-Stiftung durchgeführten Umfrage bei. Demnach würden über die Hälfte der befragten Deutschen den Islam als bedrohlich wahrnehmen, mehr als 60 Prozent sagten, der Islam passe nicht in die westliche Gesellschaft und jeder Vierte befürwortete ein Einwanderungsverbot für Muslime. In der öffentlichen Debatte bleibe oft auf der Strecke, dass es etwa zehn Prozent Radikale gebe, aber eben auch 90 Prozent Positives. „Wir reden über sie, aber nicht mit ihnen“, erklärte Deniz Dadli und warb für einen Dialog mit den Muslimen. „Viele haben sich ein Bild über den Islam gemacht, aber meist ein negatives Bild. Man muss die Menschen erzählen lassen und mit ihnen sprechen, um Verbesserungen zu erreichen.“ Der Vortrag mit Khola Maryam Hübsch über Menschen- und Frauenrechte im Islam sei ein Beitrag hierzu. Der nächste thematische Abend im Planet ‚O‘ in Oberschleißheim widmet sich der „Emanzipation im Islam - Muslim Girls“. Dieser Vortrag mit der Autorin Sineb El Masrar findet am Donnerstag, 29. Juni, um 19.30 Uhr in der Jugendfreizeitstätte Planet ‚O‘ statt.

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