„Remonte Bräu Schleißheim“ „Remonte Bräu Schleißheim“

Bilanz nach einem Jahr beeindruckt

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Vorstand und Aufsichtsrat von Remonte Bräu Schleißheim freuen sich bei der Generalversammlung über die „fette schwarze Null“ (von rechts): Aufsichtsratsvorsitzender Christian Kuchlbauer; Aufsichtsrat und Pressesprecher Alexander Bauer; Braumeister Florian Trost; Erster Vorsitzender Andreas Preisser; Vorstandsmitglied Sandra Kunstwadl; Aufsichtsrat Alexander Fichtl; Vorstandsmitglied Thomas Haslbeck; und die beiden Aufsichtsräte Stephan Sedlmayer und Ronny Sonnenkalb. 

Eigentlich wollte man in Schleißheim nur wieder „a gscheids Bier“ und besann sich deshalb auf die historische Remontedepotbrauerei, die es von 1598 bis 1912 in der Schleißheimer Schlossanlage gegeben hatte. Deren naturtrübes Braunbier hatte einen überregionalen Bekanntheitsgrad. Das hatte im Jahre 1912 eine noch heute existierende Münchner Großbrauerei, nach der in München eine S-Bahnstation und die dazugehörige Brücke benannt ist, auf den Plan gerufen: Man pachtete vom Staat die zwar profitable, aber damals renovierungsbedürftige Sudstätte in Schleißheim, übernahm die Markenrechte und stellte den Betrieb umgehend ein. Die zahlreichen Gaststätten und Betriebe vor Ort und in der Umgebung wurden von da an mit dem eigenen Bier beliefert.

Der Schleißheimer Braumeister wechselte ins Stammhaus nach München, wo er noch etliche Jahre als erster Braumeister tätig war. Diese Vorgehensweise war ein damals und bis in die jüngere Vergangenheit übliches Verfahren, wodurch die Zahl der Brauereien in Bayern erheblich reduziert wurde. Dies führte dazu, dass gerade die viel gepriesene Bierregion um München in den vergangenen Jahrzehnten fast nur noch von wenigen Großbrauereien beherrscht wurde. Genau das wollte die bunt zusammengewürfelte Gruppe von Bierliebhabern aus Schleißheim und Umgebung ändern. Ihr Glück: Die Münchner Brauerei hatte die Schleißheimer Markenrechte nicht verlängern lassen, so waren sie nach über 100 Jahren wieder frei! Glücklicherweise stieß mit Florian Trost ein studierter Brauer zu der Truppe, welcher das Bierrezept an das Original des ursprünglichen Schleißheimer Braunbieres annäherte. So konnte nach Gründung der eingetragenen Genossenschaft im April 2018 schon im September 2018 der erste Sud des „Remonte Urhell“ – eines naturtrüben, bernsteinfarbenen Kellerbiers mit spritziger Hopfennote im Abgang - vorgestellt werden. 

Die Schleißheimer waren derart begeistert, dass die junge Genossenschaft vom eigenen Erfolg überrollt wurde: Schon kurz nach dem Erstausschank war der erste Sud komplett ausverkauft und die Mitgliederzahl stieg bis zum Jahresende 2018 auf knapp 400. Mittlerweile sind die Lieferengpässe der Anfangszeit überwunden und das „Remonte Urhell“, das derzeit in der ältesten bayerischen Genossenschaftsbrauerei in Forsting bei Ebersberg hergestellt wird, wird nicht nur in mehreren Getränke- und Supermärkten in Ober- und Unterschleißheim verkauft, sondern dort auch in einigen Gaststätten ausgeschenkt. Perspektivisch möchte man sein Bier auch wieder in Oberschleißheim, idealerweise in der Schloss- anlage brauen. Das dortige ehemalige Brauhaus ist heute noch erhalten, ähnelt im Inneren aber eher einer Ruine. Zunächst müssen die Bieridealisten jedoch die große Nachfrage befriedigen. Und die kommt mittlerweile auch aus München. Schon haben sich erste Gaststätten im Norden der Landeshauptstadt um den Ausschank des süffigen Gerstensaftes aus Schleißheim beworben und seit kurzem ist dieser auch über den Getränkemarkt „Bienenfleiß zum Bayerischen Bierhimmel“ in München-Allach im Versand und somit im gesamten Münchner Stadtgebiet und im Landkreis München und Dachau erhältlich.

Für die Gründer von „Remonte Bräu“ war es nun ein Jahr nach der Gründung Zeit, auf der ersten Generalversammlung im gut gefüllten Saal des Schleißheimer Bürgerhauses Bilanz zu ziehen: Und die kann sich sehen lassen, wie Vorstandvorsitzender Andreas Preisser vor knapp 200 anwesenden Genossenschaftlern stolz verkündete: „Seit dem Erstausschank im September 2018 wurden 495 Hektoliter Bier gebraut. Damit entfallen über 100 Liter Bier auf jeden derzeitigen Remonte-Genossen.“ Eine mehr als stattliche Zahl, plante man bei der Gründung noch vorsichtig mit 100 Hektoliter Bier bis Ende 2018 und mit 300 Hektoliter für 2019, wie der für die Produktion verantwortliche Vorstand Thomas Haselbeck ergänzte. Die junge Genossenschaft, die sich neben dem Bierbrauen auch der Förderung von Tradition und Geselligkeit verschrieben hat, beteiligte sich an etlichen Veranstaltungen und Festen in Schleißheim und der Region. In diesem Jahr wird erstmals das „Oberschleißheimer Maifest“ zusammen mit dem Burschenverein mit Deandlgruppn, dem Trachtenverein Birkenstoana Stamm und der Gemeinde Oberschleißheim ausgerichtet werden. 

Auch bei Veranstaltungen in und um das Schloss Schleißheim wird Remontebräu den Bierausschank übernehmen, wie Vorstandsmitglied Sandra Kunstwadl berichtete. Besonders stolz ist Remontevorstandvorsitzender Andreas Preisser auf die Tatsache, dass das Remonte Bräu bislang komplett von ehrenamtlicher Arbeit getragen wird. Auch um die finanzielle Zukunft der jungen Genossenschaft ist es Preisser nicht Bange: „Wir konnten unser erstes Rumpfgeschäftsjahr trotz erheblicher Anfangsinvestitionen bereits mit einer schwarzen Null abschließen. Das ist absolute Spitze und keineswegs selbstverständlich für ein so junges Unternehmen.“ Stolz auf das Erreichte ist auch Christian Kuchlbauer, Aufsichtsratsvorsitzender und Erster Bürgermeister der Gemeinde Oberschleißheim: „Es ist beeindruckend, welch ein Zusammengehörigkeitsgefühl ganz unterschiedlicher Menschen die Wiedergründung unserer alten Remonte Brauerei in Form einer Genossenschaft ausgelöst hat.“ Pressesprecher Alexander Bauer ergänzt: „Dass wir in nur einem Jahr schon weit über 400 Genossen gewinnen konnten und mit unserem „Remonte Urhell“ schon nach gut einem halben Jahr auch die selbsternannte Bierhochburg München entern, hätten wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht ausgemalt.“ So schließt sich nun der historische Kreis, so Bauer weiter: „Einst bis nach München bekannt und beliebt, dann von einer Münchner Großbrauerei vom Markt gewischt, sind wir nun nach 106 Jahren jünger und frischer denn je wieder zurück und wollen einfach ein wenig regionale Vielfalt zurückbringen.“

Wer selbst Brauereimitbesitzer werden möchte und die junge Brauereigenossenschaft bei ihren Zukunftsprojekten unterstützen möchte, kann Anteile für jeweils 250 Euro erwerben. Infos gibt’s unter www.remonte-bräu.de oder Remonte Bräu Schleißheim, Rotdornstraße 31, 85764 Oberschleißheim.

Quelle: freising-online

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