Karl Valentins Bildersprache 

Sonder-Ausstellung: Herbert Beckes Hommage an den Humorist Karl Valentin am Isartor

Eine verwahrloste Brücke in München
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„Des ignorieren wir net amoi“ ist die von Karl Valentin inspirierte Bildunterschrift zu der Fotografie von Herbert Becke.

Wenn Bilder sprechen könnten, was würden sie uns sagen? Das war die Grundidee von Herbert Becke bei seinem Projekt „Karl Valentin Bilder Sprache“.

Karl Valentin spricht aus dem jeweiligen Bild zum Betrachter; was würde uns der großartige Humorist und Wortakrobat durch das Foto sagen wollen? In der aktuellen Sonder-Ausstellung im „Valentin-Karlstadt-Musäum“ im Isartor in München gibt es vom 29. Juli bis 9. November Antworten auf diese Fragen. Oder wie bei Valentin üblich, auch völlig andersherum. Gezeigt werden über 70 großformatige Bilder aus 45 Jahren Fotografie von Herbert Becke mit jeweils einem „passenden“ Spruch und einem Text von Karl Valentin. Darunter sind selbstverständlich viele bekannte Sprüche, zudem völlig unbekannte, bisher kaum veröffentlichte skurrile/philosophische Texte Valentins, aber auch seine gezielt subversiven Aussagen im „Dritten Reich“, die für ihn eine Form des Widerstandes waren.

Die Verpaarung von Fotos und Texten ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Nachlassverwalter und „irdischen Statthalter“ Karl Valentins, Rechtsanwalt Gunter Fette, mit dem Becke gemeinsam die Texte und Sprüche zu seinen Fotos ausgewählt hat.
Beckes Bilder erzählen Geschichten, er setzt Menschen, Objekte, Gebäude in Bezug zueinander. Er geht nach der Maxime vor: „das Leben posiert nicht, es findet statt“. Dabei handelt es sich überwiegend um Motive von Karl Valentins geliebtem München.

Becke hat seine Heimatstadt München viele Jahre von unten, „bodenständig“ fotografiert, unmittelbar mit der Kamera auf dem Boden der Tatsachen, auf öffentlichen Plätzen, in U-Bahnhöfen oder auf dem Asphalt von Einkaufsstraßen, er hat quasi die Perspektive von Kleinkindern, Hunden und Mäusen eingenommen oder auch Turnschuhen, wenn diese denn Augen hätten. Dabei sind völlig neue Sichtweisen von zum Teil ganz bekannten Motiven entstanden. Diese ungewohnten Sichtweisen ermöglichen völlig neue Bildwirkungen. Becke missachtet oft bewusst alle gängigen Fotografier- oder Gestaltungsregeln. Er ist ein kreativer Foto-Anarchist. Beckes Bilder sind subtil, witzig, schräg und hintergründig. Sie zeigen die oft unfreiwillige Komik des Alltages. So, wie bei Valentins Dialogen und Szenen.

Passende Fotografien zu Karl Valentins Sprüchen liefert Herbert Becke.

Hier kommen zwei Künstler zusammen, die sich nie begegnet sind: Der 1948 verstorbene Sprachakrobat Karl Valentin und Herbert Becke, der 1950 geborene Fotograf. Beiden sitzt der Schalk im Nacken. Humorvoll, aber auch mal mit ernstem Hintergrund skizieren sie ihre Sicht der Welt und der Menschen. Jeder zeigt auf seine Art, dass man die Welt auch aus einem anderen Blickwinkel als dem gewohnten, also durch den Wechsel der Perspektive, sehen kann. Der eine mit der Sprache, der andere mit dem Bild. Nimmt man beides zusammen, ist man beim treffenden Titel der Ausstellung: „BILDER SPRACHE“.

Die Fotos transportieren den Humor Valentins in die Gegenwart. Zeitlos sind die Wort-Sinn-Schöpfungen Valentins ohnehin. Bilder und Zitate gehen eine enge Verbindung ein, ohne ihre jeweilige Eigenständigkeit aufzugeben. Münchens Altoberbürgermeister Christian Ude präsentiert in einem kleinen Videobeitrag im Ausstellungsraum dazu seine ganz eigene Sicht und führt in seiner unnachahmlichen, humorvollen Art durch das Thema. Karten und Informationen gibt es hier. Informationen zum Künstler gibt es hier.

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