Deutsch-südafrikanisches Theaterprojekt „Uncut“

Was Haare und Kleidung erzählen können

An der Eersterivier Secondary School laufen bereits die Proben, Eindrücke davon wurden dem COG per E-Mail übermittelt.

Welche Bedeutung haben Kleidung und Haarpracht? Inwiefern bestimmen sie die Identität des Menschen? Jede Kultur findet andere Antworten auf diese Fragen. Was Deutsche und Südafrikaner darüber denken, soll ein Theaterprojekt mit dem Titel „Uncut“ zeigen. Inszeniert wird es von 15 Schülern und Ex-Schülern des Unterschleißheimer Carl-Orff-Gymmnasiums und von acht Schülern der Eersterivier Secondary School in der Nähe von Kapstadt - die vorläufige Krönung einer mittlerweile sechsjährigen Schulpartnerschaft.

Welche Bedeutung haben Kleidung und Haarpracht? Inwiefern bestimmen sie die Identität des Menschen? Jede Kultur findet andere Antworten auf diese Fragen. Was Deutsche und Südafrikaner darüber denken, soll ein Theaterprojekt mit dem Titel „Uncut“ zeigen. Inszeniert wird es von 15 Schülern und Ex-Schülern des Unterschleißheimer Carl-Orff-Gymmnasiums und von acht Schülern der Eersterivier Secondary School in der Nähe von Kapstadt - die vorläufige Krönung einer mittlerweile sechsjährigen Schulpartnerschaft. Begonnen hat alles im Jahr 2010, als sich die Unterschleißheimer anlässlich der WM in Südafrika mit verschiedenen afrikanischen Themen beschäftigt haben. Das Ergebnis war ein Theaterstück, das der Eersterivier Secondary School per Video übersandt wurde. Zwei Jahre später entstand ein weiteres Stück, auf die Videobotschaft folgte diesmal eine Antwort - ebenfalls in Form einer Aufführung. In beiden Fällen konnten die COG-Schüler damals den ersten Preis im Bundeswettbewerb des Bundespräsidenten zur Entwicklungshilfe abräumen. 2013 gab es den ersten persönlichen Kontakt, als ein Lehrer der Secondary School nach Unterschleißheim kam. „Da haben wir uns gedacht: Die Schüler sollen das auch machen“, so Theaterlehrer Michael Blum. Daher reisten im vergangenen Jahr sechs Elf- und Zwölftklässler des COG für zwei Wochen nach Südafrika, um mit den Partnerschülern ein Stück zum Thema „Freiheit“ zu erarbeiten. Dieses wurde anschließend in Eersterivier aufgeführt. Nun folgt der Gegenbesuch - ein für beide Seiten interessantes und spannendes Ereignis. Die Südafrikaner sollen am Montag, 29. Juni, landen und zunächst Quartier bei ihren Gastfamilien beziehen. Dann heißt es hart arbeiten: Fast täglich sind Proben angesagt, die aber durch mehrere Ausflüge aufgelockert werden - zum Beispiel zur Staatskanzlei in München, an den Spitzingsee oder auch zum Tanzworkshop in Passau. Das gemeinsam ausgetüftelte Stück wird dann am Freitag, 10. Juli, um 20 Uhr im Unterschleißheimer Bürgerhaus aufgeführt sowie am Sonntag, 12. Juli, zur gleichen Zeit in der Haimhauser Kulturkreiskneipe. Jede Schülergruppe geht mit vorbereiteten Szenen in die Workshops: Die Gäste haben ein Stück mitgebracht, das sich um die bei ihnen übliche Sonntagskleidung dreht. „Südafrikaner legen nämlich recht viel Wert auf Kleidung“, erklärt Michael Blum. Daher haben sie schon in ihrer Heimat Großmütter und Mütter zu dem Thema interviewt und ihre Befunde, gepaart mit Texten lokaler Autorinnen, zu einer rund halbstündigen Darbietung verarbeitet. „Sunday‘s Best“ heißt sie - eine ausgedehnte Metapher, die Motive wie Liebe und Heirat, kulturelle Identität, Krieg und Genozid oder Migration anschneidet. „In unserer Kultur dagegen haben Frisuren eine größere Bedeutung“, meint der Theaterlehrer, weshalb sich die deutschen Schüler mit der Bedeutung von Haaren und Bärten beschäftigt haben. Auch sie haben Erzählungen und Interviews verwendet, etwa mit einer Friseurin oder der Leiterin eines Hundesalons, und diese mit literarischen Quellen verknüpft. Hier ist vor allem „Astutuli“ zu nennen, das von dem Namenspatron der Schule, Carl Orff, geschrieben wurde. Viele unterschiedliche Aspekte also, die es in der gemeinsamen Projektarbeit zu kombinieren und mit verschiedenen darstellerischen Mitteln wie Körperchoreographien, Tanz oder Gesang anzureichern gilt. Auch ein Klavier und Gitarren sowie ein kleines Streichquartett sollen zum Einsatz kommen. Der Ort der Gruppenarbeit ist nicht das COG, sondern die Jugendbegegnungsstätte in Oberschleißheim. Einige der deutschen Darsteller waren schon im vergangenen Jahr in der Eersterivier Secondary School - was für die noch Unerfahrenen eine große Hilfe ist. „Das ermöglicht einen guten Austausch“, meint Julia Höll von der 9E. „Und die Älteren können den Jüngeren beim Lernen helfen.“ Einer dieser „Älteren“ ist Danilo Pejakovic, der von einem „Kultur-Clash auf beiden Seiten“ spricht. Doch auch wenn sich Deutsche und Südafrikaner noch so sehr unterscheiden - in ihrer Kultur und ihrer Lebensweise -, so habe er doch eines feststellen können: Das Theaterspielen eint die Nationen. „Sie haben dieselben Vorstellungen von Theater und dieselben Regeln zum Verhalten auf der Bühne“, so Pejakovic. „Auch die Aufwärmspiele sind gleich.“ Durch das gemeinsame Proben werde die anfängliche Distanz aufgehoben, erklärt Leon Schlagintweit. Denn alle ziehen an einem Strang und verfolgen das gleiche Ziel. Judith Wedemeyer von der Q11 findet besonders das Vertrauen beeindruckend, das sich zwischen den eigentlich so unterschiedlichen Menschen aufbaut. „Die größte Gemeinsamkeit ist wohl das grundlegende Bedürfnis, das, was uns bewegt, künstlerisch zu verarbeiten“, ist Blum überzeugt. Und dass Jugendliche in einem Land mit sehr ungerechter Chancenverteilung dazu die Möglichkeit haben, sei schon ein Faszinosum.

Quelle: freising-online

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