Eine Chance für jemand anderen

Tag der Organspende: Aktionen, Danksagungen und persönliche Geschichten

Sandra Zumpe grinst
+
Sandra Zumpfe kann sich glücklich schätzen. Dank eines Spenderherzs hat sie eine neue Chance bekommen, ihr Leben in vollen Zügen zu genießen.

Am 5. Juni ist der Tag der Organspende. Zu diesem Anlass erzählt Sandra Zumpfe die Geschichte ihrer Transplantation.

Die 42-jährige Sandra Zumpfe aus Haar bei München freut sich am Tag der Organspende (5.Juni) besonders über ihr „zweites Leben“, welches sie einer Organspende vor acht Jahren verdankt. Ihre Geschichte erzählt sie im Rahmen einer zentralen Veranstaltung zum Tag der Organspende. Sie findet aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Pandemie wie bereits im vergangenen Jahr als Online-Event statt.

Im Mittelpunkt steht dabei das Motto „Entscheide Dich“. Dieses soll möglichst viele Menschen dazu motivieren, sich mit dem Thema Organspende zu befassen und eine eigene, persönliche und selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. Es ist aber auch ein Tag des Dankens und des Gedenkens an die Menschen und deren Angehörige, die durch ihr „Ja“ zur Organspende viele Leben gerettet haben.

Mit der Aktion „Geschenkte Lebensjahre“ zeigen viele Transplantierte eindrücklich, dass durch eine Organspende Leben gerettet wird und viele Lebensjahre geschenkt werden können. Aktuell sind bereits über 2600 geschenkte Lebensjahre auf der speziellen Webseite für diesen besonderen Tag zu finden.

Über Sandra Zumpfe:

Auch Sandra Zumpfe aus Haar bei München blickt auf acht Jahre zurück, die seit ihrer Herztransplantation vergangen sind. Sie hätte ihr Herzversagen damals nicht überlebt. Bereits mit acht Jahren wurde bei ihr eine hypertrophe Kardiomyopathie erkannt, ein unheilbarer Herzfehler, mit dem sie aber bis zum Alter von 34 Jahren weiterleben konnte. Mit der Zeit litt sie dann zunehmend an Herzrhythmusstörungen und es wurde klar- ihr konnte nun nur noch eine Transplantation helfen.

Sandra Zumpfe kam auf die Warteliste für ein Spenderherz. Die Wartezeit von sechs Monaten hatte sie zwar körperlich angeschlagen, aber zuhause verbringen können. Als der Anruf kam, dass die Ärzte ein Spenderherz für sie haben, musste alles schnell gehen. Viel Zeit zum Nachdenken hatte Sandra Zumpfe nicht. Nach der Transplantation lag sie sieben Wochen im Koma. Ihr Körper war so geschwächt, dass der Eingriff zu mehreren Komplikationen und Erkrankungen führte: Sepsis, Infektionen, Lähmungen - und Nierenversagen. Sie wurde dialysepflichtig, verbrachte fünf Monate im Krankenhaus und musste sich anschließend wieder ins Leben zurück kämpfen.

Im August 2017, nach 4 ½ Jahren an der Dialyse, erhielt Sandra Zumpfe den zweiten „Lottogewinn“; eine Nieren-Lebendspende von ihrem Ehemann. Seit der Nierenspende geht es ihr - mit einigen Einschränkungen -gesundheitlich gut. Das gespendete Herz sieht Sandra Zumpfe als ganz großes Geschenk an. Ihren Dank an die Spenderin möchte sie damit ausdrücken, dass sie ihr Leben in vollen Zügen genießt und einfach ganz bewusst lebt. Ihr Appell an alle Unentschlossenen: „Denken Sie darüber nach, was man einem Menschen schenkt, wenn man seine Organe spendet. Denken Sie an Ihre Angehörigen, unter welchem Druck sie leiden, wenn sie Ihre Entscheidung zur Organspende im Ernstfall nicht kennen. Lassen Sie sich diese Entscheidung nicht von anderen abnehmen!“

Viele Organempfänger feiern zwei Mal im Jahr Geburtstag. Ihren eigenen und den Tag ihrer Transplation. So auch Sandra Zumpfe, die ihr Leben jetzt in vollen Zügen genießt.

Über den Tag der Organspende

Ein Mix aus Live-Sendungen, Direktschaltungen und Videos bietet am 5. Juni unter tagderorganspende.de Wissenswertes, Berührendes und Überraschendes rund um die Organspende und Transplantation. Angehörige von Organspendern, Organempfänger und Wartelistenpatienten sowie Ärzte, Pflegekräfte, Transplantationsbeauftragte, DSO-Koordinatoren und ein Geistlicher beleuchten die Themen aus den unterschiedlichsten Perspektiven.

Das Programm wird ergänzt durch Musikbeiträge, Statements von prominenten Botschaftern und Politikern sowie durch Lesungen von Dankesbriefen von Organempfängern. Über einen Interaktionsbereich können die Online-Teilnehmenden live ihre Fragen stellen oder sich in Themenchats mit den Experten austauschen. Begleitet wird der Tag durch weitere virtuelle Aktionen, die bereits vor dem 5. Juni zum Mitmachen einladen, wie eine Challenge in den Sozialen Medien zum Motto „Entscheide Dich“, oder die Aktion 1000, in der 1000 Gründe gesucht werden, einen Organspendeausweis auszufüllen.

Über Organspenden:

Die Entscheidung zur Organspende kann in einem Organspendeausweis, in einer Patientenverfügung oder idealerweise in beiden Dokumenten vermerkt werden. Ab 2022 steht dazu auch ein Online-Register zur Verfügung. In nur etwa 38 Prozent aller Fälle, in denen im vergangenen Jahr die Möglichkeit zu einer Organspende bestand, war der Wille des Verstorbenen schriftlich (17,6 Prozent) oder mündlich (20,0 Prozent) dokumentiert.Oft sind es die Angehörigen, die um eine Entscheidung zur Organspende gebeten werden. Die eigene Entscheidung nimmt im Ernstfall die Last von der Familie.

Trotz der Coronavirus-Pandemie konnten im Jahr 2020 in Deutschland durch 3016 nach dem Tode gespendete Organe Leben gerettet werden. Viele Organempfänger feiern zweimal im Jahr Geburtstag: ihren eigentlichen und den Tag ihrer Transplantation.Rund 9000 Patienten stehen allein in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Im März 2022 tritt das Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft in Kraft. Es sieht vor, dass die Menschen an unterschiedlichsten Stellen wie Behörden, Ämtern, Hausärzten und Fahrschulen über Organspende aufgeklärt und zu einer Entscheidung motiviert werden.

Auch interessant:

Meistgelesen

Kommentare