Die Bürger haben Mitspracherecht

Unterschleißheims neue Stadtmitte

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Martin Brigel (links) und Christoph Böck stellen die Siegerentwürfe des Ideenwettbewerbs vor. 

Der Ideenwettbewerb zur „Neuen Stadtmitte“ in Unterschleißheim ist abgeschlossen; jetzt dürfen die Bürger mitreden, wie das Areal zwischen der Post, dem IAZ einschließlich des Hotelgebäudes und dem Parkplatz Richtung Bahnhof künftig aussehen soll. In einem Pressegespräch vor der Ausstellungeröffnung erläuterten Bürgermeister Christoph Böck und Stadtplaner Martin Birgel die Gewinnerentwürfe. 1984 wurden Rat- und Bürgerhaus inklusive des IAZ eingeweiht. In den Anfangsjahren war das Einkaufszentrum modern und gern besucht. Doch seit 2000 verlor das IAZ an Attraktivität, es kam zu immer mehr Leerständen. Im Jahr 2013 versuchte der damalige Bürgermeister Rolf Zeitler ein Revitalisierungskonzept. Doch es scheiterte an den verschiedenen Eigentümern. 

Ab 2015 kaufte der Investor Rock Capital die Ladenflächen im IAZ sukzessive auf und nun ist das Gebäude in einer Hand, sodass nun gemeinsam mit der Stadt geplant werden kann. Eigentümer und Stadtverwaltung beauftragten neun Architekturbüros damit, Ideen für eine Neugestaltung der Unterschleißheimer Stadtmitte zu kreiieren; acht legten ihre Ideen dem Preisgericht vor. Das Ergebnis: Dreimal Platz 1! „Das sind drei gleichwertige, gute Entwürfe. Jeder Entwurf hat seine Stärken, aber auch seine Schwächen“, beschrieb Martin Brigel von Dragomir Stadtplanung, sodass alle Entwürfe noch einmal überplant werden müssen. Doch bevor dies geschieht, betritt die Stadt Neuland: Denn die Bürger sollen miteinscheiden, wie ihre künftige Stadtmitte aussehen soll: Wie soll der öffentliche Raum genutzt werden? Soll die Nutzungsverteilung möglichst großzügig sein oder lieber eng aufeinander, um mehr Freiräume zu schaffen? 

An einige Vorgaben hatten sich die Architekten dennoch zu halten, erklärte Bürgermeister Christoph Böck. So habe man kein klassisches Einkaufszentrum mehr gewünscht, sondern Einzelhandelsflächen, die aus „dem öffentlichen Raum heraus“ betretbar seien. Auch wollte man mehr Wohnraum schaffen. „Das ist unser Ortszentrum!“, betonte Christoph Böck. Zudem sei die Nachfrage nach Wohnraum auch in Unterschleißheim hoch, sodass hier signifikant erhöht wurde: Von aktuell zwölf Wohnungen könnten es am Ende bis zu 260 Wohneinheiten werden, inklusive seniorengerechtem Wohnen. 

Entwurf 1 

Der Entwurf der steidle architekten aus München sieht eine Verjüngung des Rathausplatzes im Westen vor und weitet sich zum S-Bahnhof wieder etwas, um dadurch einen einladenden Eingangsbereich zu schaffen. Des Weiteren wird ein kleinerer Quartiersplatz im Norden vorgeschlagen. Die Unterteilung erfolgt in drei Stadtbausteine, die jeweils einen Hochpunkt, etwa für das Hotel, beinhalten. Alle Gewerbenutzungen orientieren sich konsequent zum öffentlichen Raum und tragen so zu dessen Belebung bei. Die Innenräume dienen als ruhige Erholungsräume für die unmittelbare Nachbarschaft. Die privaten Dachgärten bergen weitere Freiraumqualitäten. 

Entwurf 2 

Der Rathausplatz, so der Entwurf der baum-kappler gmbh aus Nürnberg, wird mit dem S-Bahnhof über eine direkte Achse verbunden, die am Haltepunkt in einen neuen Platz mit dem einzigen Hochpunkt an der Le-Crès-Brücke mündet. Der Bahnhofsplatz schafft mit dem geplanten Baumbestand ein alternatives Angebot zum Rathausplatz. Der Einzelhandel soll im Erdgeschoss des nördlichen Baufelds angesiedelt werden. Der allseitig umschlossene, ruhige Innenhof bietet den Bewohnern hohe Qualität. Die beiden südlichen Baufelder können für das Hotel und Büroflächen genutzt werden.

Entwurf 3 

Eine Reihe von unterschiedlich hohen Gebäuden entlang der Bahnstrecke sieht der Entwurf von Robert Meyer und Tobias Karlhuber aus München vor. Die zwei kombinierten Höfe mit dem autonomen Baustein im Süden fügen sich in das bestehende Stadtbild ein. Die öffentlichen Wegeverbindungen sind wenig zoniert. Der Vorplatz beim S-Bahnhof wird durch den Gebäuderücksprung räumlich betont. Die Innenhöfe mit den Öffnungen nach außen über die „Schaufensterloggien“ stellen attraktive Freiraumangebote dar. Die Verteilung der Einzelhandelsangebote erzeugen eine durchgehende Frequenz bis in den Norden. 

Mitmachen 

Bis Freitag sind die drei Siegerentwürfe im Festsaal des Bürgerhauses ausgestellt; Interessierte können sich die Entwürfe täglich zwischen acht und 22 Uhr ansehen. Ab 1. Juli können die Pläne im Bauamt an der Valerystraße 1 zu den täglichen Öffnungszeiten besichtigt werden. Am Freitag, 28. Juni, findet von 18 bis 22 Uhr im Festsaal des Bürgerhauses ein Bürgerworkshop statt, bei dem alle Unterschleißheimer ihre Ideen, Wünsche, Anregungen und Kritikpunkte an den drei Siegerentwürfen einbringen können. Wer da keine Zeit hat, kann sich auch über das Bürgertelefon unter 089/45710333 oder online unter www.stadtmitte-ush.de beteiligen.

Quelle: freising-online

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