Die ganze Nacht im Einsatz

Unwetter im Münchner Norden: Feuerwehren pumpen zahlreiche Keller und Tiefgaragen aus

Eine weitere vollgelaufene Garage
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Der Klassiker unter den Unwetter-Schäden: Vollgelaufene Garagen oder Keller.

In der vergangenen Woche kam es mehrmals zu schlimmen Unwettern im Münchner Norden. Die freiwilligen Feuerwehren gaben alles, um die Schäden zu beseitigen.

So auch in Unterschleißheim. Bereits am Mittwoch musste die Freiwillige Feuerwehr Unterschleißheim ab 0.40 Uhr ausrücken, um die Folgen der Unwetterfront zu beseitigen. Innerhalb weniger Minuten fiel derart viel Niederschlag, sodass sich Straßen, Keller und Unterführungen zu Seen entwickelten. Folglich erreichte die Feuerwehr Unterschleißheim gerade in der Anfangsphase eine Vielzahl von Notrufen. Der Klassiker in dieser Nacht waren vollgelaufene Garagen und Keller.

Besonders hart traf es einen Autobesitzer eines fabrikneuen Cabrios. In der sicher geglaubten Duplex-Garage kam es aufgrund der überfluteten Gehwege zu einem nicht unerheblichen Wassereintritt. Binnen weniger Minuten wurde das Auto sprichwörtlich in der Garage versenkt. Durch den Einsatz mehrerer Tauchpumpen konnte das Wasser zwar aus der Garage befördert werden, dennoch ist davon auszugehen, dass es sich bei dem Auto um einen Totalschaden handelt. Ein ganz anderes Schicksal erlebten zwei Freunde auf dem Münchner Ring. Aufgrund eines medizinischen Notfalls wollte der eine den anderen ins Krankenhaus fahren, jedoch wurde der Fahrt ein schnelles Ende auf den teils massiv überfluteten Straßen beschert, da das Auto nicht mehr fahrbereit war und abgeschleppt werden musste. Die einzig richtige Entscheidung hier war das Absetzen eines Notrufes. So konnte innerhalb kürzester Zeit ein Fahrzeug, welches sich eigentlich auf Sichtung der Einsatzstellen befand, an die Notfalladresse entsandt werden. Die betroffene Person wurde dann bis zum Eintreffen des Rettungswagens betreut.

Feuerwehr Unterschleißheim: Trotz schlafloser Nacht in die Arbeit

Ein kurzes Aufatmen war dann gegen 4.30 Uhr möglich. Ab 05.30 Uhr gingen die Einsatzzahlen aber kontinuierlich nach oben, als die Unterschleißheimer auf dem Weg zur Schule oder Arbeit die Schäden des Unwetters entdeckt haben. Insbesondere Garagen waren betroffen, aus denen viele tausende Liter Wasser gepumpt werden mussten. Insgesamt verzeichnete die Freiwillige Feuerwehr Unterschleißheim im Zeitraum von ein Uhr morgens bis 13 Uhr mittags 33 Einsätze, die von knapp 50 Einsatzkräften abgearbeitet wurden. Die meisten von ihnen starteten im Anschluss mit einer schlaflosen Nacht in den Arbeitstag oder holten den wohlverdienten Schlaf nach. Glücklicherweise gab es im Zusammenhang mit dem Unwetter keine Verletzten zu beklagen, der entstandene Sachschaden dürfte wohl aber in die 100 000 Euro gehen.

Weiter ging es dann am Donnerstag für die Feuerwehrler von Unterschleißheim. Pünktlich zum Anpfiff des letzten Gruppenspiels der Deutschen Nationalmannschaft gab auch eine Unwetterfront ihr Bestes über Unterschleißheim. Wie in der vorangegangenen Nacht dauerte es nicht lange, bis ganze Straßenzüge, Keller und Tiefgaragen voll Wasser liefen. Aufgrund der Vielzahl an Einsätzen wurde ab 21 Uhr der Funkraum besetzt, um die eigenen Einheiten zu koordinieren. Unterstützung gab’s diesmal von den Feuerwehren aus Riedmoos und Badersfeld. Am meisten beschäftigte die Unterschleißheimer Kräfte eine bereits bekannte Einsatzstelle in der Franz-Lehner-Straße. Im Vergleich zur Vornacht wurde mit allen Mitteln versucht, dass das Wasser, welches sich vor dem Gebäude staute, nicht wieder ins Gebäude gelangt. Zu diesem Einsatz reihten sich noch 15 Weitere, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilten.

Neben den Unwettereinsätzen wurde auch das eigentliche „Tagesgeschäft“ abgearbeitet. Gegen Mitternacht schlug eine Brandmeldeanlage Alarm, wie sich nach einiger Zeit aber herausstellte ohne ersichtlichen Grund. Erwähnenswert ist auch die tatkräftige Unterstützung mancher Unterschleißheimer Bürger an den Einsatzstellen, wodurch der ein oder andere Einsatz schneller abgearbeitet werden konnte oder von der Feuerwehr nicht mehr eingegriffen werden musste. Einsatzende für die letzten, von ursprünglich knapp 50, Einsatzkräften war gegen zwei Uhr morgens.

Eching: Schlag auf Schlag neue Einsätze

Auch in der Feuerwehr Eching nahmen die Einsätze während der Unwetter kein Ende. Am Mittwoch um 1.17 Uhr alarmierte die Leitstelle Erding die Feuerwehr zum ersten Alarm mit dem Stichwort „Fahrbahn überschwemmt“ in die Goethestraße. Danach kam es Schlag auf Schlag zu neuen Einsätzen. Den ganzen Tag über pumpte die Feuerwehr Eching mit Unterstützung der Feuerwehr Günzenhausen Wasser aus überfluteten Kellern, Wohnungen, Tiefgaragen und Aufzugsschächten. Gerade die Tiefgaragen erforderten hierfür eine hohen Personal- und Materialeinsatz, der sich meist über mehrere Stunden zog. Mittels Wasserschiebern und -saugern sowie leistungsfähigen Pumpen rückten die Floriansjünger dem Wasser zu Leibe.

Eine zeitaufwändige Sache: Wasser abpumpen in Kellern und Tiefgaragen. Die Feuerwehrler waren bis spät in die Nacht im Einsatz. 

Auf dem Werksgelände von BMW kam es ebenfalls zu einem großflächigen Wassereintritt in die Werkstatt. Dieser konnte gemeinsam mit der Werkfeuerwehr BMW München und der Feuerwehr Günzenhausen beseitigt werden. 17 Einsatzstellen in ganz Eching wurden an diesem Tag durch die Feuerwehr abgearbeitet. Verletzte waren zum Glück nicht zu verzeichnen, über die Höhe des Sachschadens kann die Feuerwehr keine Auskunft geben. Am nächsten Tag gaben die Feuerwehrler außerdem bekannt, dass sie schon wieder dabei sind, die ersten vollgelaufenen Keller auszupumpen, während alle anderen das Spiel der Nationalmannschaft schauen.

Waschkeller mit extra Spülgang: Viele Keller standen unter Wasser.

Feuerwehr TUM München: #RespektfürRetter

Viele Feuerwehrler opfern gerne ihre Freizeit, um Menschen in Not zu helfen. Ob es sich dabei um die Beseitigung von Unwetterschäden, Mithilfe bei schweren Autounfällen oder der Brandlöschung handelt: Sie tun das gerne und erwarten dafür keine Gegenleistung. Umso erschütternder ist daher ein Fall der Feuerwehr TUM Garching. Auf Instagram schilderten sie, dass ein Rettungswagen von einer Brücke aus mit Gegenständen beworfen wurde, während dieser gerade vom Krankenhaus zurück auf die Wache gefahren ist. Für die Einsatzkräfte ist dies leider kein Einzelfall. Immer häufiger werden Feuerwehr- und Rettungsdienstkräfte mit Gewalt gegen sie und die Einsatzfahrzeuge konfrontiert. Die Feuerwehr der TUM Garching appelliert daher mit dem Hashtag #RespektfürRetter ein Zeichen gegen dieses Verhalten zu setzen.

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