„Unnötig und nicht transparent“

Gastronomie-Schließungen ab 2. November: Claudia Maisberger hat die Schnauze voll

Claudia Maisberger und Belegschaft im Gasthof
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Claudia und Elke Maisberger müssen die 35 Mitarbeiter, unter anderem Michaela Lintner und Sabrina Grimus, durch die Krise boxen.

Claudia Maisberger ist sauer. Kaum hat sich ihr Familienbetrieb vom ersten Lockdown minimal erholt, folgt eine erneute Schließung des Gasthof Maisbergers.

“Unverschämt und nicht transparent“ findet sie den Regierungsbeschluss, laut dem ab 2. November alle Gastronomien schließen müssen. „Wir haben eine doppelte Belastung. Im Hotel sind es weniger Gäste, da weder die großen Messen statt gefunden haben, noch die Wiesn. Durch unsere Gastronomie konnten wir das finanziell ausgleichen- jetzt fällt das wieder weg“, schimpft Claudia Maisberger. Sie steht im ständigen Austausch mit anderen Hotelbetreibern und Gastronomen, die die Situation noch viel härter trifft. Kredite können nicht abgezahlt werden und die Pacht zu tilgen fällt umso schwerer- das Existenzminimum ist so bei vielen bald erreicht. Maisberger betont, wie glücklich sie sich schätzen kann, dass das Gasthof-Grundstück im Familienbesitz ist. Damit entfallen zumindest diese Kosten für den Betrieb. Was aber trotzdem weiter läuft sind Strom-, Heizungs- und Wasser- Rechnungen, die trotz einer Schließung gezahlt werden müssen.

Gastronomie: Mitarbeiter trifft es am schlimmsten

Noch dazu kommen die Kosten für ihre Mitarbeiter, die von der derzeitigen Situation noch stärker betroffen sind. „Wahrscheinlich muss ich ab nächster Woche alle meine 35 Angestellten in Kurzarbeit schicken. Während des ersten Lockdowns konnten wir ihr Kurzarbeitergeld aus eigener Tasche aufstocken. Aber ich mache mir Sorgen, dass mir so auf Dauer trotzdem meine Mitarbeiter abspringen. Ich habe das auch so aus meiner Belegschaft mitbekommen. Das sich einige überlegen ganz aus der Gastro-Branche auszusteigen, weil es krisensicherer ist“, erklärt die Hotelfachfrau. Besonders bedauerlich findet sie das für ihre Azubine, die erst im September angefangen hat und jetzt von der schwierigen Situation betroffen ist. Schon beim ersten Lockdown habe sie schweren Herzens Zimmermädchen kündigen müssen; ihre restlichen Mitarbeiter möchte sie unbedingt halten.

Entäuscht und von der Regierung allein gelassen fühle sie sich, ständig mit der Frage, warum die Lobby für die Gastronomen und Hotelbetreiber nichts unternimmt. Ohne Gastro spiele sich ja kein Leben in den Städten und Gemeinden ab- dafür gäbe es keine Wertschätzung. Und der Bonus, den es für die Betreiber als Ausgleichzahlung für den vergangenen Lockdown gab, wäre ein Witz gewesen. Unnötig sei die Schließung laut Claudia Maisberger auch viel mehr deswegen, weil gerade im Gastro-Bereich so penibel auf Hygiene geachtet wird. „Unsere Hotel-Gäste haben sich alle an die Regeln gehalten. Wir haben beim letzten Lockdown kostenaufwändige Umbauarbeiten unternommen, damit alles mit dem Hygiene-Konzept konform ist. Und trotzdem müssen wir als Gastronomen es ausbaden. Und das, obwohl sich bis jetzt nur ein geringer Prozentsatz in einer Wirtschaft oder dem Hotel angesteckt hat. Es geht langsam zu weit!“, ärgert sich die Hotelfachfrau.

„To-Go“ Varianten sind nicht immer möglich

Die Möglichkeit, dass Gasthof-Essen in einer „To-Go“ Variante anzubieten, wird derzeit von Familie Maisberger überdacht. So haben sie das bereits während des ersten Lockdowns gemacht- wirtschaftlich rentabel sei es aber nicht gewesen. „Die Bayerische Küche eignet sich recht schlecht für den Lieferservice. Und überhaupt muss ich dann einige Mitarbeiter voll beschäftigen und für die wenigen Bestellungen lohnt sich das nicht“, gibt Maisberger zu verstehen. Schon seit dem Anstieg der Corona-Zahlen seien die Leute vorsichtiger geworden, die Besucherzahlen sind schon in den vergangenen Wochen deutlich zurück gegangen.

Sie sorgt sich aber nicht nur um die finanzielle Situation, sondern auch um ihre Besucher. Viele ihrer Stammgäste seien Rentner, die den Gasthof-Besuch als Weg aus der Einsamkeit sehen. In geselligen Stammtischen können sie sich im Gasthof regelmäßig austauschen- das fällt jetzt wieder weg. Die Ungewissheit plagt Claudia Maisberger aber am meisten: „Wir haben ohnehin kaum Buchungen für Weihnachtsfeiern bekommen. Die wenigen, die wir hatten, wurden jetzt größtenteils storniert. Wir hoffen, wenigstens an Weihnachten öffnen zu können, damit wir unseren Gästen schöne Feiertage ermöglichen können.“

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