News-Ticker

Afghanistan-Abzug: Letzter US-Soldat verlässt Kabul – Taliban feiern mit makaberem Schauspiel

Die letzten US-Soldaten haben Afghanistan am Montag verlassen. Die 20-jährige Militärmission der USA ist damit beendet. Die Taliban feiern. Der News-Ticker.

  • Am Montag verließ der letzte US-Soldat den Flughafen in Kabul und damit Afghanistan*.
  • Nach der 20-jährigen Militärmission der USA kündigte Außenminister Blinken den Start einer „neuen diplomatischen Mission“ an.
  • Die Taliban feiern den US-Truppenabzug offenbar mit einem makaberen Schauspiel (siehe Update vom 31. August, 20.55 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 31. August, 20.55 Uhr: Die Taliban feiern den endgültigen Abzug der US-Streitkräfte offenbar mit einem makaber anmutenden Schauspiel. In Chost haben sie eine Scheinbeisetzung veranstaltet, wie ntv unter Berufung auf lokale Fernsehaufnahmen berichtet. Durch die Straßen der Stadt im Osten Afghanistans werden demnach Särge getragen. Auf diese wurden Fahnen der USA und anderer Nato-Staaten gelegt.

Auch in Kabul wurde gefeiert: Genau eine Minute vor Mitternacht hob am Montagabend die letzte US-Militärmaschine am Flughafen von Kabul ab - wenig später feierten die Taliban auf der Landebahn ihren Triumph. „Glückwunsch an Afghanistan, dieser Sieg gehört uns allen“, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid auf der Landebahn des Flughafens. Die Taliban-Spezialeinheit „Badri 313“ marschierte demonstrativ auf.

Update vom 31. August, 11.30 Uhr: Die USA haben Afghanistan verlassen. Im Pandschir-Tal formiert sich seit der Machtübernahme* der militant-islamistischen Taliban derweil Widerstand. Nach Angaben von Widerstandskämpfern sollen die Taliban nun versucht haben, in die afghanische Provinz vorzudringen. Diese ist die einzige von 34 Provinzen des Landes, die noch nicht unter Kontrolle der Islamisten steht. Taliban-Kämpfer hätten am Montagabend (Ortszeit) am Eingang zum Pandschir-Tal angegriffen, sagte der Sprecher der Nationalen Widerstandsfront, Fahim Daschti, in einer am Dienstag auf Whatsapp geteilten Videonachricht. Die Taliban äußerten sich noch nicht zu dem Vorfall.

Die Islamisten hätten sieben oder acht Kämpfer verloren, die gleiche Zahl sei verletzt worden, sagte Daschti weiter. Auch mehrere Widerstandskämpfer seien verwundet worden. Zuletzt hatte es von beiden Seiten geheißen, man wolle die offene Machtfrage durch Verhandlungen lösen. Gleichzeitig bauen prominente Afghanen aus dem Tal einen Widerstand gegen die Islamisten auf.

Afghanistan-Abzug: Letzter US-Soldat verlässt Kabul – „Diplomatische Mission hat begonnen“

Erstmeldung vom 31. August, 8 Uhr:

Kabul - Am Ende ziehen sich 20 Jahre zu wenigen Minuten zusammen. Kurz vor Mitternacht hat der letzte US-Soldat den Flughafen Kabul verlassen. Wenig später übernehmen die militant-islamistischen Taliban das Gelände, feuern Freudenschüsse in die Luft. Der Afghanistan-Einsatz der Vereinigten Staaten – der längste Krieg ihrer Geschichte – ist beendet. Was als Reaktion auf 9/11 begann, dauerte zwei Jahrzehnte. 2400 US-Soldatinnen und Soldaten und geschätzte 50.000 Afghaninnen und Afghanen kamen dabei ums Leben. Der Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan endete in einem Debakel.

Die vergangenen Wochen waren nach der Machtübernahme der Taliban von Chaos geprägt. Immer wieder spielten sich am Flughafen von Kabul dramatische Szenen ab: Tausende Menschen versuchten mit einem der rettenden Flieger außer Landes zu gelangen. Mehrfach kam es zu Anschlägen und Explosionen in der afghanischen Hauptstadt. Am späten Montagabend (Ortszeit) beendeten die USA nun ihren Militäreinsatz.

Truppenabzug aus Afghanistan: Letzter US-Soldat verlässt Flughafen von Kabul

Um eine Minute vor Mitternacht Kabuler Zeit am späten Montag (30. August) hob das letzte US-Militärflugzeug vom Typ C-17 vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt ab. Die Amerikaner hatten zuvor dazu geschwiegen, wie genau der sicherheitstechnisch heikle Rückzug ihrer allerletzten Soldaten ablaufen würde. Die Sicherheitslage war bis zum Schluss prekär: Kurz vor dem Abzug hatte der afghanische Ableger der Terrormiliz IS Raketen auf den Kabuler Flughafen abgefeuert.

Erst nachdem die letzte Maschine des US-Militärs den afghanischen Luftraum verlassen hatte, veröffentlichte das Pentagon ein Bild des „letzten amerikanischen Soldaten“, der Afghanistan verlässt. Auf dem Foto, das mit einem Nachtsichtgerät aufgenommen wurde, ist zu sehen, wie Generalmajor Chris Donahue das letzte US-Militärflugzeug besteigt.

Generalmajor Chris Donahue hat als letzter US-Soldat den Flughafen von Kabul und damit Afghanistan verlassen.

US-Truppenabzug aus Afghanistan: „Haben nicht alle rausgeholt, die wir rausholen wollten“

In Washington verkündete überraschenderweise nicht Präsident Joe Biden* das Ende der Afghanistan-Mission, sondern General Kenneth McKenzie. In einer knappen Videoschalte mit Journalisten im Pentagon erklärte er am Montagnachmittag (Ortszeit): „Ich bin hier, um die Vollendung unseres Abzugs aus Afghanistan zu verkünden.“ Damit ist der verlustreiche Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten in Afghanistan nach fast 20 Jahren beendet.

McKenzie betonte, dass nun kein einziger US-Soldat mehr in Afghanistan sei. Er räumte aber ein, es sei nicht gelungen, alle Menschen, die man in Sicherheit habe bringen wollen, auszufliegen. „Wir haben nicht alle rausgeholt, die wir rausholen wollten.“ Man habe bis zum letzten Moment die Möglichkeit gehabt, weitere US-Bürger zu evakuieren. Aber einige hätten es nicht zum Flughafen geschafft. Nach Einschätzung des US-Außenministeriums sind noch zwischen 100 und 200 Amerikaner in Afghanistan, die das Land verlassen wollen.

US-Abzug aus Afghanistan: Biden gibt Versprechen an alle Ausreisewilligen

Biden äußerte sich zunächst nur in einer schriftlichen Stellungnahme, in der er seine umstrittene Abzugsentscheidung erneut verteidigte. Erst für diesen Dienstag (31. August) kündigte der Präsident eine Ansprache an die Nation an. Er hatte allen ausreisewilligen US-Bürgern versprochen, sie aus Afghanistan herauszuholen.

Biden und sein Außenminister Antony Blinken versicherten nach dem Abschluss des Truppenabzugs, die US-Regierung werde weiter alles daran setzen, zurückgebliebene Amerikaner, aber auch andere Ausländer und schutzbedürftige Afghanen* aus dem Land zu holen – nun eben mit diplomatischen statt mit militärischen Mitteln.

Nach Abzug der US-Truppen: „Diplomatische Mission hat begonnen“ – Taliban jubeln

„Die Militärmission ist beendet. Ein neue diplomatische Mission hat begonnen“, erklärte Blinken. Diese wird jedoch aus der Ferne zu steuern sein. Denn mit dem Abzug der US-Truppen gaben die Amerikaner auch ihre diplomatische Präsenz in Afghanistan auf. An Bord der letzten Militärmaschine war Ross Wilson, der bisherige US-Botschafter in Afghanistan. Blinken sagte, die USA hätten ihre diplomatischen Aktivitäten nun in Katars Hauptstadt Doha verlegt.

In den USA selbst hagelt es für die Biden-Regierung Kritik. „Dies ist ein moralisches Desaster, eines, das nicht zurückzuführen ist auf das Handeln des militärischen und diplomatischen Personals in Kabul - das sich angesichts der tödlichen Gefahren mutig und professionell verhalten hat -, sondern auf strategische und taktische Fehler Bidens und seiner Regierung“, schreibt beispielsweise die renommierte US-Zeitung Washington Post zum Ende des US-Abzugs aus Afghanistan. Empört reagierte auch die Republikanische Partei. Dass US-Bürgerinnen und -Bürger in dem Land zurückblieben, empfinden diese als Schmach. Die republikanische Abgeordnete Liz Cheney teilte mit: „So beendet man keinen Krieg. So verliert man ihn.“

Die Taliban reagierten mit Jubel auf den Abzug der Amerikaner. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid schrieb auf Twitter, das Land habe jetzt völlige Unabhängigkeit erreicht. Das hochrangige Taliban-Mitglied Anas Hakkani twitterte: „Wir schreiben wieder Geschichte. Die 20-jährige Besetzung Afghanistans durch die USA und die Nato endete heute Abend. Gott ist groß.“ Bei einer Rede am Flughafen in Kabul am Dienstag (31. August) sagte Mudschaid: „Wir wollen gute Beziehungen zu den USA und der ganzen Welt haben. Wir begrüßen gute diplomatische Beziehungen mit allen.“ (ph/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Hamedullah/dpa

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