Mutter entsetzt

Irritierender Fernseh-Auftritt von Roman Protassewitsch: Häftling offenbar massiv unter Druck gesetzt

Erneut äußerte sich der inhaftierte Blogger Roman Protassewitsch öffentlich - und wieder gibt es erhebliche Zweifel an seinen Aussagen. Journalisten verließen zum Teil den Saal.

Minsk - „Ich fühle mich wunderbar“, sagt Roman Protassewitsch* auf der Pressekonferenz in Minsk, „ich habe keine Beschwerden.“ Der inhaftierte Blogger und Aktivist war am vergangenen Montag (14. Juni) erneut im Staatsfernsehen zu sehen –und betonte dabei auffällig oft, dass es ihm gut gehe.

Protassewitsch sitzt nun seit mehr als drei Wochen in Haft. Als Überraschungsgast wurde er bei der Pressekonferenz im Außenministerium der Öffentlichkeit präsentiert. Die Behörde hatte zuvor angekündigt, ein Presse-Briefing geben zu wollen, in dem es insbesondere um die Minsker Sicht auf den zur Landung gezwungenen Ryanair-Flug gehen sollte.

Roman Protassewitsch spricht auf Pressekonferenz: Erhebliche Zweifel an offiziellem Statement

Daran, dass es dem Inhaftierten tatsächlich „wunderbar“ gehe, gibt es schon kurz nach dem Statement allerdings erhebliche Zweifel. Der 26-Jährige wirkte bei dem Auftritt nervös, schrieb unter anderem der Spiegel. Offenbar sei er massiv unter Druck gesetzt worden.

Der belarussische Dissident und Journalist Roman Protassewitsch (li.) auf der Pressekonferenz im Nationalen Pressezentrum des Außenministeriums.

Auch die Mutter von Roman Protassewitsch, die kürzlich sogar Hilfe bei Kanzlerin Angela Merkel suchte*, zeigte sich nach dem Auftritt ihres Sohns erschrocken. Das Statement sei erzwungen gewesen, gab sie laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur an. Ihr Sohn stehe unter starkem emotionalen und psychischen Druck, so Natalia Protassewitsch. „Er setzt eine Maske auf, um sich und seiner Freundin das Leben zu retten.“

Belarus: Mutter von Roman Protassewitsch über Auftritt entsetzt

Im Gegensatz zu zwei zuvor veröffentlichten Videoaufnahmen* habe seine zwar dieses Mal in seinem Gesicht keine Spuren von Gewaltanwendung entdecken können. „Aber er wirkte niedergeschlagen, zwinkerte nervös. Es ist klar, dass man ihm sehr stark droht“, erklärte die 46-Jährige, die mit ihrem Mann im Exil in Polen lebt.

„Mam, Pap, sorgt Euch nicht. Mit mir ist alles völlig in Ordnung“, sagte der 26-Jährige auf der Pressekonferenz in Richtung seiner Eltern. Die Mutter schenkt dieser Aussage keinen Glauben.

Roman Protassewitsch auf Pressekonferenz: Journalisten verlassen den Saal

Auch die bei der Pressekonferenz in Minsk anwesenden Journalisten reagierten auf Protassewitschs überraschenden Auftritt irritiert. Wie der Spiegel berichtet, stellten nur einige Medien Fragen an den Inhaftierten. Reporter der BBC dagegen verließen aus Protest den Saal. (nema mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ramil Nasibulin/dpa

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