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Johnsons Gartenparty-Skandal im Lockdown: Premier entschuldigt sich beim britischen Königshaus

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Boris Johnson macht seit Wochen Schlagzeilen. Nun hat er sich öffentlich für eine Gartenparty entschuldigt. Doch reicht das? Er steht heftig unter Druck.

Update vom 14. Januar, 14:20 Uhr: Nachdem der britische Premierminister für die in der Downing Street veranstalteten Lockdown-Partys nicht nur von der Öffentlichkeit, sondern auch von seinem Parlament heftigst kritisiert wurde, kommt nun noch ein brisantes Detail hinzu. Denn eine der Partys im Amtssitz des Premiers wurde am 16. April 2021 gefeiert. Der Abend vor der Beisetzung des kurz zuvor verstorbenen Prinz Philip, dem Mann von Queen Elizabeth. Zu dieser Zeit befand sich das ganze Land eigentlich in Staatstrauer.

Heute entschuldigte sich die britische Regierung beim Königshaus: „Es ist zutiefst bedauerlich, dass dies in einer Zeit der nationalen Trauer geschehen ist“, so ein Sprecher von Boris Johnson am Freitag in London. Man übernehme die volle Verantwortung, „für die Dinge, die wir nicht richtig gemacht haben“.

Party statt Staatstrauer: Johnson weiterhin unter Beschuss

Erstmeldung vom 13. Januar:
London - Der britische Premierminister Boris Johnson hat den Besuch einer Gartenparty am Regierungssitz in der Downing Street während des ersten Corona-Lockdowns im Mai 2020 zugegeben und sich für sein Fehlverhalten entschuldigt. Vor Abgeordneten im britischen Parlament in London gab Johnson am Mittwoch (12. Januar) an, damals von einem Arbeitstreffen gemäß der geltenden Pandemie-Regeln ausgegangen zu sein. Die Labour-Opposition bezichtigte den Premier, ein Lügner zu sein, und forderte seinen Rücktritt.

Johnson entschuldigte sich „von Herzen“ und sagte, er übernehme die Verantwortung für die „Fehler“, die gemacht wurden. Er räumte ein, dass er sich nicht darüber im Klaren war, wie das Ereignis auf die Millionen von Briten wirken würde, die während des Corona-Lockdowns „außergewöhnliche Opfer“ gebracht und sogar den Abschied von sterbenden Angehörigen verpasst hätten.

Hitze Fragestunde in England: Johnson entschuldigt sich

„Ich möchte mich bei ihnen und bei diesem Haus aufrichtig entschuldigen“, sagte Johnson in einer hitzigen Fragestunde im Unterhaus. Die Rücktrittsforderungen der Opposition wies er jedoch zurück. „Im Nachhinein betrachtet hätte ich alle zurück ins Haus schicken sollen. Ich hätte einen anderen Weg finden sollen, um ihnen (seinen Mitarbeitern) zu danken“, sagte Johnson weiter. Er selbst sei etwa 25 Minuten lang anwesend gewesen.

„Seine Verteidigung, er habe nicht gewusst, dass er auf einer Party war, ist so lächerlich, dass es eine Beleidigung für die britische Öffentlichkeit ist“, sagte Oppositionsführer Keir Starmer, Chef der Labour-Partei, im Parlament. Er warf Johnson vor, „wie gedruckt zu lügen“ und wies die Entschuldigung als „wertlos“ zurück. „Der Premierminister ist ein Mann ohne Schamgefühl“, sagte Starmer.

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien
Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien © Jack Hill/dpa

Johnsons Rücktritt? Auch Vertreter in seiner eigenen Partei wollen das

Auch einige Vertreter in Johnsons eigener konservativer Partei wollen, dass der Premier zurücktritt. Johnson verwies jedoch darauf, die Ergebnisse einer internen Untersuchung abzuwarten. „Wenn der Premierminister wissentlich an einer Party teilgenommen hat, weiß ich nicht, wie er überleben kann, nachdem er Rücktritte für weit weniger akzeptiert hat“, sagte der konservative Abgeordnete Nigel Mills der BBC.

„Wir wissen nun, dass der Premierminister 25 Minuten bei etwas verbracht hat, das eindeutig eine Party war. Das bedeutet, dass er das Parlament getäuscht hat“, sagte wiederum der Tory-Parlamentarier Roger Gale am Mittwoch der BBC. Johnson sei nun ein „dead man walking“, ein Premier auf Abruf. Nur wenige Tories unterstützten den Premier öffentlich.

Die Enthüllungen über zwei Gartenpartys - innerhalb von fünf Tagen im Mai 2020 am Regierungssitz in der Downing Street mit dutzenden Gästen - hatte Johnsons Regierung in den vergangenen Tagen heftig unter Druck gesetzt. Damals befand sich das Land im strikten Corona*-Lockdown und selbst Treffen von mehr als zwei Menschen im Freien waren verboten. Tausende starben auf den Intensivstationen des Landes. Vertreter von Corona-Opfern hatten Johnson aufgefordert, „das Richtige zu tun“ und sein Schweigen zu brechen.

Premier Johnson bei Party - Londoner Polizei prüft mögliche Lockdown-Verstöße

Medienberichten zufolge erhielten bei der zweiten Party am 20. Mai 2020 mehr als hundert Gäste eine Einladung, darunter auch der Premierminister und seine heutige Frau Carrie. Rund 40 Regierungsmitarbeiter folgten demnach der Einladung des hohen Regierungsbeamten Martin Reynolds, „nach einer unglaublich arbeitsreichen Zeit das schöne Wetter zu nutzen und heute Abend im Garten von Nummer 10 mit Abstand ein paar Drinks zu sich zu nehmen“. Die Gäste waren aufgefordert, „ihren eigenen Alkohol mitzubringen“. Auf diese Feier bezog Johnson seine Entschuldigung.

Von der ersten Party am 15. Mai gelangte ein Foto an die Öffentlichkeit, auf dem Johnson zusammen mit Carrie und etwa 20 Mitarbeitern im Garten der Downing Street bei Wein und Käse zu sehen ist. Die Londoner Polizei hatte am Dienstag erklärt, sie prüfe mögliche Verstöße gegen die Lockdown-Vorschriften am Regierungssitz.

Johnsons Regierung war bereits mehrfach wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die selbst verordneten Corona-Regeln in der Öffentlichkeit und auch in den eigenen Reihen scharf in die Kritik geraten. Unter anderem ging es um Weihnachtsfeiern im Dezember 2020, als sich das Land im Lockdown befand. Auch im „Wallpapergate“ steht Johnson unter Beschuss. (AFP/dpa/cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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