Kontroverse um Preisgestaltung

Bundeswehr bekommt neues Sturmgewehr: Diskussion um die Firmenzugehörigkeit - Erste Details bekannt

Soldaten der Bundeswehr mit dem alten Sturmgewehr von Heckler & Koch.
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Soldaten der Bundeswehr mit dem alten Sturmgewehr von Heckler & Koch.

Das Sturmgewehr der Bundeswehr soll ausgetauscht werden, ein thüringischer Hersteller soll das übernehmen. Doch es gibt erste Diskussionen um die Firmenzugehörigkeit.

  • Das neue Sturmgewehr der Bundeswehr wird wohl der Waffenhersteller Haenel fertigen.
  • Heckler & Koch, jahrzehntelang Hersteller des Sturmgewehrs der Bundeswehr, kritisierte das Verteidigungsministerium.
  • Um Haenel gibt es bereits erste Diskussionen - der Konzern gehört zu einem staatlichen arabischen Rüstungskonzern.

Berlin - Nach einem jahrelangen Auswahlverfahren steht die künftige Bewaffnung der deutschen Soldaten praktisch fest. Die Thüringer Waffenschmiede C.G. Haenel - Neugründung einer Suhler Traditionsfabrik und als kleinerer Außenseiter in das Rennen gestartet - soll das neue Sturmgewehr* liefern. Nach dem dazu im Jahr 2017 begonnen Bieterverfahren informierten die Spitzen des Verteidigungsministeriums am Montag Fachpolitiker aus den Reihen der großen Koalition über das Ergebnis von Tests und Prüfserien, die unter Führung des Beschaffungsamtes (BAAINBw) liefen.

Heckler & Koch ist Hersteller des aktuellen Sturmgewehrs G36. Und um das hatte es in den zurückliegenden Jahren einigen Wirbel gegeben, der sich um die Treffgenauigkeit unter Extrembedingungen drehte - dem hochintensiven Feuerkampf mit langen Schussfolgen oder auch bei klimatischen Spitzen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen verkündete 2015, „dass das G36, so wie es heute konstruiert ist, keine Zukunft in der Bundeswehr hat“. Da hatten sich Hersteller und Ministerium schon einige Blessuren geschlagen.

Neues Sturmgewehr für die Bundeswehr: Heckler & Koch kritisierte Verteidigungsministerium

Und die Nerven lagen auch im Bieterverfahren offen. So hatte Heckler & Koch im vergangenen Jahr in einem als ungewöhnlich empfundenen Schritt mitten im laufenden Vergabeprozess das Ministerium kritisiert und in einem Schreiben an die damalige Verteidigungsministerin von der Leyen eine Festlegung auf ein größeres Kaliber gefordert. Bemängelt wurde dabei auch, es gebe keine faire und sachkundige Auswahl für das G36-Nachfolgemodell.

Das Zusammenspiel von Gewicht, Lauflänge, Munition und Treffleistung ist bei Waffen technisch komplex. Das Kaliber der Munition bedingt Durchschlagskraft, aber begrenzt auch, wie viel Schuss am Mann mitgeführt werden können - des Gewichts wegen.

Neues Sturmgewehr: Hersteller Haenel von arabischem Geld abhängig?

Nur ist in der Ausschreibung kein Kaliber der Waffe festgelegt, allerdings ein Gewicht. Die Bundeswehr forderte in der Ausschreibung zudem ein Gewehr, das für alle Klimazonen geeignet ist. Von der Feuerkraft her muss es den Feind vorübergehend niederhalten können, also in die Deckung zwingen. In einer solchen Situation darf die Präzision schon mal hinter die Feuerkraft zurücktreten. Das Ziel muss aber bald darauf wieder mit hoher Wahrscheinlichkeit getroffen werden. Das ist eine Voraussetzung, um Unbeteiligte und Zivilisten nicht unbeabsichtigt zu treffen.

Haenel wird wohl das neue Sturmgewehr der Bundeswehr herstellen.

Nun der Paukenschlag: Die Waffe von Haenel hat sich - so hieß es am Montag - in den Tests als technisch etwas besser erwiesen, ist zugleich auch im Angebot „wirtschaftlicher“. Haenel liefert der Bundeswehr bereits ein Scharfschützengewehr. Das Unternehmen gehört zur Merkel Gruppe, die Teil der Tawazun Holding (Vereinigte Arabische Emirate) ist. Dass das heutige Unternehmen von arabischem Geld abhängig sein könnte, hat offenkundig nicht gestört.

Alleingesellschafter von Haenel ist die Merkel Jagd- und Sportwaffen GmbH, die zur staatlichen EDIC-Gruppe (Emirates Defence Industries Company) aus Abu Dhabi gehört. Ende 2019 ist die im staatlichen Rüstungskonzern EDGE aufgegangen, dazu gehört, wie die Welt berichtet, unter anderem auch der Pistolen- und Gewehrhersteller Caracal. Ein Insider, der anonym bleiben wollte, sagte gegenüber der Welt: „Womöglich wurde mit staatlicher Unterstützung aus den Emiraten ein unschlagbarer Preis geboten.“

Neues Sturmgewehr für die Bundeswehr: Nackenschlag für Heckler & Koch

Ein dritter Bieter - Sig Sauer - hatte sich noch aus der laufenden Ausschreibung zurückgezogen. Sig Sauer beklagte dabei eine Ungleichbehandlung und machte dies auch am beschränkten Zugang zu Testmunition fest, über die Heckler & Koch wegen anderer Lieferbeziehungen verfüge und daraus Vorteil ziehen könne.

Der Montag war nun ein bitterer Tag für Heckler & Koch. Das Unternehmen hat 1959 seine ersten Sturmgewehre an die Bundeswehr geliefert, das damalige G3. Zehn Jahre zuvor war es von ehemaligen Ingenieuren der Mauser-Werke gegründet worden. In den 90er Jahren erhielt H&K den Zuschlag für das Nachfolgegewehr des G3, das G36. Mit Maschinengewehren, Granatwerfern und modernisierten G36-Gewehren wird die Firma zwar auch künftig Geschäft machen mit der Bundeswehr, ausgerechnet in der Paradedisziplin der Oberndorfer, dem Sturmgewehr, kommt H&K bei dem neuen Modell nun aber wohl nicht mehr zum Zug. (dpa/fmü) *Merkur.de und echo24.de gehören zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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