Mit Kugelschreiber und Papier

„Die Analyse ist so bitter“: Spiegel-Bericht legt nächstes Impf-Versagen in Deutschland offen

Bundeswehrsoldaten stehen in einem Corona-Impfzentrum im ehemaligen Flughafen Tegel in Berlin.
+
Ein Impfzentrum in Berlin: Die Räume wären da, helfende Bundeswehrsoldaten auch - aber eine Software fehlt noch.

Spezielle Software könnte dafür sorgen, dass Corona-Impfdosen schneller und zielgenauer bereitstehen - und keine Impftermine mehr abgesagt oder verschoben werden müssen.

  • Corona-Impfung in Deutschland: Wie viele Dosen, wann und wohin?
  • Diese Fragen könnte eine Software beantworten, die mehrere Firmen entwickeln.
  • Einem Spiegel-Bericht zufolge könnte das auch Biontech - erprobt werden soll sie zunächst in Bayern.

Berlin - „Die größte Impfkampagne der Geschichte wird bislang teils mit Excel-Tabellen, Kugelschreiber und Papier gesteuert“, alarmiert der Spiegel in einem aktuellen Bericht. Es fehle in Deutschland* eine umfassende Software für die bundesweite Verteilung der Corona*-Impfstoffe.

Wie und wo genau die Informationen der Bundesländer zusammenlaufen sollen, sei im Krisenplan nur „sehr vage“ festgehalten worden: „Niemand ist derzeit in der Lage, die Lieferung vom Hersteller über die Verteilzentren bis in jedes der über 400 Impfzentren vor Ort zu überblicken“, heißt es.

Dabei böten nach Informationen des Nachrichtenmagazins mehrere Firmen wie Siemens, SAP oder auch Salesforce fertige „Impfmanagement-Lösungen“ an, teils gestützt durch Künstliche Intelligenz (KI), welche „dynamisch auf epidemiologische Bedingungen reagiere“.

Impf-Chaos durch Software mindern? Biontech im Gespräch mit Spahn-Ministerium

Wie der Spiegel aber auch berichtet, entwickelt das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech gerade auch so eine Software. Sie werde zunächst als Pilotprojekt gemeinsam mit dem Land Bayern erprobt und sei bereits weitgehend fertig. Das System soll nicht nur die Biontech-Lieferungen umfassen, sondern alle zugelassenen Vakzine. Es soll steuern, wie viele Dosen in welches Impfzentrum geliefert werden, wann und wo Nachlieferungen erforderlich sind und wie trotz knapper Dosen möglichst viele Menschen geimpft werden können.

Auch die in den Impfzentren benötigte Zahl von Mitarbeitern ließe sich berechnen. Diese Planungssicherheit könne unter anderem verhindern, dass Impftermine ausfallen und kurzfristig hunderttausende Impfdosen zusätzlich verfügbar machen, weil die Dosen für die zweite Impfung nicht mehr zurückgehalten werden müssten.

Nach Spiegel-Informationen ist das Bundesgesundheitsministerium* mit Biontech im Gespräch. Die Zeit dränge, weil bald etliche Millionen Dosen pro Woche erwartet würden und die Organisation damit deutlich komplexer werde.

Corona-Impfung in Deutschland: Lauterbach nennt Organisation „schlecht“

„Wir müssen dringend professioneller werden und brauchen eine Impflogistik, mit der wir zuverlässig mehr und schneller impfen können“, sagte SPD*-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dem Spiegel. Dass die Impflogistik „schlecht organisiert“ und „intransparent“ sei, wundere ihn. „Ich dachte sogar, das können wir besonders gut.“

Jedes Schraubenunternehmen könne jederzeit nachvollziehen, wo sich seine Produkte befinden und sie "just in time" liefern, sagte Lauterbach. Etwas Vergleichbares brauche es auch für das Impfmanagement. Zumal wegen der Mutanten* jetzt schon klar sei, "dass wir noch in diesem Jahr eine weitere Booster-Impfrunde brauchen."

„Die Analyse ist so offenkundig wie bitter. Sobald Technologie im Spiel ist, funktioniert im Hochtechnologieland Deutschland wenig: von der Corona-Warn-App bis zur Impfterminvergabe“, lautet auch das vorläufige Fazit des Spiegel-Berichts. Denn: Die Zeit dränge. (frs mit Material der AFP) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Auch interessant:

Meistgelesen

CDU-Abgeordneter Pfeiffer verzichtet auf neue Kandidatur
CDU-Abgeordneter Pfeiffer verzichtet auf neue Kandidatur

Kommentare