Teuerster US-Wahlkampf der Geschichte

Donald Trumps „Geld-Bombe“: Ex-Präsident zockte Fans Millionen ab - Bericht über skrupellosen Trick

Wer für die US-Wahlen kandidieren will, braucht Geld. Donald Trump nutzte offenbar die Spendenbereitschaft seiner Anhänger:innen aus. Und tut das noch immer.

Washington, D.C. - Als „Muttermilch der Politik“ bezeichnete einmal der Demokrat Jesse Unruh die Rolle der Finanzen in den USA. Der US-Wahlkampf ist untrennbar mit dem Fluss des Geldes verbunden. Und dessen Quelle sollte bestenfalls kräftig sprudeln, um aussichtsreiche Chancen auf das höchste Amt der Vereinigten Staaten zu haben. Zwar ist das noch lange keine Garantie für den Einzug ins Weiße Haus - wie Hillary Clinton 2016 lernen musste - doch viele Wahlkampfspenden einzunehmen, kann einen entscheidenden Part spielen. Besonders im Endspurt.

Denn US-amerikanische Wahlkämpfe verfügen über eine zweite Währung: Emotionen. Dafür reisen die Kandidaten durch die Bundesstaaten, um vor ihrer Anhängerschaft zu sprechen - und Nähe herzustellen. Der Wahlkampf 2020 war jedoch geprägt durch die Corona-Pandemie. Während US-Präsident Joe Biden vermehrt auf den digitalen Wahlkampf setzte, hielt Donald Trump trotz der sich durch die Staaten fressenden Pandemie, an Auftritten vor Tausenden Anhänger:innen fest.

Ohne Geld, kein Wahlkampf, so ist offenbar die Rechnung. Und ohne Emotionen keine Wahlstimmen. Donald Trump vermochte im Verlauf der US-Wahl 2020 seinen Anhänger:innen beides zu entlocken: Emotionen - und Geld. Viel Geld. Auf was für Wegen das Trump-Team die loyale Basis sogar zu unwissentlichen Spenden brachte, enthüllte kürzlich die New York Times. Es ist ein perfide ausgeklügeltes System, das jedoch den bröckelnden Wahlkampf Donald Trumps bis zum 3. November zusammenhielt.

US-Wahlen 2020: Teuerste Wahlkampf der Vereinigten Staaten - 14,4 Milliarden US-Dollar

Die US-Wahlen 2020* waren die teuersten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Das unabhängige Center for Responsive Politics (CRP) beziffert die Ausgaben beider Parteien auf 14,4 Milliarden US-Dollar. Vier Jahre zuvor lagen die Kosten bei 6,5 Milliarden Dollar. Ein gewaltiger Unterschied. Am meisten Geld gab die Demokratische Partei aus - nicht nur bei der Präsidentschaftswahl, sondern auch bei dem entscheidenden Rennen um die Senatssitze in Georgia. „Bidens Kampagne war die erste, die über eine Milliarde US-Dollar von Spendern sammelte. Bidens Bargeldvorteil gegenüber Trump half ihm, Swing-States mit weitaus mehr Kampagnenanzeigen zu überziehen“, schreibt opensecrets.org.

Den immensen Einnahmen der Demokraten versuchte die Trump-Kampagne ab September 2020 etwas entgegenzusetzen, indem sie als Standard-Option wöchentlich wiederkehrende Zahlungen bei Online-Spenden einrichtete. Eine Person, die somit einmalig beispielsweise 1000 US-Dollar an den Wahlkampf Donald Trumps spenden wollte, geriet leicht in die Fänge wöchentlicher Zahlungen. Denn um diese zu umgehen, hätten die Online-Spender das Kleingedruckte durchlesen und einen Kontrollhaken manuell deaktivieren müssten - was viele übersahen. Die New York Times führt zahlreiche Fälle auf, in denen Betroffene verwundert auf ihre Bankauszüge starrten, weil alle sieben Tage Summen für die Trump-Kampagne abgebucht wurden.

Donald Trumps Kampagne setzte bei Wahlspenden auf undurchsichtige, aber legale Methoden

Je näher der Stichtag des 3. Novembers rückte, umso undurchsichtiger wurde der Haftungsausschluss, wie die Zeitung offenlegte. Schließlich wurde noch eine zweite, bereits ausgewählte Box eingeführt, die „money bomb“. Sie verdoppelte den Spendenbetrag nochmals. Banken und Geldinstitute seien übersät worden von Betrugsbeschwerden seitens der Trump-Anhänger:innen. „Er konnte dann zig Millionen Dollar, die er nach der Wahl gesammelt hatte, unter dem Deckmantel der Bekämpfung seiner unbegründeten Betrugsansprüche verwenden, um die von ihm geschuldeten Rückerstattungen zu decken“, schreibt die Zeitung. Weil viele Spender:innen ihre Geldbeträge zurückforderten, erstattete die Kampagne das Geld. Und zwar bis Ende 2020 mehr als 530.000 Mal - in einem Gesambetrag in der Höhe von 64,3 Millionen US-Dollar.

„In der Tat kam das Geld, das Herr Trump* schließlich zurückzahlen musste, einem zinslosen Darlehen von unwissenden Unterstützern zum wichtigsten Zeitpunkt des Rennens 2020 gleich“, schreibt die New York Times. Zu der Wahlkampfpraxis des Trump Teams sagte Ira Rheingold, Geschäftsführerin des National Association of Consumer Advocates: „Es ist unfair, unethisch und unangemessen.“ Auch nach Trumps Niederlage gegen Joe Biden setzte die Kampagne die wöchentlichen Abbuchungen bis zum 14. Dezember fort, für das neue politische Aktionskomitee „Save America“.

„Save America“: Donald Trumps persönliches Komitee verfügt über viel Geld - und damit Macht

Donald Trump gilt weiterhin als mächtigster Republikaner. Wenn auch ohne Amt. Der sogenannte Trumpismus, sein populistischer Politikstil, hat sich wie ein Widerhaken in der Partei verankert. Und noch immer kann der ehemalige US-Präsident auf eine treue Basis blicken. Doch offenbar will Trump mehr als das. Mit „Save America“ sammelt er Spenden - direkt an ihn und nicht an die Republikanische Partei. Der Seite opensecrets.org zufolge verfügte sein Komitee bereits Ende 2020 über mehr als 30 Millionen US-Dollar. Geld, das laut der New York Times überwiegend nach der verlorenen Wahl eingesammelt wurde, um die Prozesskosten Trumps gegen einen - nicht stattgefundenen - Wahlbetrug zu decken.

Nach der Stürmung des US-Kapitols am 6. Januar* wandten sich einige Spender von Trump und weiteren Republikaner:innen ab. Der unabhängige Journalist Judd Legum kontaktierte unter anderem 144 Unternehmen mit der Frage, ob sie planten, weiterhin die Kongressmitglieder finanziell zu unterstützen, die gegen die Zertifizierung des Wahlergebnisses seitens des Wahlleutegremiums stimmten. Mehrere Unternehmen teilten ihm mit, dass sie von weiteren Spenden absehen würden, darunter Walmart, Amazon und Disney.

Das berichtete Judd Legum in seinem Newsletter Popular Information. Für Donald Trump ist „Save America“ daher nach dem Wegfall vieler Spenden auch die Möglichkeit, ihm genehme Republikaner:innen finanziell zu unterstützen. Außerdem eine persönliche Schatztruhe. Und: die „Muttermilch der Politik“ zu seiner freien Verfügung. (aka) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © John Raoux/dpa

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