„Jeder dachte, Deutschland ...“

Corona-Wahlkampf: Trump greift Merkel an - US-Präsident eskaliert bei einem Auftritt

Donald Trump, Präsident der USA, wirft bei einer Wahlkampfveranstaltung auf dem Regionalflughafen Williamsport eine Kappe zu seinen Anhängern.
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US-Wahl 2020: Donald Trump, Präsident der USA, im Wahlkampf-Endspurt in Pennsylvania.

US-Präsident Donald Trump hat kurz vor der US-Wahl Europas Umgang mit dem Coronavirus infrage gestellt. Den Lockdown in Deutschland hält er für nutzlos.

Newton - Deutschland ist bisher verhältnismäßig gut durch die Corona-Krise* gekommen: Seit ihrem Beginn haben sich in Deutschland nachweislich 532.930 Menschen mit dem Virus infiziert und im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung sollen bislang 10.453 Menschen gestorben sein. Angesichts der rasant steigenden Fallzahlen - das RKI meldete am Sonntag über 14.000 Neu-Infizierte - sah sich die Bundesregierung am Mittwoch dazu gezwungen, wieder strengere Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie zu ergreifen.

In einem sogenannten „Lockdown Light“ müssen ab Montag (2. November) zwar unter anderem Restaurants, Bars und Fitnessstudios schließen, Schulen und Kindergärten sollen aber offen bleiben. Viele EU-Länder ziehen jetzt nach. Während in Frankreich und Spanien etwa strengere Kontaktbeschränkungen schon wieder etwas länger gelten, gaben nun auch Italien, Österreich und Großbritannien bekannt, in den kommenden Tagen einen Teil-Lockdown zu erlassen.

Vor allem in Deutschland hat sich der Lockdown im Frühjahr bewährt, sodass etwa der SPD-Politiker Karl Lauterbach schon länger für ein erneutes Herunterfahren des öffentlichen Lebens plädierte, um die Zahlen in den Griff zu bekommen und das exponentielle Wachstum der Infektionen zu stoppen.

Donald Trump übt Kritik an Europa: Corona-Maßnahmen und Lockdown nutzlos

In den USA geht der Wahlkampf* derweil in den Endspurt. Um im Amt zu bleiben, greift Donald Trump, der sich erst kürzlich selbst mit dem Coronavirus infiziert hatte, zu harten Mitteln. Ungeachtet der Corona-Krise* im eigenen Land, hat er jetzt kurz vor der Präsidentschaftswahl am Dienstag* die Wirksamkeit der Beschränkungen sowie Europas Umgang mit dem Virus ganz allgemein infrage gestellt - und dabei auch polemisch erneut gegen Deutschland ausgeteilt.

„Die explodierenden Fälle in Europa haben gezeigt, dass drakonische Lockdowns - das sind sie, drakonisch - das Virus nicht aufhalten“, sagte der Republikaner am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Newton im Bundesstaat Pennsylvania*. Italien sei im Lockdown gewesen - und jetzt fange alles wieder von vorne an.

Ohne die Quellen für seine Behauptungen zu nennen, meinte Trump zudem, die Übersterblichkeit in den USA sei deutlich niedriger als in Europa. Was er genau damit meint, bleibt unklar, denn die Übersterblichkeit gibt an, wie viele Menschen in einem gewissen Zeitraum mehr gestorben sind als zu einem vergleichbaren früheren Zeitraum.

Video: Trump verspricht: „Wir machen nie wieder einen Lockdown“

Donald Trump: „Jeder dachte, Deutschland geht es gut, gut, gut, gut“

„Und Europa hat einen guten Job gemacht, das ist ein sehr brutales Ding. Jeder dachte, Deutschland geht es gut, gut, gut, gut. Aber es geht denen nicht gut“, erklärte Trump weiter. „Man sieht gerade, was da drüben abgeht, Frankreich wieder, Spanien, Italien. Uns geht es gut. Wir bekommen nur keine Anerkennung dafür“, so der amtierende US-Präsident gegenüber seinen Fans in Newton.

Die aktuelle Ansprache reiht sich ein Schema ein, spielt Trump die Gefahren des Coronavirus doch bereits seit Monaten herunter. Auch nach seiner Infektion mit dem Virus wehrt er sich noch immer gegen strengere Präventionsmaßnahmen in den USA, während die medizinische Versorgung unter den Tausenden Infizierten ächzt.

Mit seinen rund 330 Millionen Einwohnern hat es die USA in der Corona-Krise hart getroffen*. Jeden Tag werden hier neue traurige Rekorde in Bezug auf Tote und Neu-Infizierte binnen 24 Stunden aufgestellt - so hat die Nation in der Pandemie nach Angaben der Johns Hopkins University bereits mehr als 230.000 Todesopfer zu beklagen. Zum Verhältnis: In der Europäischen Union leben derzeit rund 448 Millionen Menschen. Das europäische Bündnis Euromomo geht derzeit von rund 223.000 in Verbindung mit dem Coronavirus verstorbenen Menschen in allen EU-Ländern aus, die ihm Daten zuliefern. (cos) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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