Grenze zu Mexiko

Minderjährige werden in Lagern einquartiert: Führt Joe Biden Trumps umstrittenen Umgang mit Geflüchteten fort?

Joe Biden, Präsident der USA, spricht während eines virtuellen Treffens der National Governors Association im South Court Auditorium auf dem Campus des Weißen Hauses.
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Joe Biden, Präsident der USA, spricht während eines virtuellen Treffens der National Governors Association im South Court Auditorium auf dem Campus des Weißen Hauses.

Für seine Flüchtlingspolitik hatte Trump stark in der Kritik gestanden. Joe Biden hatte zugesagt, alles anders zu machen. Menschenrechtler:innen beobachten das Gegenteil.

Carizzo/Mexiko - Mehr als 2000 junge unbegleitete Migrant:innen haben Beamte an der Grenze zu Mexiko in der vergangenen Woche abgefangen. Das berichtete die New York Times. Sie müssen für zehn Tage in Corona-Quarantäne verbleiben, ehe die Behörden sie auf Unterkünfte in der ganzen USA verteilt - zumindest theoretisch. Aufgrund der Pandemie-Auflagen dürfen die Unterkünfte nur zu 60 Prozent belegt werden. Aus diesem Grund sperren die Behörden viele minderjährige Migrant:innen auf unbestimmte Zeit in den provisorischen Lagern an der Grenze ein.

Viele der Betroffenen sind Teenager, einige Kinder sind aber nicht älter als sechs Jahre. Migrant:innen nicht ins Land zu lassen, sondern zu inhaftieren, bescherte Ex-Präsident Donald Trump* viel Gegenwind. Im September 2019 verbot ein Gericht, die Minderjährigen länger als 72 Stunden festzuhalten. 

Joe Biden greift auf grenznahe Lager aus Trump-Zeit zurück

Trumps Nachfolger Joe Biden* hatte versprochen, es anders zu machen. Tatsächlich sieht es laut New York Times anders aus: Biden öffnet die Lager an den Grenzen wieder. Menschenrechtler:innen befürchten, dass die Zahl der aufgegriffenen Minderjährigen in den kommenden Monaten sogar so stark steigen könnte, dass der Rekord von 11.000 Kindern im Mai 2020 überschritten wird. 

„Es scheint, dass die Regierung nicht in der Lage ist, einen neuen Weg zu finden, um mit der Situation umzugehen“, zitiert die New York Times Joshua Rubin, einen Aktivisten von Witness at the Border. „Die Zeit in diesen großen, lieblosen Lagern“, traumatisiere die jungen Geflüchteten.

Corona-Test könnte das Problem lösen

Kritiker:innen haben bereits eine Alternative zu der umstrittenen Praktik vorgeschlagen. Demnach erreichen die meisten Kinder die USA mit Kontaktdaten von Verwandten, die sie aufnehmen wollen. Nach einem Corona*-Test mit negativem Ergebnis könne man die Geflüchteten unmittelbar dorthin bringen. So könnten die Behörden ihnen ersparen, ohne angemessene Betreuung in Lagern zu verweilen.

„Wir müssen, Trumps brutale Flüchtlingspolitik beenden. Und Biden versucht, das auf verantwortungsvolle, geordnete Weise umzusetzen“, zitiert die New York Times Seth Stodder, einen ehemaligen Mitarbeiter der Obama-Regierung. Das Personal aufzustocken und eine Zusammenarbeit mit Mexiko zu etablieren benötigt Zeit. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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