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„Speicher sind gut gefüllt“: Bundesnetzagentur-Chef Müller ruft bei „Maischberger“ dennoch zum Sparen auf

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Klaus Müller (B‘90/Grüne, Chef der Bundesnetzagentur) warnt bei „Maischberger“.
Klaus Müller (B‘90/Grüne, Chef der Bundesnetzagentur) warnt bei „Maischberger“. © WDR/Melanie Grande

Müssen sich die Deutschen im Winter auf flächenmäßige Blackouts gefasst machen? „Maischberger“ versucht, Licht ins Dunkel zu bringen.

Berlin – In den letzten Tagen gingen Videos viral, auf denen chinesische Bürger für ihre Freiheit protestierten. Die Staatsmedien Chinas halten solche Bilder normalerweise von der Weltbevölkerung fern, um das konstruierte Bild der Stärke nicht zu gefährden. Experten vermuten, dass die Protestwelle so viel Raum einnimmt, dass die Zensoren nicht mehr hinterherkommen. Aber woher kommt die plötzliche Wut der chinesischen Bevölkerung?

China-Experte Kai Strittmatter begründet dies in der Sendung mit dem harten und monatelangen Coronavirus-Lockdown, der viele Todesopfer forderte, weil die Menschen ihre Jobs verloren hatten oder beispielsweise in der Quarantäne verhungerten. Zudem befürchten die Chinesen eine dauerhafte Einschränkung ihrer Freiheit. „Xi Jinping ist ein absoluter Kontrollfreak“, urteilt Strittmatter über den chinesischen Präsidenten und geht daher ebenfalls davon aus, dass die Überwachungsmaßnahmen auch nach der Pandemie Bestand haben werden.

„Umso mehr muss man die Leute bewundern, die da auf die Straße gehen. Das ist absolut irre“, führt Strittmatter weiter aus und nennt die Aufstände in den chinesischen Straßen „historisch“. Die große Abhängigkeit von China bezeichnete der Redakteur der Süddeutschen Zeitung außerdem als Fehler. Wirtschaftskolumnist Rainer Hank stimmte dem Experten zu, nannte aber gleichzeitig den Grund für die Abhängigkeit: „Das hat unseren Wohlstand genährt.“

„Gut gefüllte Speicher“ und „signifikante Einsparungen“: Müller gibt für diesen Winter Entwarnung

Wie unangenehm die starke Abhängigkeit von einem einzelnen Handelspartner werden kann, zeigt die aktuelle Energiekrise, die durch die Abkehr vom russischen Gas herbeigeführt wurde. Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, beruhigt die Gemüter der besorgten Bürger diesbezüglich. „Wir haben die Speicher gut gefüllt. Wir haben signifikante Einsparungen gesehen“, lobt er die Bereitschaft zum Heizverzicht in den kälteren Monaten. „Eine gewisse Anspannung, die kann ich nicht verhehlen“, räumt jedoch selbst Müller ein.

Da die Gaspreisbremse nur 80 Prozent des Verbrauchs deckelt, appelliert der Grünen-Politiker, bei den restlichen 20 Prozent so viel zu sparen wie möglich. Dies würde sich alleine schon wirtschaftlich lohnen. Mit Blick auf die kommenden Winter in den Jahren 2023 und 2024 unterstützte dies auch die Bundesregierung dabei, die Speicher wieder restlos aufzufüllen, um nicht wieder bei null anfangen zu müssen.

Müller betont, dass die aktuellen Gasvorräte bis zu zehn Heizwochen abdeckten, wenn kein Nachschub hereinkäme, was nicht der Fall sein werde. Sollte es wider Erwarten einen Engpass geben, wären die Privathaushalte laut Müller sowieso das letzte Glied der Kette, das mit Einsparungen rechnen muss.

„Maischberger“ - das waren ihre Gäste am 29. November

„Maischberger“: Wie wahrscheinlich ist ein Blackout?

Als das Wort „Engpass“ fällt, kommt Moderatorin Sandra Maischberger auf den Ernstfall zu sprechen. Gehört ein Blackout, also ein flächendeckender Stromausfall, zu den Szenarien, auf die sich die Deutschen im Winter einstellen müssen? Auch hier beruhigt Klaus Müller die Moderatorin und ihr Publikum. „Deutschland hat eine sehr gute Stromversorgung.“

Diese Versorgung sei auf verschiedene Ressourcen verteilt, sodass es unwahrscheinlich sei, dass Menschen Tage oder Wochen im Dunkeln verharren müssten. Kürzere Intervalle, in denen der Strom ausfällt, will der Chef der Bundesnetzagentur aber nicht ausschließen. Die hätte es darüber hinaus schon immer gegeben.

Das Bundesministerium für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ruft etwa in Werbespots vermehrt zum Anlegen von Vorräten auf. Diesem Appell schließt sich Müller an. Vorsicht könne nie schaden, auch wenn er die Situation hierzulande als nicht prekär einstufe.

Alice Schwarzer im Ukraine-Krieg weiterhin gegen Waffenlieferungen

Ganz anders sieht es in der Ukraine aus. Nach Russlands Angriffen auf die Energie-Infrastruktur des Landes kämpfen die Menschen durch die Stromausfälle im Winter ums Überleben. Maischberger fragt, wie lange die Zivilbevölkerung noch durchhält. Ukraine-Korrespondent Vassili Golod erinnert an den ungebrochenen Willen der ukrainischen Bürger. „Für die Menschen geht es um ihr Leben“, weshalb niemand ans Aufgeben denke.

Alice Schwarzer, Publizistin und Feministin, Herausgeberin der Zeitschrift „Emma“, im Gespräch mit Sandra Maischberger.
Alice Schwarzer, Publizistin und Feministin, Herausgeberin der Zeitschrift „Emma“, im Gespräch mit Sandra Maischberger. © WDR/Melanie Grande

Publizistin Alice Schwarzer hatte sich zu Beginn des Angriffskriegs explizit und lautstark gegen deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen. An ihrem Entschluss hat sich trotz der militärischen Erfolge des angegriffenen Landes nichts geändert. „Mit Waffen verlängert es sich“, erklärt Schwarzer und meint damit das Leid der Ukrainer. Die Frauenrechtlerin spricht sich noch einmal für Verhandlungen zur Beendigung dieses Krieges aus.

Schwarzer kritisiert zudem die Rolle der USA in diesem Konflikt. Die Ukrainer müssten für den Stellvertreterkrieg der Amerikaner mit den Russen bluten. Diese These weist Golod als Verschwörungstheorie ab, weil die USA keine Schuld daran trage, dass Russland den Freiheitswillen der Ukraine nicht akzeptiere.

„Maischberger“ – Das Fazit der Sendung

In diesem Winter wird mit großer Wahrscheinlichkeit kein Mensch in Deutschland frieren müssen. Die vollen Gasspeicher verhindern das häufig heraufbeschworene Katastrophenszenario. Großflächige und langanhaltende Blackouts kann Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller ebenso ausschließen. Dennoch sollten die Bürger ihren Verbrauch einschränken, um der Regierung bei der Bereitstellung der Ressourcen für die kommenden Winter unter die Arme zu greifen.

Wie mächtig jeder Einzelne sein kann, erleben wir gerade in China und der Ukraine, wo die Bevölkerung gegen Unterdrückung bzw. Krieg kämpft. Ein Vergleich mit den Schicksalen dieser notleidenden Menschen sei uns Deutschen zwar nicht erlaubt, ihr Mut und ihr Durchhaltevermögen können uns aber eine Inspiration sein. (Kevin Richau)

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