Mladic an UN-Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert

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Der serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic

Belgrad - Zuletzt ging es für den “Schlächter vom Balkan“ ganz schnell. Fast 16 Jahre auf der Flucht, dann im Schnellverfahren an das UN-Tribunal für Kriegsverbrecher ausgeliefert. Am Abend landete Ex-General Ratko Mladic in Rotterdam.

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Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist am Dienstag von Serbien an das UN-Tribunal in Den Haag ausgeliefert worden. Der 69-Jährige traf in einer Sondermaschine der serbischen Regierung in Rotterdam ein. Von dort wurde er unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in das Gefängnis in Scheveningen überstellt, wie am Abend offiziell bestätigt wurde. Wenige Stunden zuvor hatte das Gericht in Belgrad seinen Einspruch gegen die Auslieferung abgelehnt, Justizministerin Snezana Malovic unterzeichnete daraufhin die Auslieferungspapiere. “Mladic ist ausgeliefert“, sagte sie vor der Presse. 

Der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992-1995) war am vergangenen Donnerstag nach fast 16-jähriger Flucht verhaftet worden. Ihm werden die schwersten Kriegsverbrechen seit 1945 in Europa vorgeworfen.

Mladic muss jetzt innerhalb von 48 Stunden erstmals vor dem Richter des UN-Tribunals erscheinen. Dann wird ihm die Anklage verlesen, anschließend muss er sich für schuldig oder unschuldig bekennen.

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Die Flucht des “Schlächters von Srebrenica“, Ratko Mladic, ist zu Ende: Nach mehr als 15 Jahren haben serbische Sicherheitskräfte den meistgesuchten Kriegsverbrecher Europas festgenommen. © dpa
Ihn erwartet ein Prozess vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal wegen der Ermordung von rund 8.000 bosnischen Muslimen. © dpa
Mladic gab am 11. Juli 1995 um 16.00 Uhr den Befehl, die unter dem Schutz der Vereinten Nationen stehende Enklave Srebrenica zu stürmen. © dpa
Mladic und der 2008 festgenommene frühere Präsident der bosnischen Serben, Radovan Karadzic (rechts), standen seit 1995 an der Spitze der Fahndungsliste des Haager UN-Tribunals. © dpa
Das US-Außenministerium setzte auf beide je fünf Millionen Dollar (3,2 Millionen Euro) Dollar Belohnung für Hinweise aus, die zu ihrer Ergreifung führen. Trotzdem - oder auch deswegen - blieben sie mehr viele Jahre unbehelligt. © dpa
Für nationalistische Serben sind beide Helden, und an Straßenecken tauchten im Land nach Karadzics Verhaftung junge Männer auf, die schwarze T-Shirts mit Mladics Porträt und der Aufschrift “serbischer Held“ verkaufen. © dpa
Mladic kam am 12. März 1943 in dem Bergdorf Treskavica südlich von Sarajevo zur Welt, einer Hochburg der serbischen Nationalisten. Seine Eltern schlossen sich im Kampf gegen die deutschen Besatzungstruppen den Partisanen des jugoslawischen Staatschefs Josip Broz Tito an. © dpa
Bereits mit 15 Jahren beendet Mladic seine Ausbildung an der Militärschule Zemun nahe Belgrad und begann eine steilen Aufstieg bei den Streitkräften. © dpa
Im Januar 1991 wurde er stellvertretender Befehlshaber eines Armeekorps in der überwiegend albanisch besiedelten und zu Serbien gehörenden Provinz Kosovo. Er erwarb sich einen Ruf als intelligenter, durchsetzungsfähiger, instinktsicherer, aber auch skrupelloser Offizier und wurde im April 1992 zum General befördert. © dpa
Wenig später begann der Bürgerkrieg zwischen bosnischen Serben, Kroaten und Muslimen, Mladic wurde Befehlshaber der bosnisch-serbischen Verbände. Binnen kurzer Zeit eroberten seine Truppen rund 70 Prozent des Territoriums der Teilrepublik. © AP
Mladic (rechts) und Karadzic bildeten fortan das Zweigespann der serbischen Aggression in Bosnien-Herzegowina. © dpa
Mit der brutalen Zerstörung von Dörfern und Städten, sogenannten ethnischen Säuberungen mit Massakern und Flüchtlingsströmen ohne Beispiel, Internierungslagern und Kriegsgräueln jeder Art hielten sie jahrelang die zivilisierte Welt in Atem. © dpa
Im Sommer 1995 erhielt der Krieg eine neue Dimension: Immer ungenierter gingen die Serben dazu über, sich ihrer in den UN-Schutzzonen unter Aufsicht gestellten Waffen wieder zu bedienen, beschossen Hilfsflüge und nahmen Blauhelme als Geiseln. © dpa
Im Juli 1995 schließlich griffen Mladics Truppen die im Osten der Republik liegende Schutzzone Srebrenica an und vertrieben die muslimische Bevölkerung, rund 8.000 Männer und Jungen wurden getötet. © dpa
Das Massaker dauerte eine Woche. “Kindern wurden die Kehlen vor den Augen ihrer Mütter durchgetrennt“, sagt der ägyptische Richter Fuad Riad, der die Anklage gegen Karadzic und Mladic mit vorbereitete. © dpa
Mladic hat sich dabei besonders zynisch verhalten: Er wurde gesehen, wie er kurz vor dem Massaker auf dem Marktplatz Süßigkeiten an muslimische Kinder verteilte, einem sogar den Kopf streichelte und ihnen versicherte, es werde alles gut werden. © dpa
Eine unheimliche Szene mit dem "Schlächter von Srebrenica", die sich Überlebenden unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt hat. © dpa
Erst ein Militäreinsatz der Alliierten Ende August brachte die Wende, im Oktober stimmten alle Seiten einem Waffenstillstand zu. Im Dezember wurde schließlich das Friedensabkommen von Dayton unterzeichnet. © AP
Der Druck auf die serbische Regierung, Mladic an das Haager Tribunal zu überstellen, nahm immer mehr zu. Der 69-Jährige wurde zu einem der meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher der Welt. © dpa
Trotzdem blieb er zunächst unbehelligt. Im Mai 1996 konnte er öffentlich an einem Begräbnis in Belgrad teilnehmen. Erst nach halbherzigen Versuchen der serbischen Sicherheitskräfte, ihn festzunehmen, tauchte er unter. © dpa
Immer wieder wurde der serbischen Regierung vorgeworfen, sie suche nicht entschlossen genug nach dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher. Die Tatsache, dass Mladic so lange nicht gefasst werden konnte, belastete auch die Beziehungen zur Europäischen Union. © dpa

Vor seinem Abflug aus Belgrad hatte die Polizei hatte aus Sicherheitsgründen ein Verwirrspiel organisiert. Insgesamt drei Kolonnen mit Polizei-Jeeps hatten im Abstand von einer Stunde das Gericht in Belgrad verlassen, in dem der 69-Jährige seit seiner Verhaftung in einer Zelle saß. Die Autobahn von der Innenstadt in Richtung Flughafen wurde von der Polizei blockiert. Weil sich der Transport von Mladic zum Flughafen “Nikola Tesla“ verzögert hatte, konnte die Justizministerin erst eine halbe Stunde später als geplant den Vollzug mitteilen. “Serbien hat alle internationalen Verpflichtungen erfüllt“, sagte Ministerin Malovic.

Zuvor hatte Mladic das Grab seiner Tochter Anna besucht. Um 6.00 Uhr in der Früh wurde er unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zum Grab auf dem Topcider-Friedhof gebracht. Die damals 24-jährige Medizinstudentin hatte sich im März 1994 mit der Pistole ihres Vaters umgebracht. Nach Medienberichten soll sie aus Gram über die Gräueltaten ihres Vaters gehandelt haben. Mladic selbst hatte immer von Mord gesprochen.

Die letzten Stunden vor seiner Abreise verbrachte er mit seinen engsten Verwandten. Sein Sohn Darko sowie die Enkelkinder waren bei ihm. Seine Frau Bosiljka hatte ihm einen großen Koffer mit Kleidung und persönlichen Gegenständen mitgebracht. Der Ex-General sei bei der Verabschiedung in Tränen ausgebrochen, berichtete sein Anwalt. Mladic hatte vor den Justizbehörden noch seine Ehefrau in Schutz genommen, gegen die ein Verfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes läuft. Es handele sich nicht um ihre, sondern um seine Waffen, hatte Mladic betont.

Der ehemalige Oberkommandierende der bosnischen Serben muss sich wegen Völkermordes vor dem UN-Tribunal verantworten. Unter anderem geht es um die Ermordung von bis zu 8000 muslimischen Männern und Jungen im ostbosnischen Srebrenica im Juli 1995, um Grausamkeiten in Gefangenenlagern, sogenannte ethnische Säuberungen und den jahrelangen Beschuss von Sarajevo mit schweren Waffen, wobei tausende Menschen getötet wurden.

Insgesamt waren im Bosnien-Krieg auf Seiten der Muslime, Kroaten aber auch der Serben insgesamt wenigstens 100 000 namentlich benannte Menschen ums Leben gekommen.

dpa

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