Trump lobt Henry Ford

„Gutes Blut“ des Antisemiten: Donald Trump lobt Henry Ford und erntet Kopfschütteln

Beim Besuch eines Ford-Werks in Michigan fällt Donald Trump durch seine haarsträubende Wortwahl auf.

  • US-Präsident Donald Trump* besucht ein Ford-Werk in Michigan. 
  • Dabei hebt Trump die „gute Blutlinie“ von Gründer Henry Ford hervor
  • Henry Ford war ein berüchtigter Antisemit, der auch von Hitler verehrt wurde.

Ypsilanti – Bei Donald Trump weiß man im Grunde nie so recht, was er in dieser oder jenen Situation tun oder sagen wird. Wenn er allerdings ein Werk des US-amerikanischen Autoherstellers Ford besucht, dürfte es kaum jemanden überraschen, dass der US-Präsident den Gründer der Firma lobend erwähnt.

Donald Trump lobt berüchtigten Antisemiten Henry Ford mit fragwürdiger Wortwahl

Genau das tat Trump bei seinem Besuch am Donnerstag (21.05.) in einer Ford-Fabrik in Ypsilanti im US-Bundesstaat Michigan denn auch. Aber Trump wäre nicht Trump, würde er damit nicht doch wieder für Kopfschütteln sorgen. Denn auch ihm sollte doch wohl bekannt sein, dass Henry Ford zu seinen Lebzeiten ein berüchtigter Antisemit war, der seinen Reichtum und Einfluss nutzte, um Verschwörungsmythen und Lügen über das jüdische Volk zu verbreiten. 

Trumps Lobrede fiel deshalb besonders fragwürdig aus. „Das Unternehmen wurde von einem Mann namens Henry Ford gegründet. Gute Blutlinien, gute Blutlinien“, sagte Trump und wandte sich dann wohl direkt an William Clay Ford, den Vorstandsvorsitzenden und Urenkel von Henry Ford: „Sie besitzen gutes Blut – falls Sie an dieses Zeug glauben.“

Aktuelles: Donald Trump gegen die Medien - selbst Verbündete gehen auf Distanz. John Bolton berichtet in seinem Enthüllungsbuch über die E-Mail-Affäre von Ivanka Trump und das Ablenkungsmanöver ihres Vaters Donald Trump.

Trump selbst scheint auf jeden Fall daran zu glauben. So soll er im Jahr 2018 während eines Abendessens mit führenden Geschäftsleuten ebenfalls von „großartigen Blutlinien“ und „erstaunlicher DNS“ der anwesenden Gäste gesprochen haben.

Donald Trump spricht von „guten Blutlinien“ bei Ford: Reaktionen fallen entsprechend aus 

Die Reaktionen auf Donald  Trumps Rede ließen nicht lange auf sich warten. Vor allem stellten sich viele Twitter-Nutzerinnen die Frage, wie rassistisch Henry Ford denn nun eigentlich gewesen sei. Der Journalist Glenn Fleishman brachte es auf den Punkt: „Hitler hatte ein riesiges Porträt von Ford in seinem Büro und plagiierte Teile von Mein Kampf aus Fords schrecklichem The International Jew. Hitler nannte Ford eine wichtige Inspiration.“ 

Twitter-Nutzer „Bend the Arc: Jewish Action“ sah es ganz ähnlich und sprach von einer Rede, die sich vor der im November anstehenden US-Präsidentschaftswahl* an ganz bestimmte Wählerschichten richte: Antisemiten und weiße Nationalisten

Hitler war großer Verehrer von Henry Ford

Tatsächlich kaufte Henry Ford im Jahr 1918 als einer der reichsten Industriellen in den USA die Zeitung seiner Heimatstadt. Anschließend veröffentlichte „The Dearborn Independent“ Hunderte von Artikeln, in denen Juden einer Verschwörung beschuldigt wurden, die USA zu schwächen und zu zerstören. Ford veröffentlichte diese Artikel später in dem Buch „The International Jew“.

Henry Ford verbreitete auch die schon damals nachweislich gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ – ein hochgradig antisemitisches Dokument, das erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts in Russland veröffentlicht wurde. Für Ford waren die „Protokolle“ ein Beweis für die Versuche der Juden, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Auch heute noch sind viele Antisemiten von der Echtheit überzeugt.

Henry Ford hatte auch einen großen Verehrer in Deutschland: Adolf Hitler. Kein Wunder also, dass das NS-Regime dem US-Amerikaner 1938 das Großkreuz des Deutschen Adlers verlieh, die höchste Auszeichnung, die Nazideutschland einem Ausländer verleihen konnte.

Twitter-Nutzerinnen sind über Donald Trump entsetzt  

Dass Trump den Gründer der Ford-Werke lobte, kam nicht überraschend. Mit welchen Worten er das tat, war wieder mal haarsträubend.

Von Christian Stör

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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