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US-Oberbefehlshaber hält alarmierende Rede – und bezeichnet Ukraine-Krieg als „Warmlaufen“

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Von: Patrick Mayer

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15. Oktober 2022: Soldaten der 101st Airborne Division aus den USA im polnischen Bieszczady-Gebirge.
15. Oktober 2022: Soldaten der 101st Airborne Division aus den USA im polnischen Bieszczady-Gebirge. © IMAGO / NurPhoto

Der Oberbefehlshaber über die Atomstreitkräfte der USA warnt entschieden davor, die Vereinigten Staaten könnten militärisch von China abgehängt werden. Er wählt in einer Rede teils drastische Worte.

München/Virginia — Es sind Worte mit Nachhall aus den USA, die mitten im Ukraine-Krieg für Aufsehen sorgen. Geäußert hat sie Navy Admiral Charles A. Richard, der Kommandeur von Stratcom (United States Strategic Command), der sämtlichen Atomstreitkräften der Vereinigten Staaten vorsteht.

Nach Russlands Angriff: US-Oberbefehlshaber bezeichnet Ukraine-Krieg als „Warmlaufen“

„Diese Ukraine-Krise, in der wir uns gerade befinden, ist nur das Warmlaufen“, sagte Richard laut der Website des US-Verteidigungsministeriums bei einer Rede vor der Naval Submarine League in Virginia: „Die große Krise kommt noch. Und es wird nicht lange dauern, bis wir auf eine Weise getestet werden, wie wir schon lange nicht mehr getestet worden sind.“

„Wir müssen unsere Herangehensweise zur Verteidigung dieser Nation schnell und grundlegend ändern“, erklärte der 62-jährige Militär laut dem Bericht weiter: „Ich sage Ihnen, die aktuelle Situation beleuchtet anschaulich, wie nuklearer Zwang aussieht und wie man dem standhält oder nicht standhält.“

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Die USA müssten „wieder in das Geschäft einsteigen“ und sich Fragen stellen, wie sie es früher getan hätten, meinte er und nannte Beispiele: „Was wird es brauchen? Ist es Geld? Sind es Menschen? Brauchen wir Behörden? Welches Risiko gibt es? So sind wir 1969 bis auf den Mond gekommen. Wir müssen etwas davon zurückbringen. Ansonsten wird China uns einfach überflügeln, und Russland wird in absehbarer Zeit auch nicht verschwinden.“ Die USA müssten deshalb ihr Abschreckungsspiel verstärken, forderte Richard.

US-Militär fordert mehr Abschreckung gegenüber China — „Schiff sinkt langsam“

„Wenn ich unser Maß an Abschreckung gegenüber China bewerte, sinkt das Schiff langsam“, warnte der hochrangige Militär laut Pentagon: „Es sinkt langsam, aber es sinkt, da sie (die Chinesen, d. Red.) grundsätzlich schneller als wir Fähigkeiten auf diesem Feld einsetzen. Wenn diese Kurve weitergeht, wird es keine Rolle spielen, wie gut unser Plan ist oder wie gut unsere Kommandeure sind oder wie gut unsere Streitkräfte sind – wir werden nicht genug davon haben. Und das ist ein sehr kurzfristiges Problem.“

Die U-Boot-Flotte sei vielleicht der einzige Vorteil, „den wir noch gegenüber unseren Gegnern haben“, meinte Richard in drastischer Wortwahl: „Aber: Wenn wir nicht das Tempo erhöhen, um unsere Wartungsprobleme zu beheben und neue Konstruktionen in Gang bringen, (...) werden wir uns nicht in eine gute Position bringen, um bei der Abschreckung und Landesverteidigung strategisch im Vorteil zu bleiben.“

Er riet, bis zu 60 Jahre oder mehr zurückzublicken. Damals sei das US-Militär seiner Ansicht nach in der Lage gewesen, Themen schneller abzuarbeiten als heute. „Früher wussten wir, wie man sich schnell bewegt“, sagte er in Virginia, „doch wir haben diese Kunst eingebüßt“.

Charles A. Richard: Oberbefehlshaber der US-Atomstreitkräfte fordert Handeln wie vor 60 Jahren

Als Beispiel für die einstmals schnelle Reaktionsfähigkeit des US-Militärs nannte er die Entwicklung des Marschflugkörpers „Hound Dog“ in den 1950er Jahren. Dieser sei in nur 33 Monaten auslieferbar gewesen.

The USN Nimitz-class aircraft carrier USS George H. W. Bush steams underway during a Composite Training Unit Exercise December 2, 2016 in the Atlantic Ocean.
Der US-Flugzeugträger USS George H. W. Bush wurde im Hafen von Souda auf der griechischen Insel Kreta stationiert. (Archivbild) © IMAGO / ZUMA Wire

„Wir hatten zwei B-52-Staffeln, die mit diesem 800-Seemeilen-Marschflugkörper ausgestattet waren, einem Atomsprengkopf von einer Megatonne, mit einer Genauigkeit, die für die damalige Zeit wirklich gut war, und der in weniger als drei Jahren an den Flügeln der B-52 hing“, erklärte Richard: „Diese Waffe war so cool, dass man tatsächlich die Triebwerke der Marschflugkörper an den Flügeln einschalten konnte, um beim Start zusätzlichen Schub zu geben.“

Wegen Russland-Ukraine-Krieg: USA erhöhen Truppenpräsenz in Europa deutlich

Nach Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs hatten die USA ihre Truppen in Europa deutlich um rund 20.000 auf mehr als 100.000 Soldaten erhöht. Davon arbeiten laut SWR etwa 9000 Frauen und Männer auf der rheinland-pfälzischen Air Base Ramstein. Seit Anfang des Jahres verlegten die Amerikaner einzig nach Polen tausende Soldaten. So kamen im Juni etwa 4700 Soldatinnen und Soldaten der 82. Luftlandedivision in Rzeszów an, nur knapp 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Mitte Oktober trainierten zudem Soldaten der 101st Airborne Division gemeinsam mit polnischen Einheiten im Bieszczady-Gebirge in der Grenzregion zur Ukraine. Und: Seit mehreren Wochen ist der Flugzeugträger USS George H. W. Bush der Nimitz-Klasse auf der griechischen Insel Kreta stationiert - begleitet von einer Flugzeugträgerkampfgruppe aus Lenkwaffenkreuzern oder -zerstörern, Jagd-U-Booten sowie mindestens einem Versorgungsschiff. (pm)

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