Was ein Abgang bedeuten würde

Beben in Bayern: Mögliche Söder-Nachfolger - vier Namen werden genannt, darunter ist auch eine Frau

CSU-Chef Söder will nun doch - aus Bayern nach Berlin. Die Entscheidung könnte massive Folgen für den Freistaat haben.

München/Berlin - Lange war der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Fragen nach seinen Ambitionen auf eine Kanzlerschaft gekonnt ausgewichen. Und doch: Jetzt ist das lange vermutete Szenario offiziell. Der CSU-Chef erklärte sich bereit, die Kanzlerkandidatur für die Union zu übernehmen. Gemeinsam mit der CDU werde man parteiintern eruieren, wer für die Union letztendlich ins Rennen geht.

Seit Monaten sehen Umfragen den Bayern-Chef weit vorne, NRW-Ministerpräsident Laschet kommt nicht einmal annähernd in die Sphären des Franken - am Wochenende gab es sogar eine Umfrage-Klatsche in der Heimat für den CDU-Chef. Die Chancen dürften für Söder also nicht allzu schlecht stehen, tatsächlich designierter Merkel-Nachfolger zu werden. Die Entscheidung bringt jedoch auch ein Szenario ins Spiel, das die Politik im Freistaat Bayern durcheinanderwirbeln könnte.

Kanzlerfrage: Söder erklärt Bereitschaft - Entscheidung könnte Folgen für Bayern haben

In September werden es drei Jahre sein, seitdem Markus Söder* zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt wurde. Nach einem langen Machtkampf mit seinem Vorgänger Horst Seehofer, mittlerweile Innenminister im Bund, erfüllte er sich seinen Traum. Ganz oben in der CSU, bayerischer Ministerpräsident.

Angekommen? Wie es scheint, haben die letzten drei Jahre die Ambitionen Söders vergrößert. Jetzt soll es der ganz große Wurf werden. „Mein Platz ist in Bayern“, das Bekenntnis zum aktuellen Amt, fast schon mantraartig wiederholt, scheint immer mehr auf unsicheren Beinen zu stehen. Doch genau dieser Platz in Bayern würde, sollte die Union die bayerische Option ziehen, frei werden. Was würde das für den Freistaat bedeuten?

Söder erklärt Bereitschaft in K-Frage - Muss CSU Nachfolger suchen?

Bis zu Söders Verkündigung wurde diese Frage von der CSU zu keinem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit besprochen - war die Bereitschaft zur Kandidatur freilich offiziell noch nicht geklärt. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dürfte zumindest ins Gespräch kommen, Bayerns Dauer-Innenminister gilt aber als eher unwahrscheinlicher Kandidat. Die Chancen stehen hoch, dass es jemand aus Oberbayern wird. Eine denkbare Kandidatin für die Nachfolge in der Staatskanzlei wäre schon alleine deshalb die aktuelle Landtagspräsidentin Ilse Aigner - das wäre in jedem Fall im Sinne der Frauen Union. Aigner galt schon vor Söders Zeit als mögliche Nachfolgerin für Seehofer, ließ aber dem aufdringlichen Söder - freiwillig oder unfreiwillig - den Vortritt. Schon im vergangenen Sommer fielen intern dem Vernehmen nach auch die Namen zweier Minister, die den meisten Bayern wenig geläufig sind: Albert Füracker (Finanzen) und Staatskanzleichef Florian Herrmann. Zu Letztgenannten dürfte Söder wohl tendieren, er gilt als Vertrauter des CSU-Chefs.

Denkbar wäre freilich auch, dass Söder antritt, die Union aber nicht mehr den Weg ins Kanzleramt findet. Die Frage, ob ein unterlegener Unionskandidat nach der Bundestagswahl* die Rolle des Oppositionsführers im Bundestag übernehmen würde, ließen am Sonntag sowohl Laschet - der aktuell wie Söder als Ministerpräsident fungiert - als auch der CSU-Chef offen. Der frühere CSU-Vorsitzende Erwin Huber wollte eine etwaige Niederlage in einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk aber nicht als Fanal für Söders Karriere sehen: „Er hat so eine starke Stellung in der CSU, wie das zuletzt bei Strauß der Fall war“, betonte Huber mit Blick auf den Franken Söder.

Kanzlerkandidatur: Wird Söders Platz in Bayern frei? Merz sieht Gefahr

Für die CSU, die zuletzt in Bayern wieder stark dazu gewinnen konnte, wäre ein Abgang Söders in jedem Fall ein herber Verlust. Durch ihn war eine absolute Mehrheit bei der nächsten Landtagswahl 2023 wieder denkbar. Friedrich Merz (CDU) äußerte sich kurz vor dem Wochenende zu dieser „Gefahr“ in Bayern: „Die CDU kann sich den Kanzlerkandidaten eigentlich nicht nehmen lassen“, stellte Merz in einem Gespräch mit dem Westfälischen Anzeiger* klar - Armin Laschet habe zudem „unverändert gute Chancen“. Nur Söder könne die bayerische Landtagswahl 2023 mit absoluter Mehrheit für die CSU gewinnen, so Merz. Für die CSU habe eine Nominierung Söders zudem nachteilige Folgen im Binnenverhältnis zur CDU, warnte er.

Bei allen Spekulationen um eine mögliche Nachfolge auf Markus Söder in Bayern ist eines sicher: Die Bereitschaft zur Kandidatur Söders könnte einiges ins Rollen bringen. In Bayern und auch in Deutschland. (lso/fn) *Merkur.de ist ein Angebot in IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel

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