Stoiber als Köhler-Nachfolger vorgeschlagen

München - CSU-Vorstandsmitglied Paul Linsmaier hat Edmund Stoiber als möglichen Nachfolger des zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler ins Spiel gebracht.

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Linsmaier, der bis vor wenigen Tagen noch Landesvorsitzender des CSU-nahen „Ring Christlich-Demokratischer Studenten“ (RCDS) in Bayern war, sagte dem „Münchner Merkur“: „Edmund Stoiber war als Ministerpräsident ein großer, ehrenhafter Staatsmann und wäre hervorragend dafür geeignet, ganz Deutschland zu repräsentieren.“

"Wie vom Donner getroffen": Reaktionen zum Köhler-Rücktritt

Bundesratspräsident Jens Böhrnsen (SPD): “Ich habe ihm meinen Respekt für seine Entscheidung ausgedrückt“, sagte Böhrnsen am Montag in Bremen. Der Bremer Bürgermeister übernimmt vorübergehend die Amtsgeschäfte. Köhler habe ihm erklärt, “dass er vor dem Hintergrund der öffentlichen Interpretation seiner Äußerungen zum Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan den Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten für unvermeidlich gehalten hat“, erklärte Böhrnsen. Als Bürger sei er “traurig“ über Köhlers Schritt. © dpa
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU): “Ich kann's kaum glauben. Ich bedauere den Schritt des Bundespräsidenten sehr, der als erster Bürger unseres Landes ein hohes Ansehen bei Bürgerinnen und Bürgern genießt. Ich habe den Bundespräsidenten in jeder Situation als innerlich hoch engagierten Menschen erlebt, der Gesprächspartnern deutlich gemacht hat, dass er das Amt mit großer innerer Verve führt. Ich habe seine Anfragen immer als Ansporn empfunden, besser zu werden als wir sind.“ © dpa
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU): "Ich nehme seine Rücktrittentscheidung mit Bedauern und die Begründung seiner Entscheidung mit großem Respekt zur Kenntnis. Horst Köhler war ein Bundespräsident, der während seiner gesamten Amtszeit das erste Amt im Staate mit großer Ernsthaftigkeit und Würde ausgefüllt hat. Er hat sich die Sympathien der Bürger in Deutschland und hohe Anerkennung im Ausland erworben." © dpa
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigte sich “sehr überrascht“ über den Rückzug Köhlers. Die Äußerungen des Staatsoberhaupts zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr seien sicher unglücklich gewesen, sagte er am Montag in Berlin. “Ob sie für einen Rücktritt hinreichend waren, hat der Bundespräsident offensichtlich selbst entschieden.“ © dpa
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU): "Ich bedauere die persönliche Entscheidung des Bundespräsidenten. Horst Köhler war ein kompetenter, bürgernaher und sehr beliebter Bundespräsident. Deutschland hat ihm viel zu verdanken. " © dpa
Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP): Köhler hat Westerwelle erst am Montagmittag von seinen Rücktrittsplänen informiert. Der Außenminister sei “wie vom Donner getroffen gewesen“, hieß es am Montag aus Westerwelles Umgebung. Westerwelle habe versucht, Köhler umzustimmen, jedoch ohne Erfolg. Anschließend beriet der FDP-Chef gemeinsam mit Bundeskanzlerin Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen. Der Bundespräsident sei “außerordentlich getroffen von der Maßlosigkeit der Kritik“ an seinen Afghanistan-Äußerungen, hieß es in Westerwelles Umgebung. © dpa
SPD-Chef Sigmar Gabriel gibt der schwarz-gelben Koalition die Schuld am Köhler-Rücktritt. “Dieser Schritt ist nur erklärbar, wenn man sieht, wie stark ausgerechnet diejenigen, die Horst Köhler gewählt haben, ihm die Unterstützung entzogen haben. Ich bedaure den Schritt des Bundespräsidenten außerordentlich.“ Wie die übergroße Mehrheit der Deutschen habe er die Amtsführung des Bundespräsidenten und auch Köhler als Person immer sehr geschätzt. © AP
Bayerns Grüne haben den Rücktritt des Bundespräsidenten als überraschenden Schritt bezeichnet. “Mit seinem missverständlichen Versuch, den Kriegseinsatz in Afghanistan mit wirtschaftlichen Interessen zu begründen, hat er eine Welle berechtigten Protests hervorgerufen“, teilten der bayerische Grünen-Landesvorsitzende Dieter Janecek (Foto) und die Fraktionsvorsitzende im Landtag, Margarete Bause, am Montag in München mit. “Leider hat er durch seine unbedachten Äußerungen und seinen überraschenden Rückzug genau dieses Amt beschädigt“, heißt es weiter. © dpa
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler bedauert. “Ich bin sehr überrascht und erschüttert“, sagte Brüderle. “Ich bedauere die Entscheidung von Horst Köhler außerordentlich, der ein sehr bürgernaher und kompetenter Bundespräsident war.“ In der Vergangenheit sei es aus guten Gründen gute Übung gewesen, das Präsidentenamt nicht in die Parteipolitik hineinzuziehen. “Das sollte auch wieder gelten“, sagte Brüderle mit Blick auf die Wahl eines neuen Staatsoberhaupts. © dpa
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler mit großem Bedauern aufgenommen. “Ich bedaure sehr, dass uns in Bundespräsident Horst Köhler eine Person mit hohem Vorbildcharakter, allgemeiner Anerkennung in der Öffentlichkeit und einem besonderen Interesse für die christlichen Kirchen in unserem Land verlässt“, erklärte Zollitsch am Montag in Bonn. © dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, sie sei nur zwei Stunden vor Köhlers Rücktrittserklärung vom Präsidenten darüber informiert worden. Sie sei überrascht gewesen und habe versucht, ihn in diesem Telefonat noch einmal umzustimmen. “Ich bedauere diesen Rücktritt auf das allerhärteste“, sagte sie. Köhler sei ein Präsident der Bürger in Deutschland gewesen. Für sie selbst sei er gerade in der Finanz- und Wirtschaftskrise ein wichtiger Ratgeber gewesen. © dpa

Andreas Zimniok

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