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Selenskyj nach Raketenangriff auf Odessa: „Gezielter Angriff gegen Erwachsene und Kinder“

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Von: Patrick Mayer

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Kurz nach dem Rückzug Russlands von der Schlangeninsel fliegen Raketen in ein Hochhaus. Es gibt mehrere Tote und Dutzende Verletzte. Der News-Ticker zur militärischen Lage.

Selenskyj: „Terror Russlands gegen unsere Städte und Dörfer“

Update vom 1. Juli, 19.30 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland vorgeworfen, bewusst eine Rakete auf ein Wohnhaus in Odessa abgefeuert zu haben. „Das ist ein gezielter Raketenschlag Russlands, Terror Russlands gegen unsere Städte und Dörfer, gegen unsere Menschen, Erwachsene und Kinder“, laut der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am Freitag in Kiew. Die eingesetzte Rakete sei eigentlich für die Bekämpfung von Flugzeugträgern und anderen Kriegsschiffen konzipiert worden.

In der Nacht zum Freitag hatten drei russische Raketen knapp 40 Kilometer südwestlich der Hafenstadt Odessa ein Wohnhaus und ein Erholungsheim getroffen. Dem Zivilschutz zufolge wurden dabei mindestens 21 Menschen getötet und 39 verletzt. Odessa ist gemessen an den Einwohnern die drittgrößte Stadt der Ukraine und der wichtigste Hafen des Landes.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht auf einer Pressekonferenz mit Norwegens Ministerpräsident Støre in Kiew.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland vorgeworfen, bewusst ein Wohnhaus in Odessa angegriffen zu haben. © Nariman El-Mofty/dpa

Raketenangriff auf Wohnhaus in Odessa: Anzahl der Todesopfer steigt weiter

Update vom 1. Juli, 15.35 Uhr: Die Anzahl der Todesopfer bei dem russischen Raketenangriff auf ein Wohnhaus in Odessa musste erneut nach oben korrigiert werden. 20 Menschen kamen bei zwei verschiedenen Raketenangriffen ums Leben – darunter auch ein Kind. Die Zahl der Verletzten stieg auf 38. Das berichtet CNN mit Verweis auf ukrainische Behörden. Eine dritte Rakete verfehlte wohl ihr eigentliches Ziel und schlug auf einem Feld ein.

Am Freitagnachmittag dauerten der Rettungseinsatz an dem zerstörten Gebäude noch an. Die Hoffnung auf Überlebende schwindet jedoch. „Wir erwarten nicht, noch jemanden Lebendigen zu finden, aber es gibt eine Chance“, sagte der stellvertretende Innenminister Yevhenii Yenin am Freitag.

Rettungskräfte bergen Verletzte aus einem Wohnhaus in Odessa, das bei einem russischen Raketenangriff zerstört wurde.
Rettungskräfte bergen Verletzte aus einem Wohnhaus in Odessa, das bei einem russischen Raketenangriff zerstört wurde. © OLEKSANDR GIMANOV/AFP

Ukraine-Krieg: Russische Truppen rücken nahe Lyssytschansk weiter vor

Update vom 1. Juli, 13.30 Uhr: Russlands Militär rückt in der schwer umkämpften ostukrainischen Stadt Lyssytschansk eigenen Angaben zufolge immer weiter vor. Mittlerweile sei die Ölraffinerie der Großstadt im Luhansker Gebiet unter russischer und prorussischer Kontrolle, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow. Die ukrainische Seite hingegen bezeichnete das Raffineriegelände am Morgen weiter als umkämpft.

Die Ukrainer erlitten in und um Lyssytschansk hohe Verluste, sagte Konaschenkow. Zuletzt seien pro Tag rund 200 gegnerische Soldaten getötet worden. „Es ist ein unorganisierter Abzug einzelner Einheiten der ukrainischen Streitkräfte aus Lyssytschansk zu beobachten.“ Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben nicht.

Kämpfe in Lyssytschansk - Putins Truppen wollen ukrainische Einheiten einkreisen

Update vom 1. Juli, 9.20 Uhr: Die Lage im Osten der Ukraine rund um die von russischen Truppen belagerte Großstadt Lyssytschansk spitzt sich nach Angaben aus Kiew zu. „Der Feind konzentriert seine Hauptanstrengungen auf die Einkreisung der ukrainischen Soldaten in Lyssytschansk von Süden und Westen her und die Herstellung der vollständigen Kontrolle über das Gebiet Luhansk“, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit.

Auch in den Vororten der Großstadt wird gekämpft. Der russische Versuch, ein Teilstück der Versorgungsroute Bachmut-Lyssytschansk unter Kontrolle zu bringen, sei hingegen gescheitert, berichtete der Generalstab. Zugleich haben die russischen Truppen nach ukrainischen Angaben ihre militärischen Aktivitäten Richtung Kramatorsk verstärkt. Bisher hatten die russischen Truppen vor allem vom Norden her versucht, auf den Raum vorzurücken. Auch am Freitag wurden aus dieser Richtung Artilleriegefechte aus mehreren Vororten von Slowjansk gemeldet. Eine russische Bodenoffensive gab es hier nach ukrainischen Informationen allerdings nicht. Unabhängig konnten die Angaben nicht überprüft werden.

Ukraine-Krieg: Angriff auf Odessa - Zahl der Todesopfer russischer Raketen steigt auf 17

Update vom 1. Juli, 07.53 Uhr: Die Zahl der toten Zivilisten in der Region Odessa hat sich erhöht. Zu den zunächst gemeldeten 14 Getöteten durch einen Raketenangriff auf ein Hochhaus kommen nach Angaben von ukrainischen Behörden drei weitere hinzu. Sie sollen bei einem weiteren Angriff auf ein anderes Gebäude in der Nähe gestorben sein. Unter den Todesopfern soll auch ein Kind sein.

Update vom 1. Juli, 06.29 Uhr: Bei einem Raketenangriff auf ein Wohnhaus im Raum Odessa sind ukrainischen Angaben zufolge 14 Menschen getötet worden. Dutzende wurden verletzt. Der Angriff ereignete sich kurz nach dem Rückzug Russlands von der ukrainischen Schlangeninsel im Schwarzen Meer.

Tote bei Raketenangriff in Region Odessa: 14 Menschen leblos aus Trümmern geborgen

In der Region Odessa im Süden der Ukraine haben russische Raketen offenbar ein Wohngebiet getroffen. Ukrainische Rettungsdienste sprachen von mindestens 14 Toten und 30 Verletzten. Auch drei Kinder sollen verwundet worden sein.

Die Rakete habe ein neunstöckiges Wohnhaus in der Gegend von Bilhorod-Dnistrowsky rund 80 Kilometer südlich der Hafenstadt Odessa getroffen, meldete der Sprecher der Regionalverwaltung, Serhij Bratschuk. Demnach wurde die Rakete von einem über dem Schwarzen Meer fliegenden Flugzeug aus abgefeuert. Die Rettungsarbeiten an dem teils zerstörten Haus dauern an. Feuer behindert die Einsatzkräfte.

Menschen harren in Odessa nach einem Luftalarm in einem Schutzbunker aus.
Menschen harren in Odessa nach einem Luftalarm in einem Schutzbunker aus. © IMAGO/STR

Beschuss durch russische Armee: Lage im ostukrainischen Lyssytschansk „extrem schwierig“

Update vom 30. Juni, 22.30 Uhr: Die russische Armee rückt im Donbass weiter vor. Laut einem Militärexperten sind die deutschen Panzerhaubitzen im Osten der Ukraine vor der Granate Krasnopol nicht sicher. Die Hintergründe.

Update vom 30. Juni, 20.55 Uhr: Die Lage in der umkämpften ostukrainischen Stadt Lyssytschansk ist nach Angaben von Regionalgouverneur Serhij Hajdaj „extrem schwierig“. Die Stadt stehe unter unablässigem Beschuss, die russischen Truppen rückten aus mehreren Richtungen auf die Stadt vor, berichtete Hajdaj an diesem Donnerstag im Onlinedienst Telegram. Russische Soldaten stünden am Stadtrand, in der Stadt selbst gebe es bislang keine Straßenkämpfe.

Der Gouverneur wies Angaben pro-russischer Kämpfer zurück, sie kontrollierten bereits das halbe Stadtgebiet. „Man kann ganz einfach sagen, dass die Russen sehr zahlreich sind und von allen Seiten kommen. Es gibt eine unglaubliche Anzahl von Fahrzeugen und Artillerie“, schilderte Hajdaj.

Lyssytschansk ist das nächste wichtige Ziel der russischen Truppen, nachdem sie die Nachbarstadt Sjewjerodonezk nach wochenlangen Gefechten am Wochenende gänzlich eingenommen hatten. Die Region Luhansk, eine der beiden Teilregionen des Donbass, steht damit nahezu vollständig unter russischer Kontrolle. Sollten die russischen Truppen auch Lyssytschansk einnehmen, könnten sie anschließend Kramatorsk und Slowjansk in der zweiten Donbass-Teilregion Donezk ins Visier nehmen. Slowjansk ist ebenfalls bereits Ziel heftiger russischer Luftangriffe.

Zur Verteidigung gegen die russischen Truppen: Frankreich liefert Ukraine weitere Caesar-Haubitzen

Update vom 30. Juni, 18.55 Uhr: Frankreich wird der Ukraine zur Verteidigung gegen die russischen Invasionstruppen sechs weitere Caesar-Haubitzen liefern, und zwar „schnell“, wie Staatspräsident Emmanuel Macron zum Abschluss des Nato-Gipfels in Madrid erklärte. Bei den ukrainischen Streitkräften kommen bereits mehrere solcher selbstfahrenden Haubitzen vom Kaliber 155 mm zum Einsatz.

Damit nicht genug. Frankreich werde „sechs weitere Caesar-Haubitzen und eine beträchtliche Anzahl gepanzerter Fahrzeuge“ an die Ukraine liefern, erklärte Macron. Der Ukraine-Krieg konzentriert sich im Osten des Landes auf Gefechte mit schwerer Artillerie. Seit Wochen bittet Kiew seine westlichen Partner nachdrücklich, mehr Geschütze zu liefern.

„Verdeckte Mobilisierung“ in Belarus? Ukrainischer Generalstab warnt vor Verbündetem Russlands

Update vom 30. Juni, 16.30 Uhr: Mehr als vier Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs werden in Belarus nach Berichten unabhängiger Medien verstärkt Einberufungsbescheide verschickt. Der ukrainische Generalstab sprach am Donnerstag von einer „verdeckten Mobilisierung“. Die oppositionelle belarussische Onlinezeitung Zerkalo schrieb, seit Tagen hätten Leser aus dem Gebiet Gomel im Süden des Landes an der Grenze zur Ukraine berichtet, es seien vielfach Einberufungsbefehle verschickt worden.

Die Aufforderung, sich bei der Truppe zu melden, seien auch an Personen gegangen, die zuvor als wehruntauglich eingestuft worden seien, schrieb das Portal weiter. Gründe für die Anordnung seien nicht angegeben worden. Es sei aber mit Strafen gedroht worden, sollte die Vorladung ignoriert werden.

Der ukrainische Generalstab teilte mit, „laut den vorliegenden Informationen“ seien in Belarus bis Mitte Juli Militärübungen für Wehrpflichtige geplant. Belarus hat als enger Verbündeter Russlands sein Territorium und seinen Luftraum für den russischen Krieg gegen den Nachbarn zur Verfügung gestellt. Die Ukraine schließt aber auch einen direkten Kriegseintritt des Nachbarlandes nicht aus. Von dort haben russische Soldaten bereits Raketen auf die Ukraine geschossen.

Moskau vermeldet: Angeblich mehr als 6000 ukrainische Soldaten als Kriegsgefangene

Update vom 30. Juni, 12.55 Uhr: Russland hält nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums derzeit mehr als 6000 ukrainische Soldaten als Kriegsgefangene fest. Die Zahl ukrainischer Militärs, die gefangen genommen worden seien oder sich ergeben hätten, liege bei „mehr als 6000“, teilte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow mit. Die von ihm genannte Zahl ließ sich zunächst von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Konaschenkow bestätigte zugleich Angaben aus Kiew, dass am Vortag im Rahmen eines Gefangenenaustauschs 144 ukrainische Soldaten an die Ukraine übergeben worden seien. Die Ukraine übergab im Gegenzug die gleiche Zahl von russischen und pro-russischen Kämpfern an Russland, wie der Moskauer Ministeriumssprecher erklärte.

Es handelte sich um den größten Gefangenenaustausch seit Beginn des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine am 24. Februar. Alle befreiten russischen und pro-russischen Soldaten seien verletzt, ein Teil von ihnen schwer, teilte Konaschenkow weiter mit. Sie würden derzeit medizinisch versorgt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew sind auch die meisten der am Mittwoch freigekommenen ukrainischen Soldaten schwer verletzt.

Russland-Rückzug von Schlangeninsel - Ukrainische Armee zerstörte zuvor Luftabwehrsystem

Update vom 30. Juni, 11 Uhr: Die russische Armee hat sich nach eigenen Angaben von der ukrainischen Schlangeninsel zurückgezogen. Die auf der Insel im Schwarzen Meer stationierten Soldaten seien als eine „Geste des guten Willens“ abgezogen worden, teilte Moskau mit. Dies solle der Ukraine die Ausfuhr von Getreide ermöglichen. Zuvor hatte die ukrainische Armee nach eigenen Angaben die Schlangeninsel erneut angegriffen. Dabei sei ein Kurzstrecken-Flugabwehrsystem des Typs Panzir-S1 zerstört worden, teilte das Kommando Süd mit. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Zusammenstöße in Lyssytschansk - Ukraine spricht von Blockade der Stadt

Update vom 30. Juni, 9.39 Uhr: Lyssytschansk bleibt Hauptkriegsort der schweren Kämpfe im Donbass. Die strategisch wichtige Stadt im Osten der Ukraine ist die letzte, die noch von ukrainischen Streitkräften kontrolliert wird. Russische Soldaten sind jedoch bis an den Stadtrand vorgerückt.

Im Bericht des ukrainischen Generalstabs war die Rede von einer Blockade Lyssytschansks, die der Feind mit Unterstützung der Artillerie versuche. Demnach toben Angriffe an Siedlungen im Westen sowie rund um die Ölraffinerie. Laut dem Vertreter der Luhansker Separatisten in Moskau soll das Gebiet rund um das Werk „unter eigener Kontrolle“ sein. Rodion Miroschnik schrieb dies bei Telegram.

Die Ukraine beschuldigt zudem russische Truppen, zivile Infrastruktur unter Beschuss genommen zu haben. Das lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Kämpfe wurden auch nordöstlich von Bachmut gemeldet, das westlich von Lyssytschansk liegt. Hier versuchten russische Truppen weiter eine wichtige Straße zwischen den Städten zu kontrollieren.

Ukraine-News: Lage im Osten der Ukraine laut Selenskyj „extrem schwierig“

Update vom 30. Juni, 9.10 Uhr: Trotz westlicher Waffenlieferungen bleibt die Lage ukrainischer Truppen in den schwer umkämpften Gebieten im Osten des Landes nach Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj extrem schwierig. „Wir unternehmen alles, um unser Militär mit modernen Artilleriesystemen auszustatten und den Besatzern angemessen zu antworten“, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache.

Das russische Militär setzt im Industriegebiet Donbass auf massiven Artilleriebeschuss, um ukrainische Stellungen zu schwächen. Die ukrainische Artillerie ist trotz einiger eintreffender moderner Geschütze aus dem Westen unterlegen. Aktuell wird um die Stadt Lyssytschansk gekämpft, aus dem benachbarten Sjewjerodonezk zogen sich die ukrainischen Truppen zurück. Der bisherige Druck auf Russland reiche nicht aus, sagte Selenskyj und verwies darauf, dass allein am Mittwoch zehn russische Raketen auf die ukrainische Stadt Mikolajiw abgefeuert worden seien. „Und alle waren auf zivile Ziele gerichtet“, sagte er.

Ukraine-News: Russlands Invasion verläuft laut Putin „planmäßig“

Update vom 30. Juni, 6.59 Uhr: Mehr als vier Monate nach Beginn des russischen Angriffskrieges behauptete Putin erneut, die Kampfhandlungen liefen planmäßig. „Die Arbeit läuft ruhig, rhythmisch, die Truppen bewegen sich und erreichen die Linien, die ihnen als Etappenziele vorgegeben wurden“, sagte er vor Journalisten in der turkmenischen Hauptstadt Aschgabat. „Alles läuft nach Plan.“ Der Krieg wird von Russland offiziell als „Spezialoperation“ bezeichnet.

Russische Truppen waren am 24. Februar aus mehreren Richtungen in die Ukraine eingedrungen. Nachdem es ihnen nicht gelang, die Hauptstadt Kiew zu erreichen, konzentrieren sie sich auf das Industriegebiet Donbass in der Ostukraine. Nach Einschätzung westlicher Experten rückt das russische Militär zwar vor, erleidet dabei aber hohe Verluste und verbraucht in hohem Tempo seine Artillerie-Munition.

Wladimir Putin bei seinem Besuch in Duschanbe in Tadschikistan im Juni 2022
Wladimir Putin bei seinem Besuch in Tadschikistan im Juni 2022 © Alexander Shcherbak/Imago

Ukraine-News: Mehr als sechs Millionen Menschen seit russischer Invasion geflohen

Update vom 29. Juni, 21.30 Uhr: Nach neuesten Daten mussten im Krieg mit Russland 6,3 Millionen Menschen in andere Gegenden der Ukraine fliehen. Weitere 5 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer waren anfangs geflüchtet, sind inzwischen aber wieder in ihre jeweiligen Heimatregionen zurückgekehrt.

Zwischen Lyssytschansk und Bachmut: Ukrainische Truppen halten offenbar Fernstraße T1302

Update vom 29. Juni, 20.55 Uhr: Die Fernstraße T1302 zwischen Lyssytschansk und Bachmut ist offenbar weiter heftig umkämpft. Das erklärt der ukrainische Generalstab in einem Lagebericht.

Russische Truppen würden demnach versuchen, Lyssytschansk vollständig einzukesseln. Im Dorf Verkhnyokamyanka westlich der Großstadt mit ihren knapp 100.000 Einwohnern sei es jedoch gelungen, die Angreifer zurückzuschlagen, heißt es aus Kiew. Russische Einheiten hätten demnach auch erfolglos versucht, über das Dorf Spirne in Richtung der Stadt Bachmut im Oblast Donezk vorzudringen. Lyssytschansk ist die letzte Stellung der ukrainischen Armee in der Region Luhansk.

Gefechte im Nordosten der Ukraine gemeldet: In der Nähe von Isjum und bei Charkiw wird gekämpft

Update vom 29. Juni, 19.50 Uhr: Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, setzen die russischen Invasionstruppen ihre Angriffe vor allem südlich und südwestlich von Lyssytschansk fort. Die Stadt mit vormals 100.000 Einwohnern sei zu großen Teilen umstellt.

Laut prorussischen Separatisten ziehen sich die ukrainischen Streitkräfte aus der Stadt zurückzuziehen. Lyssytschansk ist die letzte Stadt in der Oblast Luhansk, die noch nicht besetzt wurde. Erst kürzlich fiel die benachbarte Stadt Sewerodonezk nach wochenlangen erbitterten Kämpfen. Am Mittwoch wurden auch Gefechte aus der Nähe von Isjum und bei Charkiw im Nordosten der Ukraine gemeldet. Hier konnte die ukrainische Armee die Angreifer zuletzt wiederholt zurückschlagen.

Auch Soldaten aus Asowstal darunter: Ukraine und Russland tauschen Gefangene aus

Update vom 29. Juni, 18.50 Uhr: Die ukrainische Armee und die russische Seite haben nach eigenen Angaben insgesamt knapp 300 Gefangene ausgetauscht. Das ukrainische Verteidigungsministerium in Kiew berichtete am Mittwochabend von 144 ukrainischen Soldaten, die wieder frei seien. Es handele sich um den größten Gefangenenaustausch seit Kriegsbeginn vor mehr als vier Monaten. Der Separatistenführer Denis Puschilin wiederum sprach von ebenfalls 144 prorussischen und russischen Kämpfern, die aus ukrainischer Gefangenschaft entlassen worden seien.

Unter den freigelassenen ukrainischen Soldaten sind nach Angaben aus Kiew auch 95 Kämpfer, die bis vor einigen Wochen das schwer umkämpfte Stahlwerk Asowstal in der mittlerweile von den Russen eroberten Hafenstadt Mariupol verteidigten. Wiederum 43 von ihnen sollen dem Regiment Asow angehören.

Vorwürfe durch Vereinte Nationen: UN wirft russischer Armee völkerrechtswidrige Kriegsführung vor

Update vom 29. Juni, 17.05 Uhr: Während die ukrainischen Verteidiger im Osten des Landes russischen Berichten zufolge weiter hohe Verluste erleiden (siehe vorheriges Update), haben die Vereinten Nationen der russischen Armee eine völkerrechtswidrige Kriegsführung vorgeworfen. Die ukrainischen Streitkräfte schienen das humanitäre Völkerrecht „in weitaus geringerem Umfang“ gebrochen zu haben, sagte Matilda Bogner, Leiterin der UN-Menschenrechtskommission in der Ukraine, am Mittwoch in Kiew.

Völkerrechtswidrig würden dicht besiedelte Gebiete mit schwerer Artillerie und Mehrfachraketenwerfern beschossen sowie durch Flugzeuge und Raketen aus der Luft angegriffen. „Dabei wurde auch mehrfach Streumunition eingesetzt“, sagte Bogner.

Beunruhigend seien sogenannte extralegale Tötungen durch die russische Armee in mehr als 30 Orten in den Gebieten Kiew, Tschernihiw, Sumy und Charkiw im Februar und März, so Bogner. Allein in Butscha bei Kiew seien mindestens 50 Zivilisten rechtswidrig getötet worden.

Zudem seien in 248 Fällen Behördenvertreter, Journalisten, Aktivisten und andere Zivilisten von den russischen Kräften willkürlich festgenommen worden oder verschwunden, sagte sie. Acht davon seien tot aufgefunden worden. Es seien auch zwölf Fälle von verschwundenen Menschen dokumentiert, die vorher ins Visier ukrainischer Sicherheitskräfte geraten waren.

Ukraine erleidet wohl deutliche Verluste bei der Verteidigung von Lyssytschansk

Update vom 29. Juni, 12.48 Uhr: Bei den Kämpfen an einer Ölraffinerie in Lyssytschansk in der Ostukraine haben regierungstreue ukrainische Truppen deutliche Verluste erlitten: Von den 350 Mann einer Gebirgsjägerbrigade seien lediglich noch 30 Soldaten am Leben geblieben. So teilte es das russische Verteidigungsministerium nun mit. Unabhängig prüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.

Außerdem seien in der Nähe von Pytomnyk im Charkiwer Gebiet 100 Kämpfer getötet und Militärtechnik vernichtet worden. Zudem sei eine Ausbildungsbasis für ausländische Söldner nahe Mykolajiw in der Südukraine sowie vier Kommandoposten zerstört worden. Größere Geländegewinne vermeldete Moskau nicht.

Putin-Raketen auf Einkaufszentrum: Sogar West-Geheimdienst vermutet „Versehen“

Erstmeldung vom 29. Juni: Kiew/London - Wolodymyr Selenskyj sieht den blutigen Angriff auf das Einkaufszentrum in Krementschuk als Teil einer Gesamtstrategie Moskaus. Ziel seien zivile Objekte, sagte der ukrainische Präsident in seiner täglichen Videoansprache. Im Fall Krementschuk urteilt der britische Geheimdienst aber anders.

Der Raketenangriff mit mindestens 20 Toten könnte ein Versehen gewesen sein, hieß es in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums. Es sei durchaus realistisch, dass die Attacke am 27. Juni ein nahe gelegenes Infrastrukturziel habe treffen sollen.

Bedrohung durch Moskau: London fürchtet weitere „hohe Kollateralschäden“

Moskaus Angriffe mit Langstreckenraketen seien auch schon in der Vergangenheit ungenau gewesen, was zu einer hohen Zahl an zivilen Opfern geführt habe - etwa beim Beschuss des Bahnhofs in der Stadt Kramatorsk im April. Moskau sei bereit, „hohe Kollateralschäden“ in Kauf zu nehmen. Da Russland einen Mangel an moderneren Präzisionswaffen und deutliche Schwächen bei der Planung seiner Ziele habe, müsse man durch weitere Angriffe mit weiteren zivilen Opfern rechnen, hieß es weiter.

Bomben auf Einkaufszentrum: Selenskyj fordert Bestrafung für „Terrorstaat“ Russland

Üblicherweise teilt London mit scharfen Worten gegen Russland unter Kremlchef Wladimir Putin aus. In einer überraschenden Botschaft vor dem UN-Sicherheitsrat hatte Selenskyj Moskau „Terrorismus“ vor allem gegen ukrainische Zivilisten vorgeworfen. Moskau hatte einen gezielten Beschuss des Einkaufszentrums abgestritten.

Kampfgebiet Ostukraine: Zivilisten sterben bei Beschuss von Autowerkstatt

Derweil gehen die Kämpfe in der Ostukraine mit unverminderter Härte weiter. In der Großstadt Dnipro wurden zwei Leichen gefunden: Unter den Trümmern eines von einer feindlichen Rakete zerstörten Unternehmens hätten Retter zwei Tote entdeckt - einen Mann und eine Frau, teilte der Gouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk auf Telegram mit. Die Raketen hätten ein friedliches Unternehmen getroffen, das nichts mit dem Militär zu tun habe. In Medienberichten war von einer Autowerkstatt die Rede. Vertreter Russlands betonen, nur militärische Ziele anzugreifen.

Ukraine-News: Lyssytschansk in der Ostukraine schwer umkämpft

Schwer umkämpft ist auch eine wichtige Versorgungsstraße für Lyssytschansk. Die Großstadt werde dabei ständig mit Mörsern und anderer Artillerie beschossen, teilte der Generalstab mit. Vertreter der prorussischen Separatisten berichteten von Kämpfen bereits im Stadtgebiet. (AFP/dpa/frs)

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